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Finstere Pfade - gefährliche Dimensionen - Band 2 Das Schicksal
Finstere Pfade - gefährliche Dimensionen - Band 2 Das Schicksal
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Nicholas ist in seine beste Freundin Angelina verliebt, die er schon seit der Geburt kennt. Eines Tages reagiert er eifersüchtig und entdeckt, dass er Kräfte besitzt, die er zuvor noch nicht gekannt hat. Seine Eltern klären ihn über seine Herkunft auf und teilen ihm mit, dass er ein halber Dämon ist. Da er seine Kräfte nicht kontrollieren kann, ist er mit der Situation überfordert. Sein einziger Ausweg ist ein Zauberbuch, von dem seine Eltern wissen. Angelina begleitet ihn auf seiner Reise durch die Dimensionen. Dieser Weg ist sein Schicksal und er muss die Prüfungen bestehen.
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Prolog
Es waren nun 16 Jahre vergangen, seit Lia Price durch die Dimensionen reiste, um ihren Sohn Nicholas zu retten. Er wurde von seinem eigenen Vater Joshua Newman entführt, der zu dieser Zeit ein Dämon gewesen war. Nachdem Lia die Gegenstände gefunden hatte, die ihr aufgetragen wurde zu suchen, konnte sie aus Joshua einen richtigen Menschen machen. Dafür musste sie aber unzählige Gefahren überstehen, die in den anderen Welten auf sie warteten. Jedoch hatte sie dort auch unerwartete Hilfe bekommen und Freundschaften gewonnen.
Gemeinsam mit ihrem Mann zog sie ihren Sohn auf und behütete ihn so gut es ihr möglich war. Sie machte sich viel zu große Sorgen um ihn und sein zukünftiges Leben, denn Nicholas war immerhin zur Hälfte ein Dämon. Er wurde gezeugt, bevor Lia mit Hilfe eines Zauberbuches aus Joshua einen Menschen gemacht hatte. Sie beide konnten nicht im Mindesten erahnen, was für Kräfte in ihrem Sohn schlummerten, ob er überhaupt welche haben würde. Nicholas selbst hatte keine Ahnung, wer er war. Niemand hatte es ihm bisher gesagt. Es gab ja auch kaum jemanden, der die Geschichte von damals hautnah erlebt hatte und darüber berichten konnte. Außer Lia und Joshua wusste nur noch Miranda davon, die beste Freundin der beiden. Ihr eigener Bruder war damals ebenso in einer anderen Welt verschwunden. Daniel, der Schutzengel von Lia, half zum Schluss den Zauber wirksam zu machen. Doch Letzterer hatte sich seit 16 Jahren nicht mehr gezeigt.
Nicholas hatte bereits die Schule verlassen und eine Ausbildung in einem Hotel angefangen, in dem auch damals seine Mutter arbeitete. Aber diese war nicht der Grund, sondern Angelina. Sie ist die Tochter von Miranda und die beiden kannten sich schon ihr ganzes Leben. Nicholas verspürte immer nur Freundschaft für sie. Doch irgendwann in der Pubertät kamen ganz andere Gefühle in ihm hoch. Plötzlich merkte er, dass er sich in sie verliebt hatte. Und da Angelina in dem Hotel eine Ausbildung angefangen hatte, wollte er in ihrer Nähe sein. Denn die Liebe war leider nur einseitig. Seine Gefühle steigerten sich immer mehr und auf diese Weise konnte er sie trotzdem jeden Tag sehen.
Das Leben verlief so normal, wie es die meisten Menschen erleben, bis zu jenem Tag …
Kapitel 1
„Dies ist die Karte für ihr Zimmer. Ich wünsche ihnen einen schönen Aufenthalt bei uns. Wenn sie Fragen oder Wünsche haben, so zögern sie nicht mich anzusprechen.“ sagte Nicholas freundlich zu einem Gast. Er war an diesem Tag im Hotel am Empfang zuständig. Sorgfältig trug er die Namen in den Computer ein und schaute in den Planer, wie viel Leute an diesem Vormittag noch einchecken sollten. Es war längst Routine für ihn gewesen. Höflich begrüßte er die ankommenden Gäste, beantwortete Fragen, informierte sie und verteilte die Zimmer. Mit einem wachsamen Auge wartete er jedoch auf Angelina, die zur nächsten Schicht kommen müsste. Sein Herz klopfte wie verrückt, denn er wollte ihr endlich sagen, wie sehr er sie liebt. Unter dem Tresen der Hotellobby war ein Strauß Blumen versteckt, den er ihr überreichen wollte. Er hatte sich extra in Schale geschmissen. Zwar gehörte ein gepflegtes Äußeres am Empfang dazu, aber diesmal hatte er ein teures Parfum aufgetragen und die grau gemusterte Krawatte an, die Angelina ihm zum Ausbildungsbeginn geschenkt hatte. Damit hoffte er, bei ihr zusätzlich zu punkten.
Während ein anderer Gast gerade zur Türe hereinkam und zunächst in seiner Tasche wühlte, schaute sich Nicholas dezent um, denn er wollte nicht so aufdringlich erscheinen. Seine Augen wanderten zu der großen Treppe, die direkt neben den Aufzügen stand. Das Geländer war golden verziert. Die Stufen, sowie die Wände und der Boden bestanden aus weiß-blauem Marmor. Dieses Gebäude war schon sehr protzig, wie er meinte. Das lag wahrscheinlich an der Umgebung und dem Marmorviertel, wo alle Häuser aus diesem Material gebaut wurden, nach dem diese Siedlung ihren Namen trug. Alles ziemlich teuer, wie er fand. Er selbst wohnte nicht dort, sondern mit seinen Eltern in einem Haus näher am Waldesrand. Der Hotelgast stand endlich vor ihm und daher begrüßte er ihn höflich, wie er es immer tat. Nach der Schlüsselübergabe winkte er einen Pagen heran, der mit dem Gepäck helfen sollte. Die Gäste wurden in jeder Hinsicht angemessen betreut.
Mit einem Blick auf die Uhr bemerkte Nicholas, dass Angelina zu spät war. Der Bus, mit dem sie sonst immer kam, fuhr schon weiter und sie war nicht ausgestiegen. Er hoffte, dass es dafür eine logische Erklärung gab und nichts passiert war. Nervös strich er sich durch seine schwarzen, kurzen Haare. Der Hotelmanager stand plötzlich neben ihm und fragte: „Ist irgendwas nicht in Ordnung?“ Verwirrt räusperte sich Nicholas und antwortete: „Nein, alles ist bestens. Es war nur eine anstrengende Schicht heute. Ich warte jetzt nur auf die Ablösung und dann gehe ich nach Hause.“ Mit dieser Bemerkung wollte er seine Angebetete davor bewahren, erwischt zu werden, wenn sie zu spät kommt. Wohlwollend nahm der Manager es zur Kenntnis und meinte mit einem Blick in das Gästebuch: „Die Erweiterung der Anlage hat sich wirklich gelohnt. Damals hatten wir nicht so viele Leute untergebracht. Es kamen nur Geschäftsmänner jedoch selten Menschen, die hier ihren Urlaub verbracht haben. Das lag an diesen schlimmen Vorfällen in dieser Stadt. Ich glaube, du warst noch nicht geboren oder ganz klein, als sehr viele Kinder verschwanden. Die meisten Leute glaubten an einen Serientäter. Daher wollte kaum ein Mensch hier hin. Schon gar nicht mit Nachwuchs. Schließlich hörten diese Verbrechen auf und die Verschwundenen sind plötzlich aufgetaucht. Das Seltsame an der Sache war allerdings, dass sie immer noch Kinder waren. Dazu sind sie überwiegend verrückt geworden und behaupteten, dass sie in einer anderen Welt lebten. Natürlich lockt dies nun die meisten Touristen an, die selbst auf Spurensuche gehen wollen. Sie wittern eine große Entdeckung. Aber ich denke, dass das alles nur Erzählungen sind, denn ich kenne niemanden, dem es widerfahren ist.“ Nicholas schaute ihn kurz an und meinte leise mit einem Seufzen: „Ich schon. Der Bruder der besten Freundin meiner Mutter war damals auch verschwunden. Er ist nun in einer Heilanstalt. Egal was ihm passiert ist, hat ihn für alle Zeiten verdorben.“ „Das tut mir leid für ihn und die Bekannte deiner Mutter. Ich wollte eure Gefühle nicht verletzen, indem ich gesagt habe, dass diese Legende uns die Touristen bringt. Gleichwohl frage ich jetzt nicht nach, was er erlebt hat. Das ist privat. Genieße nachher den Feierabend.“ bemerkte der Manager und schritt in Richtung der Aufzüge. Nervös überlegte Nicholas, ob er ihm zu viel verraten hatte. Natürlich sagte er ihm nicht, dass der verschwundene Junge von damals quasi Angelinas Onkel war. Diese Tatsache ging niemanden irgendetwas an. Erneut sah er auf die Uhr und anschließend zur Türe. Er fragte sich, wo sie blieb. Immerhin hatte er etwas für diesen Tag vorbereitet.
Wie so oft hielt ein Taxi direkt vor dem Hotel an und sein Blick wanderte auf der Stelle auf die Autotür. Er erwartete noch einen Gast, der ein Zimmer gebucht hatte. Jedoch stieg dort auf einmal Angelina aus. Nicholas Hirn machte einen kurzen Aussetzer, denn sie sah so toll aus an diesem Tag. Ihre blonden, langen Haare wehten im Wind und leuchteten in der Sonne. Sie trug ein schwarzes Kostüm und eine weiße Bluse. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Eine Hand wanderte bereits unter den Tresen zum Blumenstrauß. Würde sie ihm freudestrahlend eine Umarmung geben? Oder ihm einen Kuss aufdrücken, der seine Welt aus der Umlaufbahn bringen würde? Er war sichtlich aufgeregt und machte sich parat. Plötzlich stieg noch jemand aus dem Taxi aus. Es war ein junger Hotelgast, den Nicholas schon öfter gesehen hatte. Ein Geschäftsmann, der häufig in diesem Hotel übernachtete und massig Geld zur Verfügung hatte, mit dem er um sich warf. Er beobachtete durch die Glastür, wie der Mann seine Hand an die Hüfte von Angelina schmiegte, die sich offenbar über diese Geste freute. Nicholas ließ den Kopf sinken und seufzte leise. Sofort legte er den Blumenstrauß in das Versteck zurück.
Als Angelina und der Geschäftsmann das Hotel betraten, sprach dieser so laut zu ihr, dass Nicholas alles mit anhören konnte: „Ich hoffe, heute Abend können wir unser nettes Gespräch fortführen.“ Sie sagte jedoch nichts, sondern lächelte ihn höflich an und drehte sich weg. Hastig stürmte sie auf Nicholas zu, während sie erklärte: „Hallo Nic! Ich habe doch tatsächlich mal den Bus verpasst und zufällig kam John mit dem Taxi an mir vorbei und hat mich mitgenommen. Jetzt muss ich aber schnell an die Arbeit.“ Bevor er auch nur ein Wort sagen konnte, verschwand sie im Aufzug.
Betrübt ging Nicholas nach Hause und hatte den Blumenstrauß in der Hand. So langsam wie an jenem Tag, war er noch nie gewesen.
Im Hause der Eltern angekommen, kam seine Mutter ihm freudestrahlend aus der Küche entgegen und sagte: „Hallo mein Schatz, du bist aber heute spät. Das Essen wird kalt. Dein Vater und ich haben damit auf dich gewartet.“ Er blickte auf die Blumen, die er immer noch bei sich hatte. Angelina würde sie nicht mehr zu Gesicht bekommen, dachte er. „Hier, bitteschön, die sind für dich!“ erklärte Nicholas und überreichte ihr den Strauß. „Oh, sind die aber schön. Danke dir!“ jauchzte sie, steckte die Blumen in eine Vase auf dem Tisch und meinte zu ihrem Mann: „Schau mal! Du solltest dir ein Beispiel an deinem Sohn nehmen. Was er Tolles für seine Mutter mitbringt! Du hast mir lange keine Aufmerksamkeiten mitgebracht.“ Doch sein Vater schaute ihm in die Augen und erkannte wohl, dass er traurig war. Schließlich sagte er: „Ich glaube ja nicht, dass er die Blumen ursprünglich für dich gekauft hat. Nun sag mal mein Sohn, was ist heute passiert?“ Erst dann wurde seine Mutter auf ihn aufmerksam und merkte zweifellos auch, dass etwas nicht stimmte. Sie setzten sich an den Tisch und es dauerte ein wenig, bis die Stille gebrochen wurde.
Nicholas holte tief Luft und erzählte: „Endlich wollte ich Angelina meine Liebe zu ihr gestehen. Ihr hättet sie sehen sollen. Sie sah umwerfend aus. Doch heute brachte John sie zur Arbeit. So einem eingebildeten, hochnäsigen, mit Geld um sich werfenden und die besten Anzüge tragenden Geschäftsmann. Der konnte auch nicht seine Finger von ihr lassen. Und am Abend wollen sie sich wiedersehen. Sie heute mit einem anderen Mann gesehen zu haben, stimmt mich unglaublich traurig. Aber dass es ausgerechnet so ein Typ sein muss, der sie wahrlich nur ausnutzt, das macht mich richtig wütend.“ Kaum war das letzte Wort gesagt, ballte er seine Faust und spürte eine Eifersucht in ihm auflodern. Plötzlich gab es einen lauten Knall und die Glasscheibe der Vitrine im Esszimmer zersplitterte vor allen Augen. Erschrocken sahen sie sich gegenseitig an. Doch die Blicke seiner Eltern waren kurz darauf eher von Sorge erfüllt, als vor Schreck.
Nicholas fragte stutzig: „Was war denn das? Hatte das Glas schon einen Sprung, oder stand der Schrank unter Spannung?“ Beruhigend legte sein Vater die Hand auf seine Schulter, tätschelte ihn ein wenig und sagte leise: „Mein Junge, ich glaube, wir haben dir etwas zu erklären.“ Seine Mutter griff nach den Fingern ihres Mannes und meinte fast flüsternd: „Das ist der Tag, vor dem ich mich gefürchtet habe.“ Verwirrt und ängstlich schaute Nicholas seine Eltern an und fragte: „Was wollt ihr mir erzählen? Bin ich nicht euer Sohn, bin ich adoptiert und Angelina ist eigentlich meine Schwester? So langsam bekomme ich Angst.“ Liebevoll streichelte sie den Rücken seiner Hand und antwortete: „Doch, du bist unser gemeinsamer Sohn. Aber genau das ist der entscheidende Punkt. Du solltest die Vorgeschichte hören, was damals passiert ist. Das erklärt dir, was da eben mit der Vitrine geschehen ist.“ Nicholas schaute die beiden immer noch ängstlich an und fragte verwirrt: „Was hat denn mein Leben mit dem kaputten Glas zu tun? Ist mein Tag denn nicht schon schlimm genug verlaufen? Wollt ihr mir jetzt glaubhaft machen, dass das grade meine Schuld gewesen ist?“ Sie nickte zögerlich und sein Vater ergriff das Wort: „Du glaubst doch an Übersinnliches. Wir haben immer versucht dir plausibel zu vermitteln, dass es Hexerei und Geister gibt und solche Sachen wirklich existieren, auch wenn viele Leute nicht daran glauben oder es nicht wahrhaben wollen. Eben das war echte Magie. Zumindest wirst du es dafür halten. Magie verbinden die meisten Menschen mit Zauberei, mit etwas Gutem. Zu bösen Kräften wird meist Hexerei dazu gesagt oder Schwarze Kunst. Wie auch immer, du besitzt Kräfte in dir. Diese werden anscheinend nur aktiv, wenn du wütend bist. Das würde erklären, warum du nie schon früher etwas davon gemerkt hast. Einfach, weil du eine gute Kindheit hattest. So richtig sauer warst du noch nie. Beleidigt ja, bloß zornig nicht. Es kann aber nun auch durch die Pubertät ausgelöst worden sein. Wir wissen es nicht wirklich.“ Nicholas lenkte ein: „Warum soll ich denn böse Kräfte in mir haben?“ Seine Mutter versuchte ruhig zu bleiben, während sie erklärte: „Weil dein Vater noch ein Dämon war, als du gezeugt wurdest, den ich erst später zum Menschen verwandelt habe.“ Ungläubig schaute Nicholas seine Eltern an und fing an zu lachen. „Ihr wollt mir bestimmt einen Bären aufbinden. Ihr wollt mich zum Lachen bringen, damit ich nicht immerzu an Angelina denken muss. Wie soll Dad denn ein Dämon gewesen sein? Und wie soll Mum ohne Magie, einen Dämon in einen Menschen verwandelt haben?“ „Mit Liebe hat sie das gemacht. Als Dämon konnte ich nur in meiner Dimension am Tage leben. Hier auf der Erde wirkte meine Kraft nur in der Nacht. Da habe ich Lia verführt. Aber meine Energie war zu schnell verbraucht in dieser Welt.“ erzählte sein Vater und sah dabei seine Frau an. „Ja, damals hatte er nur einen kleinen Kinnbart passend zu den kurzen schwarzen Haaren. Doch jetzt mit dem wenig Grau darinnen und dem Dreitagebart gefällt er mir schon besser.“ sagte sie und lächelte in die Richtung ihres Mannes. Dieser grinste, zwinkerte ihr zu und fuhr fort: „Ich weiß nicht, ob du dich an etwas von damals erinnern kannst, aber ich habe dich zu mir in meine Dimension geholt, als du laufen konntest. Da war ein Vergnügungspark in meiner Welt und viele andere Kinder, die ich für dich besorgt habe.“
Langsam kam ein Bruchteil der Erinnerungen in Nicholas hoch und er sagte: „Ich hielt das für einen Traum. Immer wieder träumte ich davon und wunderte mich über die Ähnlichkeit der Erlebnisse. Ich dachte das wurde alles durch diese Erzählungen ausgelöst, dass damals viele Kinder verschwunden sind. Zumindest schien es die einzig logische Erklärung für mich zu sein. Dann hast du also tatsächlich die Kinder entführt? Weiß die Polizei hiervon? Warum das alles?“ Seufzend erzählte seine Mutter: „Nein, es war kein Traum. Ich wollte dich wiederhaben und habe mit Joshua einen Vertrag geschlossen. Ich sollte aus drei verschiedenen Dimensionen jeweils eine Sache mitbringen, von denen ich nicht wusste, um was es sich handelte. Dann erst sollte ich dich zurückbekommen. Ich musste einen geweihten Dolch finden, ein Zauberbuch und einen Engel, der aus dem Buch lesen konnte. Ich schaffte es schließlich. Nachdem ich dich wieder zu Hause hatte, bat Joshua mich, ihn mit Hilfe der Dinge in einen Menschen zu verwandeln, damit er bei uns bleiben konnte. So ist dein Vater jetzt normal, aber du bist immer noch zur Hälfte ein Dämon.“ Joshua räusperte sich und erzählte: „Es gab eine Prophezeiung über deine Geburt. Lia war die Frau, so stand es in den Sternen, die mich besiegen kann. Das hat sie auch getan. Es wurde mir ein Sohn vorherbestimmt. Alleine für dich habe ich die Kinder besorgt, damit du nicht alleine und ohne Freunde bei mir aufwächst. Daher dachten alle, ein Serienkiller hätte sie entführt. Aber nachdem deine Mutter dich wiederhatte, brachte ich alle sofort zu ihren Eltern nach Hause.“ „Jedoch sind einige von ihnen verrückt geworden. So wie der Bruder von Miranda. Hast du dafür auch ein Heilmittel parat?“ fragte Nicholas sehr entrüstet. Sein Vater schüttelte den Kopf und antwortete: „Nein. Ich dachte nicht, dass so etwas passiert. Und später, als die ersten Anzeichen auftauchten, dass sie einen Schaden davongetragen haben, hatte ich leider keine Kräfte mehr in mir, dass ich ihnen hätte helfen können. Das war alles so nicht geplant und auch nicht von den Sternen überliefert gewesen. Ich war einfach dumm und habe nicht über die Konsequenzen nachgedacht.“ „Das muss ich nun erstmal sacken lassen. Das alles war heute was viel für mich.“ meinte Nicholas und stand vom Tisch auf.
Niedergeschlagen ging er in sein Zimmer. Dort warf er sich auf das Bett und starrte an die Decke. Er wollte sich an sämtliche Träume erinnern und wie es in dieser anderen Dimension gewesen war. Dazu musste er diese neuen Informationen erst verarbeiten. Er konnte doch unmöglich ein halber Dämon sein. Brauchte er noch Beweise oder würde er seinen Eltern auch so glauben? Und warum wurde er nicht verrückt, wie alle anderen Kinder die kurzzeitig dort in der anderen Welt lebten? Die Gedanken kreisten in seinem Kopf herum, bis er irgendwann vor Müdigkeit eingeschlafen war.
Am nächsten Morgen wachte Nicholas auf und dachte direkt an die Unterhaltung mit seinen Eltern. Sollte es tatsächlich stimmen, was sie ihm gesagt hatten? Er setzte sich im Bett hin, reckte zunächst seine Arme in die Höhe, rieb den Sand aus den Augen und schaute sich in seinem Zimmer um. Es konnte doch unmöglich sein, dass sie ihm dies all die Jahre verheimlichten und er wirklich Magie in sich trug. Auf dem Tisch am Fenster stand ein leeres Glas. Er zeigte mit dem Finger darauf und probierte es kaputtzumachen, jedoch passierte nichts. Nachdem er aufgestanden war, versuchte er es erneut. Auch diesmal schlug sein Experiment fehl. Seufzend ging er ins Badezimmer, um erst einmal zu duschen.
Unter dem Wasserstrahl kam ihm Angelina in den Sinn, wie toll sie in ihrem Kostüm aussah, und dabei von diesem Kerl befummelt wurde. Wut stieg in ihm auf und plötzlich platzte die Flasche mit dem Duschgel. Zunächst erschrak er, doch dann glaubte er so langsam daran, dass er ein halber Dämon war.
Nachdem er sich für die Arbeit fertiggemacht hatte, ging Nicholas an den Frühstückstisch zu seinen Eltern. Sie sahen ihn so an, als ob sie anhand ihrer Blicke herausfinden wollten, wie gut er geschlafen hatte oder wie er die Informationen verkraften konnte.
Eine Minute lang schwiegen alle, doch dann durchbrach Nicholas die Stille, indem er sagte: „Ich will kein Dämon sein. Die Kräfte kommen tatsächlich nur, wenn ich wütend bin. Und damit würde ich viel zu großen Schaden anrichten.“ Dies meinte er ehrlich, denn auf diese Art war er eine wirkliche Gefahr für seine Mitmenschen. Seufzend schaute seine Mutter ihn an und anschließend ging ihr Blick hilfesuchend zu ihrem Mann hinüber. Nicholas strich sich nachdenklich über die Haare und fragte: „Dad, wie konntest du damals die Kraft steuern?“ Dieser richtete sich auf und erklärte mit ruhiger Stimme: „Bei mir war das anders. Ich war ein ganzer Dämon und nicht ein halber Mensch. Meine Magie funktionierte immer. Auch als ich Lia lieben durfte.“ „Aber wie konnte das überhaupt gehen? Mit Liebe klappte deine Kraft auch?“ wollte sie wissen. „Ja meine Liebste. Ich habe dir doch damals alles erklärt. Es gibt in der Welt Gut und Böse. Und bei den Dämonen existiert das auch. Liebe und Hass liegen dicht beieinander. Außerdem hatte ich schon immer meine Kräfte.“ Erneut strich sich Nicholas nachdenklich und traurig durch die Haare und meinte seufzend: „Ich werde Angelina einfach aus dem Weg gehen. Wenn ich sie nochmals mit einem anderen Mann sehe, weiß ich nicht, was ich dann machen könnte. Nachher töte ich ausversehen eine unschuldige Person. Am besten ist, wenn ich mir auch das Buch besorge. Damit kann ich in einen richtigen Menschen verwandelt werden.“
Dies war der beste Plan, den er auf die Schnelle aus den Fingern saugen konnte. Immerhin würde er Angelina sehr oft sehen. Auf der Arbeit, bei ihren privaten Treffen, an den Geburtstagen der Mütter auch. Und natürlich würde es auch öfter vorkommen, dass andere Männer ihr schöne Augen machen. Darin lag das Problem, denn dann sollte die Eifersucht in ihm aufkochen. Also musste er etwas unternehmen.
Plötzlich fragte seine Mutter jemanden, der offenbar nicht sichtbar vorhanden war: „Daniel, kannst du uns das Buch wieder besorgen, um meinem Sohn seinen Wunsch zu erfüllen?“ Die Luft flimmerte und auf einmal stand da so ein blonder Kerl neben ihr. Sie lächelte und meinte: „Ich habe dich ja schon zu lange nicht mehr gesehen. Gut siehst du aus. Du hast dich seit damals nicht verändert. Ich dachte, du würdest dir die ganz kurzen blonden Haare abgewöhnen. Längere würden dir bestimmt besser stehen.“ „Du siehst auch gut aus, obwohl ich dich jeden Tag sehe.“ antwortete er und grinste schelmisch.
Nicholas war überrascht, dass auf einmal jemand im Zimmer stand, von dem behauptet wurde, dass es ein Engel ist. Staunend sah er ihn sich an und war echt verblüfft. Sein Vater fragte den Kerl: „Hallo Daniel! Kannst du das Buch wieder besorgen?“ Dieser Mann ging im Zimmer auf und ab und erklärte: „Das Buch zu besorgen ist nicht ganz so schwierig, wie die Umstände, unter denen der Zauber wirken kann. Ich habe es damals an andere wie mich übergeben. Leider habe ich keine Ahnung, wo es hingebracht wurde. Vielleicht lässt es sich herausfinden, jedoch braucht es Zeit. Problematischer ist die Tatsache, dass eine Frau benötigt wird, die Nicholas von Herzen liebt und mit ihm die Prüfungen besteht. Wie ich das so mitbekommen habe, liebt er zwar eine, aber anscheinend ist es einseitig. Ohne diese eine Frau wird es leider Gottes nicht gehen. Solange muss er bedauerlicherweise ein Dämon bleiben.“ Betrübt schauten sich alle an. Daniel wurde langsam unsichtbar und seine Worte klangen nach: „Ich werde schauen, ob ich etwas über das Buch in Erfahrung bringen kann.“
Nicholas sagte seufzend: „Tja, die Sache sieht nicht sehr gut für mich aus. Also sollte ich das Buch irgendwann mal haben, finde ich ja vielleicht noch eine andere Frau, die mir helfen kann. Aber dafür muss ich Angelina aus meinem Herzen verbannen. Ansonsten kann ich keine andere lieben.“ Seine Mutter strich ihm behutsam über den Kopf und meinte leise: „Wir finden schon einen Weg. Gemeinsam schaffen wir das.“ Sein Vater fügte hinzu: „Bis dahin kann ich ja versuchen dir zu helfen, deine Kräfte etwas mehr unter Kontrolle zu bringen. Vielleicht brauchen wir dann nicht unbedingt das Buch, sondern es geht auch so.“ Traurig nickte Nicholas, griff seinen Rucksack und ging aus dem Haus.
Kapitel 2
Im Hotel angekommen, machte sich Nicholas sogleich an die Arbeit. An diesem Tag sollte er die telefonischen Anfragen übernehmen und noch die restliche Büroarbeit erledigen, wie abheften und Unterlagen sortieren nach Art und Dringlichkeit. Eben alles, was an Papierkram so anfiel. Das kam ihm gelegen, denn er hatte vor, ab diesem Tag etwas Distanz zu Angelina aufzubauen. Zum einen wollte er sie sich aus dem Kopf schlagen, und zum anderen war er nicht sonderlich scharf darauf, dass seine Kräfte irgendwelche Schäden aus Eifersucht heraus anrichten.
Als er mal gerade nicht telefonierte und sich daher wieder dem Stapel Papiere widmen konnte, kam Angelina zur Türe herein und fragte: „Hallo Nic, magst du mit mir den neuen Italiener um die Ecke ausprobieren. Ich habe gehört, er soll gut sein. Aber bevor wir den unseren Gästen empfehlen, müssen wir wohl zunächst selbst kosten.“ Am liebsten hätte er gesagt, dass sie doch mit ihrem neuen Verehrer essen gehen solle. Doch dann spürte er, wie gern er ihre Nähe genoss, und wollte nichts lieber machen, als mit ihr auszugehen. Schließlich dachte er an seine selbst auferlegte Aufgabe, ihr aus dem Weg zu gehen, und antwortete: „Tut mir leid Angelina. Ich habe noch so viel zu tun und außerdem habe ich zurzeit nicht so einen großen Hunger. Vielleicht ein anderes Mal.“ Langsam setzte sie sich auf die Kante des Schreibtisches, legte die Beine übereinander, was er sehr verführerisch fand, und fragte mit flehender Stimme: „Willst du nicht doch lieber Pause mit mir machen, um dich von der vielen Arbeit zu erholen? Und vielleicht kommt dann der Appetit, wenn du in die Speisekarte schaust.“ Nicholas starrte auf ihre Beine, die sie gekonnt übereinandergeschlagen hatte. Dieser Anblick brachte sein Blut zum Kochen. Doch bevor sie das bemerken konnte, schaute er auf ein Blatt Papier vor ihm auf den Tisch und antwortete höflich: „Ich glaube nicht, dass ich heute noch was essen werde. Mir ist irgendwie flau im Magen. Geh du ruhig hin.“ Angelina kam auf ihn zu, legte ihre Hand auf seine Stirn, so wie es Mütter immer machen und meinte: „Also Fieber hast du nicht.“ Er genoss ihre Berührung und schloss leicht die Augen. Doch dann nahm er ihre Hand von seinem Kopf weg und bat: „Lass mich bitte in Ruhe weitermachen und mach du Pause. Ich habe halt gerade zu viele Sachen im Kopf.“ Sie nickte, ging zur Türe und fragte kurz: „In Ordnung, aber kannst du mir bitte Bescheid sagen, wenn es dir wieder besser geht? So langsam mache ich mir Sorgen.“ „Ja, ich werde es dich wissen lassen.“ bestätigte Nicholas und winkte Angelina zu.
Seiner Herzensdame aus dem Weg zu gehen war schwierig. Zu viel Abstinenz würde ihre Freundschaft vielleicht gefährden. Und das wollte er auf gar keinen Fall. Also musste er einen Mittelweg finden. Es zunächst auf die Arbeit beschränken würde eventuell gehen, aber bei diesen Gelegenheiten war er genötigt zuzusehen, wie sich andere Männer für sie interessierten. Sollte er besser kündigen und sie nur noch privat treffen? Nicholas versuchte seine Gedanken aus dem Hirn zu verbannen, was ihm nicht gelang. Ständig kreiste ihm Angelina durch den Kopf. Sie und auch die Sache mit dem Dämon sowie den verschwundenen Kindern. Sein Vater war böse gewesen, verfügte über Magie und holte sehr viele unschuldige junge Menschen in eine andere Dimension, damit er selbst Freunde hatte. Dies wollte er immer noch nicht begreifen. Das Schicksal verlangte echt viel von ihm.
Nach der Arbeit trottete Nicholas müde nach Hause. Da er die Nacht nicht wirklich gut geschlafen hatte, und seine Gedanken über den halben Dämon in ihm, brachte ihn der Erschöpfung nahe. Das Hotel war nicht sehr weit weg und daher ging er die Strecke immer zu Fuß. Er kannte die Straßen und alle Häuser auswendig. Doch plötzlich fiel ihm auf, dass es diesmal anders aussah. Als würde die Sonne eine andere Farbe angenommen haben. Wie manchmal vor einem Gewitter, wenn das Licht der Sonne nicht mehr weiß, sondern eher gelblich ist. Doch irgendwie kam es nicht daher. Der Himmel sah normal aus. Sollte er die Stadt selbst anders wahrnehmen? Ob das von seinen Kräften kam? Mochte er mit seiner miesen Stimmung das Licht trüben?
Zu Hause angekommen suchte er seinen Vater. Dieser war im Garten und sah seinen Sohn mit besorgter Miene auf ihn zukommen. „Ich brauche deine Hilfe, Dad.“ bat er. Mit einer Hand deutete Joshua auf eine Bank an der Hecke und sagte: „Setz dich und ich werde gucken, was ich für dich tun kann.“ Nicholas seufzte und erklärte: „Ich bin heute sehr erschöpft und habe auch miese Laune. Schau den Himmel an und betrachte das Sonnenlicht. Bin ich schuld, dass es trübe wird?“ „Das denke ich nicht. Wir sind auf der Erde. Wenn du in deiner eigenen Dimension wärst, dann könnte das gehen. In meiner Welt damals hatte ich zwar Licht, aber der Himmel war fast schwarz, wie in der Nacht. Jedoch solltest du hier gar keine Kraft haben, die so stark ist, dass du die Sonne beeinflussen kannst. Das habe selbst ich als richtiger Dämon nicht geschafft. Ich glaube eher, es tut sich was in der Welt der Engel. Möglicherweise reden sie gerade über das Buch. Ehrlich gesagt mein Sohn, habe ich keine Ahnung, woher es kommen könnte. Vermutlich sehen auch nur wir es, da wir die Magie spüren können. Aber vielleicht sollten wir nun anfangen mit deinen Kräften zu üben oder sie zumindest in Schach zu halten.“ meinte sein Vater und klopfte ihm auf die Schulter. Dieser seufzte wieder und antwortete: „Also gut. Es kann ja nicht schaden, wenn ich es unter Kontrolle bringe. Immerhin ist das der Plan, bis ich das Buch habe. Legen wir los.“
