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Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy - Band 8 - Megan

Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy - Band 8 - Megan

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Wir schreiben Ihre Widmung handschriftlich ins Buch.
Megan ist unzufrieden, denn sie darf Babysitterin für den nervigen Sohn ihres Neffen sein und ist in Sean verliebt, der ihre Gefühle allerdings nicht erwidert. Es wird gemunkelt, dass es in seinem Leben eine andere Frau gibt, die er liebt. Von ihren Eltern wird sie wie ein rohes Ei behandelt, was sie jedoch nicht versteht. Jonathan ist ebenfalls sonderbar zu ihr. Eines Tages ist Sean wie ausgewechselt. Er möchte die Lichtkrieger verlassen. Megan will den Grund herausfinden. Ihr Vater ahnt etwas und schweigt darüber. Megan entwickelt einen Plan an das Wissen zu gelangen. Doch dann passiert ein Unfall, der schon seit ihrer Geburt prophezeit wurde. Ihre Mutter wusste es und hat es nicht verhindert.
📖 Leseprobe
Kapitel 1 Sechsunddreißig Jahre nach der Rückkehr der Lichtkrieger (Oktober) „Luke! Jetzt stell dich nicht so an. So eine neue Windel ist doch nichts Schlimmes.“ sagte Megan zu dem kleinen Kerl, als der so zappelte, dass sie ihn kaum noch auf dem Wickeltisch festhalten konnte. Der Knirps war mit seinen vierzehn Monaten schon anstrengend, wie sie feststellen musste. Anscheinend mochte er sie ärgern, denn auf einmal hatte er ein fieses Grinsen aufgelegt, als er ihr die neue Windel aus der Hand riss und auf den Boden warf. Als sie ihn böse anschaute, fing er tatsächlich an zu lachen und wackelte mit den Beinen. Sie hatte regelrecht Mühe ihm eine neue Windel unter den Popo zu schieben, da er sich dabei sehr wehrte. Geduld war eine Tugend, die sie offenkundig nicht besaß, denn dieser Knirps raubte ihr in solchen Situationen echt den letzten Nerv. Konnten Kinder nicht alle irgendwie lieb sein? Aber anscheinend mochte er sie so ärgern, weil seine Mutter es auch immer bei ihr gemacht hatte. Wahrscheinlich war das erblich und der Kleine hat es in Kellys Bauch schon mitbekommen. Und womöglich hatte er mehr von der Mutter abbekommen als von Jonathan. Von ihm hatte er nur den Penis bekommen und die blauen Augen. Die Haare hatte Luke wie beide Eltern. Rotblond. Fast schon so wie Sean, aber dieser hatte braune Augen. Megan lächelte den kleinen Kerl an und meinte: „Wenn ich öfter auf dich aufpassen soll, musst du dich mit mir anfreunden. Heute sind deine Großeltern nicht da. Deine Eltern haben auch gerade keine Zeit. Weißt du, sie alle haben sehr wichtige Dinge zu erledigen. Und da ich weder eine Arbeit habe noch irgendwelche Superkräfte, bin ich leider dazu verdammt worden auf dich aufzupassen. Also müssen wir das gemeinsam hinbekommen, denn sonst sehe ich für uns beide eine düstere Zukunft. Ich bin deine Großtante und daher sollte ich dich verwöhnen. Aber du machst es mir momentan echt schwer.“ Als hätte Luke jedes Wort verstanden, hob er den Popo hoch und half ihr somit die Windel darunter zu schieben. Nun war Schnelligkeit gefragt, denn sie musste fertig werden, bevor er wieder einen Tobsuchtsanfall auslebte. Nur noch schnell die Windel durch die Beine schieben, die Klebestreifen auf dem Bauch fixieren und den Body im Schritt schließen. Dann die Strumpfhose hochziehen und danach den Schlafanzug. Irgendwie hatte sie es geschafft und hob ihn von dem Wickeltisch herunter. Sofort lief er in seine Spielecke und holte dort ein Buch hervor, was er schon sehr oft im Mund gehabt hat. Zumindest konnte sie das anhand der dortigen Spuren erkennen. Leider war er in dem Alter, wo er zwar laufen konnte, aber immer noch alles in den Mund steckte. Seufzend schaute sie ihn an und fragte: „Möchtest du, dass ich dir daraus vorlese, wenn ich dich ins Bett gebracht habe?“ „Nein, nein, nein!“ kam aus seinem Mund. Sie seufzte erneut und stellte fest: „In Ordnung. Du kannst Mama und Papa sagen und nein. Das ist hervorragend. Na du würdest mir eh nicht bei der Geschichte zuhören.“ Ihr Blick ging zu dem Schrank, wo sie die Flasche mit der Milch hingestellt hatte. Zur Nacht bekam er diese immer noch, da es ihn beruhigte. Siegessicher hielt sie das Fläschchen hoch und sagte: „Wenn du deine Milch haben willst, dann geh ins Bett.“ Sofort hörte er und riss die Hände in die Luft, um an die Flasche heranzukommen. Sie setzte sich neben das Bett auf den Boden, ließ ihn an sich kuscheln und gab ihm die Flasche. Die Wiege, die Sean entworfen hatte, baute er so, dass sie kindgerecht mitwachsen konnte. Er musste nur ein paar Bauteile verändern und schon war aus einer Wiege ein größeres Bettchen geworden. Während der Kleine trank, bewunderte Megan die Schnitzereien im Holz. Es waren sogar einige Personen darauf abgebildet. Quasi die Ahnenreihe eingeschnitzt. Sie selbst kam auch darin vor, denn schließlich war sie ebenfalls mit dem Kind verwandt. Einen kurzen Moment später hörte sie Geräusche im Haus, doch sie konnte nicht sofort weg. Daher rief sie laut: „Ich bin hier im Kinderzimmer.“ Solange Luke nicht mit der Flasche fertig war, ließ er sich durch kaum etwas dabei stören. Schritte kamen vor der Türe immer näher und plötzlich schaute Sean vorsichtig hinein. Danach fragte er: „Wieso schläft er noch nicht?“ „Weil er bis eben herumgehampelt hat. Er ließ sich nicht die Windel machen.“ erklärte sie und hielt nach wie vor die Flasche mit der Hand fest. Luke nuckelte zufrieden und die Augen wurden langsam schwer. Sean legte seinen Finger über die Lippen und ging fast lautlos aus dem Raum heraus. Megan nickte ihm zu und stellte fest, dass der Knirps so gut wie im Land der Träume war. Nach einigen Minuten war der Kleine tatsächlich eingeschlafen und sie schlich so leise wie möglich aus dem Zimmer und machte die Babykamera an, damit sie mitbekommt, sofern er sich bewegt. Megan schaute auf ihr Handy und sah dort die Bildübertragung von dem Kinderzimmer. Zufrieden suchte sie Sean und fand ihn in der Küche stehen. Er räumte gerade seine Einkäufe in die Schränke. Sofort nahm sie ihm etwas aus der Hand, um es im Kühlschrank zu verstauen. Dabei sagte sie: „Findest du es nicht unfair, dass du heute hier helfen musst? Ich meine, ich bin ja auch nur für das Babysitten zuständig. Trotzdem es ist doch nicht fair, wenn Kelly und Jonathan gerade heute nicht für ihre eigene Geburtstagsparty die Vorbereitungen treffen. Eigentlich sollten sie sich selbst darum kümmern. Aber nein. Da Jonathan ja so super am Computer umgehen kann, ist er unentbehrlich für die Lichtkrieger geworden. Und Kelly soll bei einem Einsatz ihrer Mutter zugegen sein. Bob hat ein Geschäftsessen für einen guten Deal und daher ist Ronja mit dabei. Und du wohnst eigentlich in London und gehst quasi für alle einkaufen.“ Gemütlich verstaute Sean noch die Eier im Schrank und meinte: „Es macht mir nichts aus. Außerdem muss ich auch mal für ein paar Tage raus aus der Wohngemeinschaft. Jetzt da Nicholas und Serafina ausgezogen sind, ist es dort so ruhig. Und den ganzen Tag nur das Gesäusel von Sam und Leslie mit anzuhören, nervt zusätzlich irgendwann. Von daher bin ich ganz froh, mal für die paar Tage bei euch zu wohnen. Außerdem helfe ich gerne meiner Cousine und euch natürlich ebenfalls. Und findest du nicht selbst, dass Luke meine Haarfarbe hat? Ich mag den kleinen Kerl einfach. Er ist total süß.“ „Ja. Das ist mir auch schon aufgefallen. Aber mich mag er wohl nicht so sehr.“ bemerkte sie und stellte die Milchpackungen in den Kühlschrank. Mit einem Blick auf ihr Handy sah sie, dass Luke tief und fest schlief. Sean lächelte und sagte: „Also ich finde ja, dass du gut mit Kindern umgehen kannst. So ein Kind steht dir gut. Du wirst bestimmt mal eine gute Mutter sein. Da bin ich mir sicher. Vor allem, wenn du jetzt schon so viel üben kannst.“ „Ich weiß nicht. Kinderkriegen ist für mich ein Thema, was in weiter Zukunft erst spruchreif wird. Also abgesehen von den zwanzig Jahren, habe ich immer noch keinen Mann dazu. Außerdem bin ich erst achtzehn.“ erzählte sie und schaute auf eine Packung Kekse, die mit im Einkaufsbeutel war. Mit einem lässigen Griff nahm Sean ihr diese ab und sagte: „Die sind für Luke. Du wirst doch dem Baby nichts wegessen.“ Megan musste lachen und erklärte: „Ich wollte bloß schauen, wie viel Zucker darin ist.“ „Ich sag doch, dass du eine gute Mutter sein würdest. Ich habe da nicht darauf geachtet.“ bemerkte er und blickte dann selbst auf die Verpackung. Hastig öffnete er die Schachtel und nahm einen Keks heraus, den er ihr in den Mund steckte. Als sie ihn fragend anschaute, erklärte er: „Zu viel Zucker für den Kleinen. Daher müssen wir das nun essen.“ Mit vollem Mund konnte sie kaum lachen, also grinste sie nur und fing an zu kauen. Nachdem der letzte Einkaufsbeutel leer war, fragte Megan beiläufig: „Möchtest du auch irgendwann mal Kinder haben?“ Mit einem Keks im Mund blickte Sean sie nachdenklich an und schluckte hastig das Zeug herunter, bevor er antwortete: „Tja, ich wollte schon irgendwann mal Kinder haben. Aber da geht es mir wie dir. Es liegt in ganz weiter Zukunft und mir fehlt die passende Frau.“ „Was war das denn damals mit dir? Es gibt Gerüchte, dass du mit einer Frau geschlafen hast, die vergeben ist und die du liebst. Und ebenso gibt es die Gerüchte, dass du sie immer noch liebst. Ist da was dran?“ fragte sie, als ob es das Normalste der Welt wäre. Seufzend sagte er: „Falsches Thema. Ja, ich hatte Sex mit ihr. Das ist verdammt lange her. Davor und danach lebte ich abstinent, da ich auf die richtige Frau im Leben warte. Sie war ein Ausrutscher und es ist nicht wieder vorgekommen. Und nun sage ich dazu kein Wort mehr.“ „Aber du liebst sie, sonst würde es dir nicht so viel ausmachen, darüber zu reden. Du sagtest wohl auch mal zu Nicholas, dass du niemals eine Frau ohne Liebe an dich heranlassen würdest. Daher stimmt es offenbar, dass du sie liebst. Serafina glaubte ja, dass du was mit Susan hattest. Sie war ja auch vergeben. Es passte alles.“ sagte sie und bemerkte auf einmal, dass Sean eine Faust ballte. Mit ruhiger Stimme erklärte er: „Ich habe Serafina gebeten, dass sie mich in Ruhe lässt und sie nicht solche Mutmaßungen anstellen soll. Warum hat sie mit dir darüber gesprochen? Zwischen Susan und mir war nichts. Und nun ist das Thema für mich damit beendet.“ Megan seufzte und meinte: „Es tut mir leid. Aber ich sehe doch, dass du irgendwie leidest und ich will dir helfen. Du wirkst manchmal so traurig und mit den Gedanken weit weg. Das war bei der Band schon so. Daher vermute ich, dass du Liebeskummer hast. Diese Frau ging oder geht dir immer noch sehr nahe und ich möchte es einfach nur verstehen, damit ich dir helfen kann.“ Seans Blick verfinsterte sich und er sagte im Flüsterton: „Ich mag Luke nicht wecken. Sonst würde ich jetzt mit der Faust auf den Tisch hauen. Es geht dich nichts an. Selbst wenn ich Liebeskummer habe, kannst du mir wohl kaum helfen. Und ich möchte auch keine Hilfe. Womöglich will ich leiden. Den Schmerz fühlen, damit ich überhaupt noch etwas spüren kann. Vielleicht bewahrt mich dieser Schmerz unter anderem davor, etwas Dummes zu tun. Und vor allem hält mich diese Liebe zu anderen Frauen fern. Ich kann es mir nicht leisten mein Herz erneut zu verlieren.“ Megans Herz wurde schwer und sie fragte: „Warum das denn? Weshalb willst du dir keine Frau suchen?“ Seine Zähne knirschten und er presste aus seinen Lippen hervor: „Weil Frauen sterben. Sie sind nicht so wie wir. Ich möchte auch mit einer glücklich sein, die ich nicht nur einen Wimpernschlag lang in meinem Leben kennen werde. Daher bleibe ich lieber alleine und ertrage den Schmerz.“ Gebannt schaute Megan ihn an, bevor sie all ihren Mut zusammennahm und erzählte: „Wir beide sind doch gleich. Wir sind unsterblich. Zumindest fast. Du bist ein Mann und ich eine Frau. Wir sind außerdem nicht miteinander verwandt. Wäre es nicht logisch, wenn aus uns zweien auch mal ein Paar wird?“ Verwirrt blickte er sie an und sagte: „Logisch wäre es, aber daraus wird nichts. Ich mag dich sehr gerne, bloß nicht auf diese Art und Weise. Und ich möchte nicht mit dir zusammen sein, wenn die Liebe fehlt. Nur weil wir beide die Letzten sind, die noch keinen Partner haben. Das kann nicht sein. Obendrein hat Liebe keinesfalls mit Logik zu tun. Vergiss es schnell wieder.“ „Trotzdem könnte es doch möglich sein. Schließlich hat Serafina auch Nicholas zuerst gehasst und nun sind sie unzertrennlich. Und wie oft habe ich die Geschichte gehört, dass Sam zunächst Leslie nur wie eine kleine Schwester liebte und nicht mehr. Und was ist nun?“ „Ja, ich war selbst dabei, als es damals zwischen den Beiden geklappt hat. Ich habe geholfen, dass Sam sie als Frau wahrnahm. Aber so etwas passiert nur einmal. Die beiden haben halt Glück gehabt. Jedoch läuft zwischen dir und mir nichts. Es tut mir leid, wenn du dir Hoffnungen gemacht hast, aber ich kann es nicht." sagte er und drehte sich weg. Megan versuchte cool zu bleiben und erklärte: „Natürlich habe ich mir keine Hoffnungen gemacht. Es war nur so ein Gedankengang von mir. Warum sollte ich auch was von dir wollen?“ „Eben. Da sind wir uns ja mal einig. Ich bin ein Mann, den keine Frau haben möchte. Auch nicht die Frau, die ich liebe. Anscheinend bin ich nicht liebenswert.“ meinte er und ging aus der Küche heraus. Megan blieb alleine zurück und wollte ihm nicht nachgehen. Sean hatte so viel zu geben. Er war immer für sie da, als sie noch ein Kind war und sich gegen Kelly wehren musste. Sie liebte ihn sehr. Und natürlich war er wie ein großer Bruder für sie gewesen. Bis zu diesem Zeitpunkt, als die weiblichen Fans der Band über ihn geredet haben. Wie sexy er doch ist. Dass seine braunen Augen super zu den rotblonden Haaren und dem Dreitagebart passen. Es gab auch die ein oder anderen weiblichen Fans, die seine Muskeln bewunderten. Daher riskierte Megan auch mal einen Blick mehr in seine Richtung. Und es stimmte, was die Fans sagten. Dazu ließ dieser traurige Hundeblick die Herzen echt dahinschmelzen. Megan liebte ihn zwar wirklich mehr wie einen großen Bruder oder besten Freund, aber dennoch war sein Aussehen sehr anziehend. Ihr Körper war irgendwann mal zum Leben erwacht und sie stellte sich einfach mal vor, ihn zu küssen. Und schon brodelten die Hormone in ihrem Körper. Daher konnte sie sich gut vorstellen, dass aus ihnen mal ein Paar wird, was sich später erst so richtig lieben könnte. Besser spät als nie. Plötzlich hörte sie einen Ton vom Handy und sah auf dem Display, dass Luke sich unruhig im Schlaf drehte. Dann würde er bald aufwachen und schreien. Sie hoffte so sehr, dass Ronja mit Bob nach Hause kommt oder Kelly mit Jonathan, denn so langsam fühlte sie sich überfordert. Kapitel 2 Mitten in der Nacht wachte Luke auf und Megan hörte seine Schreie. Sofort eilte sie ins Kinderzimmer und nahm den kleinen Jungen auf ihre Arme, um ihn zu beruhigen. Bloß weinte er immer noch. Megan versuchte etwas zu singen, doch es half nicht wirklich. Plötzlich ging die Türe auf und Sean stand dort. Müde sah er sie an und meinte: „Vielleicht sind es die Zähne. War bei dir auch so. Das tut weh und daher ist er unausstehlich. Ich gehe mal ins Badezimmer. Möglicherwiese ist da diese Paste, die wir ihm auf das Zahnfleisch schmieren können. Das beruhigt und kühlt.“ „Danke dir.“ sagte sie und streichelte sanft den Rücken von Luke, bis Sean zurück ins Zimmer kam und stolz die Tube präsentierte. Er schmierte sich ein wenig von dem Zeug auf den Finger und sagte zu dem kleinen Kerl: „Hier Luke. Mach den Mund auf. Das wird dir helfen.“ Vorsichtig verteilte er die Paste an den Stellen, wo sich ein Zahn abzeichnete. Megan schaute ihm begeistert dabei zu und flüsterte: „Du wärst echt ein toller Vater. Du hast die Ruhe, die mir fehlt.“ „Das ist nur, weil ich ja auch dich, Kelly und Jonathan als Babys versorgt habe. Mit zehn Jahren konnte ich Ronja bereits gut helfen. Sam war ja schon ausgezogen und nach Bob war ich der Mann im Haus.“ erklärte er und nahm ihr dann Luke aus dem Arm, um sich mit ihm in den Sessel zu kuscheln. Diese zwei rotblonden Menschen dort so eng aneinander gekuschelt zu sehen, wärmte Megans Herz. Sie wollte diesen Mann unbedingt als Vater für ihre eigenen Kinder haben. Immerhin liebte sie ihn schon sehr und fand ihn auch überaus attraktiv. Alles andere könnte sich noch ergeben. Daher fand sie ihren Plan für die Zukunft wirklich gut. Vorsichtig steckte Ronja ihren Kopf ins Zimmer und direkt signalisierte Megan ihr, dass sie leise sein sollte. Luke war fast wieder eingeschlafen und Sean summte ihm kaum hörbar eine Melodie ins Ohr. Megan schlich sich heraus zu Ronja und sagte: „Er bekommt vermutlich Zähne. Ansonsten machte er mir echt Stress mit seiner neuen Windel. Umziehen ging fast gar nicht.“ „Ja. Es tut mir leid, dass wir dich mit ihm alleine lassen mussten. Aber Sean macht das wahrhaft gut, finde ich.“ bemerkte Ronja. Bob kam auch noch dazu und erwähnte leise: „Jetzt sind wir ja zurück. Du kannst gerne ins Bett gehen und schlafen. Wir übernehmen nun Luke.“ „Danke euch. Ich bin echt platt. Keine Ahnung, wie ihr das mit so vielen Kindern gleichzeitig geschafft habt. Ihr habt meinen Respekt.“ meinte sie und ging müde in ihr Zimmer. Am nächsten Morgen wachte Megan auf. Sie fühlte sich wie gerädert und schaute auf ihr Handy. Na toll. Es war der Geburtstag von Jonathan und Kelly. An dem Tag würden sie alle nach Amesbury fahren, um dort bei Seth und Heather auf dem Grundstück zu feiern. Sämtliche Veranstaltungen fanden da statt. An ihrem Geburtstag würde sie in Bridport feiern. Da ist es auch schön. Und der Garten bot ebenfalls viel Platz. Als sie geduscht und angezogen war, ging Megan in die Küche und sah dort geschäftiges Treiben. Ronja holte einen Kuchen aus dem Bachofen, Sean bereitete einen Nudelsalat in einer großen Schüssel vor und Bob fütterte Luke. Der Knirps sah sie an und grinste mit einem Mal. So als ob er ihr zeigen wollte, dass er bei seinem Opa total lieb war und nur bei ihr das Monster herausließ. „Guten Morgen!“ sagte Ronja und legte die Topflappen auf Seite. „Ja guten Morgen. Wann fahren wir los? Schaffe ich es noch mit dem Frühstück?“ hakte sie nach und setzte sich an den Tisch. Bob antwortete: „Du hast alle Zeit, die du brauchst. Sean und ich fahren gleich mit dem Reisebett und den anderen Kindersachen vor. Luke nehmen wir in meinem Auto mit. Da ist wenigstens der Kindersitz drinnen. Kelly erwartet ihren Sohn schon sehnsüchtig. Du kommst mit Ronja nach. Der Kuchen muss noch kalt und verziert werden. Und da wir morgen Jonathan, Kelly sowie Luke wieder mit nach Hause holen, brauchen wir ohnehin zwei Autos. Also lass dir ruhig Zeit mit dem Frühstück.“ „Ist gut.“ sagte sie und griff nach der Schüssel auf dem Tisch, um sich etwas Müsli in die Schale zu füllen. Sean meinte grinsend: „Ich hole gleich noch meine Geschenke aus dem Versteck. Es wird ihnen gefallen.“ „Was ist es denn?“ hakte Megan nach. Doch der rotblonde Mann lächelte, legte seinen Finger auf den Mund und scherzte: „Das kann ich nicht verraten. Der Kleine hört mit.“ Da musste sie glatt ein wenig lächeln. Sie war irgendwie froh, dass Sean sie nun nicht mit einem verachtenden Blick strafte, nach all dem Kram, den sie ihm am Vortag erzählt hatte. Anscheinend nahm er es ihr nicht übel, dass sie ihm vorgeschlagen hatte, ein Paar zu werden. Wenigstens stimmte sie dies einigermaßen froh. So konnten sie weiterhin Seite an Seite leben. Ronja und sie waren zu Hause zurückgeblieben, um noch den Kuchen zu verzieren. Megan sah ihre große Schwester dabei an, wie liebevoll sie die Zuckermasse als Häubchen auf den Kuchen setzte. Seufzend fragte sie: „Wie kannst du nur damit zufrieden sein, auf Kinder aufzupassen?“ „Ich verstehe die Frage nicht. Ich liebe alle meine Kinder, die ich großgezogen habe. Diese Zeit war mir sehr wertvoll. Und Luke bereitet mir auch eine Menge fröhlicher Momente. Um deine Frage zu beantworten, liebe ich diese Aufgabe.“ erklärte Ronja und befasste sich wieder mit dem Kuchen. Megan erzählte: „Mich macht es wahnsinnig. Ich möchte nicht immer nur babysitten. Das gestern hat mir gereicht. Nur weiß ich nicht, was ich in meinem Leben nun anfangen soll. Die Schule habe ich gut hinter mich gebracht. Aber eine Ausbildung habe ich nicht. Darüber hinaus habe ich keine Ahnung, was ich gerne machen würde. Am liebsten würde ich ja mit den Lichtkriegern arbeiten. Aber irgendwie wollen sie mich nicht dabeihaben.“ „Wer sagt das denn?“ hakte Ronja nach und blickte sie für einen kurzen Moment an. Hastig antwortete sie: „Na unsere Eltern. Sie erlauben es mir nicht mehr, mit ihren Artefakten zu üben. Und Mum hat mir lange nichts mehr mit den Karten gezeigt. Warum darf Jonathan die Pfeife benutzen und ich nicht? Und Jonathan selbst behandelt mich wie ein rohes Ei. Warum, weiß ich nicht. Er fragt mich oft, ob es mir gutgeht. Wenn du mich fragst, soll ich absichtlich nicht dazugehören.“ „Das bildest du dir nur ein. Weißt du, wir beide haben diese Fähigkeiten geerbt. Natürlich auch Jonathan. Weshalb sollten denn so viele die Artefakte nutzen können? Ein Nachfolger reicht doch aus. Und du musstest eben bis dato zur Schule gehen und hattest kaum Zeit dazu. Ich denke, dass du auch mitmischen darfst, sofern du ihnen zeigst, dass es dir wichtig ist.“ meinte Ronja und setzte noch ein paar Blumen aus Esspapier auf die Zuckerhäubchen. Verärgert ging Megan im Raum umher und motzte: „Das ist so ungerecht. Jonathan hat mit seinem Computer sehr viel erreichen können. Er wird dort immer gebraucht. Und Kelly fühlt sich nach der Geburt und seit sie abgestillt hat, wieder fit für das Training mit ihrer Mutter. So wie gestern. Sean musste die Zutaten für das Geburtstagsessen besorgen. Der darf im Übrigen auch öfter den Lichtkriegern helfen. Ebenso wie Sam, der gut kämpfen kann. Ganz zu schweigen von Nicholas. Er ist ein Werwolf und gehört zum inneren Kreis. Jetzt hat er die Bestie in sich vollkommen im Griff und daher ist er ebenfalls bei den Einsätzen dabei. Nebenbei kümmert er sich noch um die Lichtkriegerstiftung und Serafina hilft ihm hierbei. Sie kümmert sich um die Mails und hält dazu ihr hübsches Gesicht immer noch gerne in die Kamera, um den Fans einen aktuellen Sachstand über die Projekte zu geben. Du siehst, dass alle irgendwie den Lichtkriegern helfen. Nur ich nicht.“ Ronja stellte sich ihr in den Weg und bemerkte: „Du hast Leslie vergessen. Aber sie hilft den Kriegern nicht. Sie interessiert sich nicht dafür. Wenigstens eine ist vernünftig.“ „Heißt das, dass ich unvernünftig bin, wenn ich mir wünsche dazuzugehören?“ hakte sie nach und schnaubte empört durch die Nase. „Das habe ich nicht gesagt. Aber sie hält sich heraus und lebt ihr eigenes Leben. Und sie ist glücklich damit. Du solltest dich nicht immer so unter Druck setzen. Rede mit Mum und Dad darüber. Womöglich hast du jetzt jede Menge Zeit und sie könnten dir wieder etwas mehr beibringen. Obwohl ich wirklich nicht verstehe, warum du es unbedingt lernen willst.“ bemerkte Ronja und stülpte die Haube über den Kuchen. „Weil ich kämpfen will. Ich möchte Abenteuer erleben und zeigen, dass ich auch etwas draufhabe. Meine Aufgabe kann doch nicht nur daraus bestehen, ebenso wie du auf Kinder aufzupassen. Natürlich magst du diesen Job, aber für mich ist das nichts. Vielleicht ziehe ich besser zu unseren Eltern. Dann kann ich mehr lernen und komme aus diesem Haus heraus. Ich liebe dich Ronja, aber irgendwann ersticke ich, wenn ich hier nicht rauskomme.“ erklärte Megan und lief in der Küche im Kreis. Ihre Schwester hielt sie auf und schaute ihr tief in die Augen. Schließlich fragte sie: „Weißt du noch, was ich dir damals auf dem Dachboden gezeigt habe? Als du Kummer hattest, weil Sean ausgezogen ist?“ „Du zeigtest mir einen Flohzirkus.“ antwortete Megan und erinnerte sich an diese sonderbaren Gegenstände in der Kiste. Ronja nickte und erzählte: „Ich habe dir damals helfen wollen, weil du dich alleine und ausgeschlossen gefühlt hast. Sean hatte dich immer vor Kelly beschützt und du hattest Angst, dass es noch schlimmer wird. Und zum Trost wollte ich dir Mut machen. Ich sagte: Du kannst Liebe und Mut nicht sehen. Du kannst es nur merken und fühlen. Und du besitzt einen großen Willen. Du kannst deinen Kopf nutzen. Diese Stärke kann auch niemand sehen, aber sie ist da. Denke niemals daran, dass du von anderen beschützt werden musst, sondern finde selbst deine Stärke und den Mut. Mit dem Flohzirkus wollte ich dir mitteilen, dass du in dir selbst mehr verborgen hast, als das Auge sehen kann. Es ist verständlich, dass du dazugehören magst. Aber dennoch solltest du dich nicht verbiegen, um den anderen zu gefallen. Fakt ist, dass du das sein oder werden musst, was du wirklich möchtest. Und sofern du jeden Tag am Strand spazieren gehen willst, dann mach das auch. Wenn du Tierärztin werden möchtest, dann studiere Medizin. Es gibt so viele verschiedene Wege, wie du auch mit einem normalen Beruf den Lichtkriegern helfen könntest. Ärzte werden immer gebraucht. Oder du arbeitest irgendwo in der Politik und könntest dort etwas verändern. Du musst nicht kämpfen können oder die Artefakte unserer Eltern nutzen, um für das Gute einzustehen. Das ist es, was ich dir damals versucht habe begreiflich zu machen. Du bist Megan. Meine Schwester, die ich sehr liebe. Lass dich nicht verbiegen.“ „Ich habe dich auch lieb Ronja. Und du hast recht. So viele Kinder zu erziehen macht anscheinend Weise. Ich werde deinen Ratschlag beherzigen.“ sagte sie und umarmte ihre Schwester dankend. Im Auto auf dem Weg nach Amesbury, fragte Megan: „Darf ich deine Meinung in einer Sache hören, die mich beschäftigt?“ „Wir haben ein paar Stunden Fahrt vor uns. Du kannst also über vieles mit mir reden.“ meinte Ronja und achtete auf die Straße. Nach einem tiefen Atemzug erklärte Megan: „Ich wollte von dir wissen, wie du dazu stehen würdest, wenn ich mich in Sean verliebe.“ „Bist du denn schon verliebt? Weil es sich gerade so anhört, als ob du planst, diese Gefühle zu entwickeln.“ hakte ihre Schwester nach. Mit einem leichten Lächeln erklärte sie: „Es wäre logisch, wenn ich das täte. Fakt ist, dass ich ihn liebe. So wie alle anderen auch. Doch ich merke zudem, dass er ein sehr attraktiver und toller Mann ist. Nun ja und wir beiden sind die Einzigen, die noch keinen Partner haben. Und es wäre doch toll, wenn sich etwas zwischen uns entwickelt. Denn nur so haben wir einen Partner für die lange Zeit, die uns noch bleibt.“ Ronja schmunzelte und fragte: „Du willst es mit Logik angehen? In der Liebe? So naiv ist nicht einmal unser Vater, obwohl der nur mit dem Hirn arbeitet. Selbst er hat erkannt, was wahre Liebe ist und seinen Verstand ausgeschaltet. Das funktioniert so nicht.“ „Ja, das hat Sean auch gestern Abend gesagt. Es war eine blöde Frage. Vergiss einfach, dass ich damit angefangen habe.“ meinte sie, doch ihre Schwester wurde hellhörig und hakte nach: „Du hast mit Sean schon darüber gesprochen? Wie hat er reagiert?“ Seufzend antwortete sie: „Er hat nichts für mich übrig. Er ist immer noch in die Frau verliebt, mit der er damals mal was hatte. Und er liebt es zu leiden. Ansonsten kam er mir ebenso mit dem Spruch, dass Liebe nicht logisch ist. Also wird da wohl kaum was draus werden. Ich wollte nur mal hören, wie du das finden könntest. Immerhin akzeptierst du die anderen Paare auch. Ich meine, es kann selbstverständlich nicht immer die Liebe zwischen den Kindern geben, die miteinander aufgewachsen sind. Das ist natürlich nicht mehr normal. Naja und ich möchte auch mal einen Mann haben. Doch Sean hat recht, dass ein normaler Mann nur ein kurzes Leben haben wird im Gegensatz zu meinem. Dann wäre ich wieder alleine. Daher bietet es sich tatsächlich an, dass er und ich ebenso ein Paar werden.“ „Das wäre einfach wunderbar. Aber ohne Liebe ist es wohl kaum möglich. Und dazu gehören auch zwei. Versuche demnach nichts zu erzwingen. Das geht nur nach hinten los.“ meinte Ronja und blickte sie kurz von der Seite an, bevor sie sich wie gehabt auf die Straße konzentrierte. Die Fahrt über dachte Megan an Sean. Sein Blick, als sie ihm anvertraut hatte, dass sie gerne mit ihm zusammen sein möchte, war nicht so, wie sie erwartet hatte. Darin erkannte sie kein Verzücken, sondern nur eine Traurigkeit. Letztendlich musste diese Liebe zu der anderen Frau immer noch sehr stark sein. Wie konnte sie auch nur einen Mann wie ihn links liegen lassen? Und warum war er in eine Frau verliebt, die jetzt schon bestimmt älter aussah und bald den Löffel abgab? Dies konnte sie einfach nicht begreifen. Womöglich war er auch deshalb nicht mit ihr zusammen. Weil er wusste, dass er sie sehr bald verlieren würde. Das wäre eine Erklärung. Doch er sagte, dass sie vergeben ist. Machte das einen Sinn? Oder war das eine Lüge, mit der er den anderen eine Erklärung abgeben konnte, warum er nicht mit ihr zusammen ist? Alles war möglich und sie würde niemals die Wahrheit herausfinden. Oder womöglich doch?
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