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Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy - Band 7 - Jonathan

Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy - Band 7 - Jonathan

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Endlich ist Jonathan aus dem Koma erwacht, doch alle verhalten sich sonderbar. Sie wollen ihn schonen und daher spricht niemand die Wahrheit aus. Als er einige Dinge aufschnappt, erfährt er, dass er gezielt verletzt wurde. Jonathan sollte sterben, aus Eifersucht, da jemand in Kelly verliebt ist. Doch sie waren nur enge Freunde. Zumindest von ihr aus, denn sein Herz gehörte ihr schon immer. Nach seinem ersten Kuss mit Kelly erfährt er, dass sie bei ihren Eltern lebt. Die Zeit ist gekommen, die volle Wahrheit zu erfahren. Doch Jonathan bekommt Angst, da er Kräfte besitzt, die er nicht haben will. Zum Schutz aller stößt er Kelly von sich. Sein Großvater möchte ihn unterrichten und nimmt sich seiner an. Allerdings gibt es noch mehr Geheimnisse.

📖 Leseprobe
Kapitel 1 Vierunddreißig Jahre nach der Rückkehr der Lichtkrieger Das Zeitgefühl war anscheinend dahin, denn Jonathan konnte nicht wirklich erahnen, wie lange Kelly schon seine Hand hielt und Tränen des Glücks vergoss. Er bemerkte, dass er in einem Bett lag und an Kabeln und Schläuchen angeschlossen war. Es sah in dem Zimmer sehr nach einem Krankenhaus aus. Definitiv war er nicht zu Hause. Langsam konnte er nur die Augen bewegen und erst danach ein wenig seine Finger. Kelly merkte es und meinte: „Versuch nicht zu viel auf einmal. Du bist gerade erst wach geworden. Ist gut. Mach langsam. Wir haben Zeit. Ab jetzt wird alles gut werden. Du wirst es sehen. Aber bitte bleibe bei mir.“ Sachte streichelte sie seine Hand und wieder liefen Tränen über ihr Gesicht. Jonathan versuchte etwas tiefer einzuatmen, bloß klappte es noch nicht. Es war so, als ob ein großer Steintroll auf seiner Brust hockte. Auf einmal ging die Türe auf und Jonathan erkannte einen Arzt, der das Zimmer betrat. Hinter ihm kamen seine Eltern herein und Megan. Seine Mutter blickte ihn überrascht an, merkte, dass er wach war, und eilte sofort zu ihm. Sie griff nach seiner anderen Hand und sagte: „Jonathan! Du bist wach. Das ist wirklich ein Wunder.“ Der Arzt schaute auf die Monitore und die Papierstreifen, die ausgedruckt worden sind. Danach sagte er: „Ja. Er ist seit einer halben Stunde wach.“ Kelly meinte verwundert: „Das kann nicht sein. Ich bin erst knapp zehn Minuten hier. Er hatte die Augen geschlossen und nicht reagiert.“ „Die Maschinen lügen nicht. Er war bereits in der Aufwachphase, aber anscheinend hat mich niemand darüber in Kenntnis gesetzt, sonst wäre ich früher gekommen.“ Jonathan richtete die Augen auf seinen Vater, der mit seinen aufkommenden Tränen kämpfte. Megan kam langsam auf das Bett zu und sagte leise: „Es ist schön, dass du wieder da bist.“ Kelly fragte aufgeregt: „Wie lange dauert es, bis er wie gehabt sprechen kann, oder gehen?“ Der Arzt schaute auf die Monitore und erklärte: „Wir müssen abwarten. Er kommt langsam in die Welt zurück. Das braucht Zeit. Und wir werden Tests durchführen. Wir wissen nach wie vor nicht, was er für bleibende Schäden hat. Das stellen wir aber noch fest. Und dann muss er eine Rehabilitation machen, damit er einige Dinge erlernen kann, die er jetzt verlernt hat. Muskeln müssen aufgebaut werden und je nachdem muss er sprechen üben oder wie er einen Stift in der Hand hält. Es wird sich erst alles zeigen. So eine Kopfverletzung ist nicht so einfach zu verarbeiten.“ Also kamen daher seine Kopfschmerzen. Irgendwas muss ihn am Kopf getroffen haben. Nur hatte er leider keine Ahnung, was das war. Die Erinnerungen daran blieben weg. Etwas später waren die Untersuchungen abgeschlossen und die Ärzte haben diverse Tests mit ihm gemacht. Offenbar sah es nicht so schlimm aus, dachte Jonathan, denn ihre Mienen deuteten nicht auf eine schreckliche Diagnose hin. Aber sie waren bestimmt schon so abgestumpft, dass ihre Gesichter wie versteinert aussahen. Mit einem fragenden Blick schaute er einen Mann im weißen Kittel an. Das konnte er zumindest machen. Die Augen machten mit und auch ein paar seiner Finger. „Wir werden es ruhig angehen lassen. Ihr Körper muss sich zunächst an diesen Zustand gewöhnen. Allerdings verheißen die Tests Gutes.“ meinte der Mediziner und Jonathan atmete erleichtert aus. Er war zwar erst seit kurzer Zeit wach, aber trotzdem kam er sich wie eine Laborratte bei einem wichtigen Experiment vor. Sämtliche Augen waren auf ihn gerichtet und alles an seinem Körper wurde studiert. Es war genauso, wie er es niemals haben wollte. Der Grund, warum er nie ein Handy haben mochte, war der, dass er so beobachtet und abgehört werden konnte. Und nun lag er da in dem Bett, war verkabelt und wurde überwacht. Sprich, sogar auch von innen durchleuchtet. Das kam ihm alles so unwirklich vor und er fragte sich, wie er in diese Situation gekommen war. Doch dann brummte nochmals sein Kopf und ihm fiel ein, dass sie von einer Kopfverletzung sprachen. Jonathan wollte das nicht und prüfte selbst, ob er noch denken konnte. Er erinnerte sich an alles, was nach seinem Erwachen passiert war. Und an das Leben, was er davor hatte. Dies klappte ganz gut. Hiernach schaute er sich im Zimmer um. Da hing ein Kreuz an der Wand. Wie immer in diesen Krankenhäusern. Zwei Stühle standen dort seitlich vom Bett. Er zählte in seinen Gedanken: Eins! Zwei! Eine Maschine stand neben ihm, an denen die Kabel befestigt waren. Die Fenster waren in mehrere Abschnitte geteilt. Er zählte: Eins, zwei, drei, vier. Vier Fensterbereiche. Zählen klappte offenbar auch noch. Doch damit hörte es auf. Mehr war nicht in dem Raum außer drei Ärzten. Also ging Jonathan schnell im Kopf einige Rechenaufgaben durch. Wenn er zählen konnte, funktionierte es mit der Mathematik bestimmt auch noch. Er ging das kleine Einmaleins durch und war erfreut, als es ohne Probleme klappte. Doch das reichte ihm nicht. Er interessierte sich nicht für die Tests, daher versuchte er, mehr als nur die Finger zu bewegen. Stückchenweise spannte er seine Muskeln an und hob die Hand hoch. Der eine Arzt sagte: „Nicht zu viel auf einmal. Wir müssen ihren Körper langsam wiederholen. Am besten ist, wenn sie mit einem Physiotherapeuten ihre Muskeln zunächst allmählich aufbauen. Das wird schon werden. Aber erwarten sie kein Wunder.“ Seufzend ließ Jonathan die Hand wieder herunter. Toll, seufzen konnte er also auch. Nachdem die Ärzte den Raum verlassen hatten, sah Jonathan wie Kelly in das Zimmer kam. Sie lächelte ihn an und meinte: „Anscheinend sind die Tests erfreulich verlaufen. Sie reden gerade mit deinen Eltern. Ich bin echt froh, dass es dir inzwischen bessergeht. Zumindest hoffe ich das. Leider kannst du es mir nicht selbst sagen. Oder vielleicht doch. Falls es dir gutgeht, blinzele einmal, wenn nicht dann zweimal.“ Jonathan schloss einmal kurz die Augen und sie strahlte vor Erleichterung. Daraufhin hob er einen Finger an, um ihre Hand zu berühren, die neben ihm auf seinem Bett ruhte. Sachte legte er diesen auf ihre Haut, was sie zunächst überraschte. Langsam öffnete er den Mund und versuchte zu sprechen. Kelly sah ihn erwartungsvoll an, meinte jedoch schließlich: „Versuche nichts zu erzwingen. Wenn es nicht klappt, dann ist es halt so. Aber es wird besser werden.“ Jonathan drückte seinen Finger ein wenig stärker auf ihre Hand und sie fragte: „Möchtest du mir etwas sagen?“ Er blinzelte einmal. Nachdenklich sah sie ihm in die Augen und hakte nach: „Willst du erfahren, was passiert ist?“ Wieder schloss er kurz die Augen. „Also ich weiß noch nicht, ob ich dir das erzählen darf. Weißt du gar nichts mehr davon, was geschehen ist?“ wollte sie wissen. Er blinzelte zweimal, denn er hatte wirklich keine Ahnung, wie er in diesen Zustand gekommen war. Kelly erschrak plötzlich und fragte: „Weißt du etwas von der Zeit, als du im Koma lagst oder aufgewacht bist?“ Wieder blinzelte er zweimal, denn dieses helle Licht in ihrer Hand war das Einzige, an was wer sich während seiner Aufwachphase erinnern konnte. Doch da spielte sein Hirn ihm wahrscheinlich einen Streich. Sachte griff sie nach seiner Hand und erzählte: „Weißt du, es ist so unheimlich viel passiert in der Zeit, als du im Koma warst. Ich weiß gar nicht, ob du schon bereit dafür bist, alles auf einmal zu erfahren. Sehr oft saß ich hier an deinem Bett und habe dir immer von allem berichtet. Doch sofern du davon gar nichts mitbekommen hast, wäre es effektiver, wenn ich zunächst mit all den Neuigkeiten warte, bis es dir besser geht.“ Seufzend schloss er die Augen und war froh, dass er wenigstens einen Ton von sich geben konnte. Ein paar Augenblicke später war Jonathan wieder alleine im Zimmer. Er fragte sich, was in seinem Dämmerzustand real war und was nicht. Kelly war bei ihm, als er aufwachte und sprach zu ihm. Dann sagte sie ihm, dass sie ihn liebt. Dies schien ihm real gewesen zu sein. Immerhin sagen Menschen immer solche Sachen zu Leuten, die im Koma sind. Natürlich liebte sie ihn. Schließlich waren sie wie Zwillinge aufgewachsen. Doch dieser Lichteffekt in ihrer Hand war anscheinend nur ein Trugbild. Ein Lichtblitz, der von seinem Hirn aus von einer Nervenbahn ausgelöst wurde. Das musste es gewesen sein und er freute sich darüber, dass seine logische Denkweise noch funktionierte. Das war wirklich mehr als alle erhofft hatten. So wie er von den Ärzten mitbekommen hatte, war nicht sicher, dass er jemals aufwachen würde. Anscheinend war er von einem künstlichen ins richtige Koma gefallen. Wenigstens wusste er, was das hieß. Sein Körper wollte in einem Schonmodus bleiben. In der Computersprache quasi im Standby. Innerlich musste er darüber lachen. Ein Nerd ist und bleibt ein Nerd. Jonathans Eltern betraten das Zimmer und er schaute zu ihnen hinüber. Anhand ihrer Gesichter hoffte er auf gute Nachrichten. Seine Mutter kam auf ihn zu, streichelte liebevoll seine Wange und meinte: „Die Ärzte sind sehr zufrieden mit dir. Du solltest nur nicht zu viel auf einmal wollen.“ Nickend sagte sein Vater: „Ja. Es wird schon werden. Und ich finde es klasse, dass du jetzt aufgewacht bist, da ich gerade Urlaub habe. Megan wartet draußen mit Kelly. Wir sollen dich nicht überfordern und daher ist es besser, wenn nicht zu viele Personen hier bei dir sind. Ich soll dich im Übrigen lieb von Sam, Sean, Leslie, Serafina und Nicholas grüßen. Sie freuen sich ebenso wie wir, dass du nun wach bist.“ Ein Lächeln kam über seine Lippen, was ihn noch mehr freute. Endlich konnte er auch den Mund bewegen. „Du kannst ja wieder grinsen. Das ist sehr gut. Ich freue mich so darüber, dass du wieder bei uns bist.“ sagte seine Mutter. Jonathan öffnete den Mund und fragte: „Wo?“ Sein Vater sah erstaunt aus und antwortete: „Du warst zuerst in einem Krankenhaus bei uns in der Nähe, aber jetzt befindest du dich London. Wir hofften, dass dir hier besser geholfen werden konnte. Anscheinend hatten wir recht.“ Mit einem trockenen Mund und einem kratzigen Hals war es auch gar nicht so leicht zu sprechen, aber er wollte wissen, was passiert war und fragte: „Wie?“ Sachte griff seine Mutter nach seiner Hand und sprach leise: „Wir werden es dir erzählen, wenn es dir besser geht. Noch ist es zu früh dafür. Konzentrier dich einfach darauf wieder gesund zu werden. Für alles andere haben wir viel Zeit.“ Mit einem Seufzen versuchte Jonathan seinen Unmut kundzutun. Er wollte endlich wissen was los war. Kelly erwähnte, dass in seiner Abwesenheit besonders viel passiert war und er war von Natur aus extrem neugierig. Vor allem, weil es sich bei ihr so anhörte, als ob es sehr wichtig sein würde. Sein Vater meinte: „Hör zu, wir werden zusehen, dass du eine gute Rehabilitation machst, und schon bald kannst du dann zurück nach Hause. Der Arzt war wirklich zuversichtlich und sagte, dass du ein Kämpfer bist. Das wussten wir natürlich lange vor ihm und daher haben wir auch immer daran geglaubt, dass du wieder vollkommen gesund wirst. Also tu uns bitte den Gefallen und konzentriere dich nur darauf. Alles andere erfährst du zu gegebener Zeit.“ Jonathan versuchte zu nicken und war froh, dass er es konnte. Das war immerhin ein Anfang. Die Finger bewegen, sowie blinzeln und ein paar Wörter sagen war für ihn ein guter Fortschritt. Stöhnend fragte er: „Wie lange?“ „Ein paar Monate waren es schon. Aber keine Sorge, deinen siebzehnten Geburtstag hast du noch vor dir. Es dauert auch nicht mehr allzu lange bis dahin.“ beantwortete sein Vater, doch das wollte er nicht wirklich wissen und fragte mit einem Kopfschütteln: „Wie lange wach?“ Seine Mutter guckte ihn fragend an und hakte nach: „Du willst wissen, wie viele Stunden du jetzt wach bist?“ Jonathan nickte leicht und wartete auf eine Antwort. Sein Vater schaute auf die Uhr und sagte: „Vier Stunden.“ Zufrieden lächelte Jonathan, denn für vier Stunden hatte er schon enorme Fortschritte gemacht. In dem Tempo sollte er sehr bald wieder fit sein. Kapitel 2 So froh wie schon lange nicht mehr saß Kelly auf dem Gang vor Jonathans Zimmer und wartete darauf, dass sie endlich wieder zu ihm durfte. Die Ärzte waren der Ansicht, dass er sich nicht zu sehr anstrengen sollte und daher nicht so viele Besucher auf einmal im Raum erlaubt sind. Noch hielten sich Ronja und Bob bei ihrem Sohn am Bett auf und zeigten ihm, wie froh sie waren, dass er aus dem Koma erwacht war. Kelly seufzte und schaute die Perle in ihrer Hand an. Das Artefakt ihrer Mutter, was sie kurz vorher entwendet hatte, um Jonathan aus dem Koma zu holen. Doch scheinbar hatte er es ohne ihre Hilfe geschafft, denn er wachte auf, bevor sie es mit der Zauberei versuchen konnte. Wahrscheinlich war ihre Mutter sauer auf sie, denn sie bekam eine Nachricht von ihrem Vater auf ihr Handy: „Hi Kelly! Ich denke, du weißt, dass du heute noch einmal nach Hause kommen solltest, denn deine Mutter vermisst etwas. Du willst ja bestimmt nicht, dass sie zu dir ins Krankenhaus kommt. Schließlich ist Megan auch da und sie soll ja noch nichts von alledem erfahren. Wir freuen uns aber, dass Jonathan inzwischen wach ist. Hab dich lieb. Dein Dad!“ Sie schaute auf die Uhr und stellte fest, dass es bereits wieder morgens war. Sie kam ja in der Dunkelheit zu Jonathan, da sie nur unter der Voraussetzung die Perle nutzen könnte. Dann wurde er wach und seitdem sind seine Eltern und die beiden jungen Frauen nicht mehr von Jonathans Seite gewichen. Die Ärzte hatten sich schon in der Nacht um ihn gekümmert, obwohl einige Tests noch gemacht werden mussten. Aber sie waren gründlich und machten direkt die ersten Untersuchungen, wohl um ihn nicht erneut zu verlieren. Hastig tippte sie eine Nachricht an ihren Vater: „Hallo Dad! Bitte sag Mum, dass es mir leidtut. Ich habe auf mein Herz gehört und ich wollte Jonathan helfen. Sie hätte wahrscheinlich gesagt, dass es nicht geht und mir daher nicht freiwillig ihre Perle gegeben. Jedoch wollte ich es wenigstens versuchen. Doch er hat es auch ohne mich geschafft. Jetzt am Tage kann sie das Ding eh nicht nutzen. Bis heute Abend werde ich wie gehabt bei euch sein. Ich verspreche es. Sorge bitte dafür, dass sie mir nicht böse ist. Tausend Dank dafür. Hab dich lieb. Kelly.“ Kaum hatte sie ihr Handy zurück in die Tasche gepackt, nahm sie die Perle noch einmal in die Hand und schaute sie sich genau an. Megan fragte plötzlich: „Was hast du da?“ Fast hätte Kelly das kleine Ding vor Schreck fallengelassen, daher packte sie das Artefakt sorgfältig weg und antwortete: „Ach nichts von Bedeutung. Nur so einen Kram, den ich in meiner Tasche habe und mit mir herumschleppe. Ich mag nicht einfach so hier herumsitzen und abwarten. Aber nach Hause möchte ich auch nicht.“ Megan setzte sich dichter an sie heran und meinte: „Ich habe das immer noch nicht so verstanden. Die Leute, bei denen wir jetzt ein paar Tage untergekommen sind. Diese Portia und Toni. Das sind also deine Eltern? Du hast demzufolge deine Eltern gefunden, so wie Leslie und auch Serafina?“ Seufzend erklärte Kelly: „Ronja und Bob kennen sie schon verdammt lange. Ich kann dir die Umstände nicht erläutern, die dazu geführt haben, dass ich an Pflegeeltern übergeben wurde. Jedoch kenne ich sie nun endlich und bin gerade dabei, mich an sie zu gewöhnen. Ich dachte du hättest bei meinem Umzug mitbekommen, dass ich zu ihnen ziehe.“ „Ich habe gesehen, dass du eine Tasche gepackt hast und weggegangen bist. Bob sagte, dass du bei Portia und Toni leben wirst. Er kam ja zu uns, nachdem das mit Jonathan passiert ist. Bob meinte, dass er ein alter Freund wäre und er sich um dich kümmern wird, da du durch den Wind bist und daher einen Luftwechsel brauchst. Mir erzählt doch niemand etwas.“ beschwerte sich Megan und stand auf, um ein wenig den Gang entlang zu laufen. Kelly tat das echt leid, dass sie ihr nicht die Wahrheit sagen durfte. Aber Ronja sowie auch Jasmin und Ronald wollten es nun mal nicht, weil Megan noch die Schule beenden sollte. Sie hatten anscheinend Angst, dass sie diese abbrechen könnte, sobald sie erfährt, dass sie irgendwann nicht mehr älter wird. Diese Sorge war begründet, denn Sam hatte nicht einmal eine Ausbildung deswegen. Er hielt dies für überflüssig, sofern er studiert, dann fertig ist und immer noch besonders jung aussieht. Daher musste Kelly ihren Mund halten, auch wenn es ihr sehr schwerfiel. Endlich kamen Bob und Ronja aus dem Krankenzimmer heraus. Kelly wollte schon ins Zimmer gehen, da hielt Bob sie auf und führte sie ein wenig den Gang entlang. Sie sah, dass Megan bereits zu Jonathan ging und Ronja sich auf einen der Stühle setzte. Fragend schaute sie ihn an und wollte wissen: „Was ist los? Geht es ihm aufs Neue schlechter?“ „Nein! Es geht ihm ausgezeichnet. Er bekommt relativ schnell seine Körperfunktionen wieder. Das freut uns sehr. Es hat vielleicht auch mit seiner Abstammung zu tun. Und das ist, was ich dir sagen muss. Jonathan darf jetzt zunächst nichts erfahren. Nichts über den Mordversuch, denn das würde ihn zu sehr aufregen. Und schon gar kein bisschen über seine Herkunft und die Lichtkrieger. Er sollte sich zunächst nur auf seine Genesung konzentrieren und nicht abgelenkt sein, wenn er darüber nachdenkt, warum ihn jemand umbringen wollte.“ erklärte Bob und sah sie hierbei mit seinen freundlichen Augen an. Er wusste immer, wie er sie zu besänftigen hatte. Dabei hätte sie Jonathan am liebsten direkt die volle Wahrheit erzählt. Seufzend nickte sie und meinte: „In Ordnung. Ich werde versuchen mich nicht irgendwie zu verraten. Am liebsten würde ich nur noch an seinem Bett hocken, bis er wieder entlassen wird. Aber leider muss ich heute zudem meiner Mutter in ihre strafenden Augen schauen.“ „Was hat denn Portia?“ hakte Bob nach und Kelly erklärte mit einem Schulterzucken: „Ach nichts weiter. Ich habe mir nur ihr Artefakt ausgeliehen, ohne vorher zu fragen.“ Bob zischte, als ob er sich verbrannt hätte und meinte: „Oh! Tut mir leid, aber ich möchte nicht in deiner Haut stecken. Sorry, das war dumm von mir. Ich sollte dir keine Angst machen. Jedoch solltest du eine sehr gute Entschuldigung parat haben. Und sie steht nicht auf Blumen.“ „Ich weiß. Das habe ich mir selbst eingebrockt, also werde ich auch dafür die Strafe erdulden. Solange ich weiterhin Jonathan sehen darf, ist mir egal, was sie mit mir macht.“ sagte Kelly und hob ihren Kopf kämpferisch in die Luft. Kurz darauf ging Bob mit Ronja nach Hause, zumindest in die Londoner Wohnung von Portia. Kelly durfte also endlich zu Jonathan ins Zimmer. Doch kaum hatte sie die Türe geöffnet, saß Megan bereits auf dem einen Stuhl neben dem Bett und hielt seine Hand fest. Auf einmal spürte sie Eifersucht in sich aufkommen. So durfte sie ihn nicht anfassen. Dabei war sie genauso mit ihm aufgewachsen, wie sie. Demnach hatte sie ebenfalls das Recht dazu. Trotzdem tat es Kelly sehr weh, denn wenn sie selbst sich in ihn verliebt hatte, so wäre es auch bei Megan möglich gewesen. Nur wegen Jonathan machte sie jedoch keine Szene, denn er sollte sich nicht aufregen. Und die arme Megan wusste gar nicht, dass sie nun ein Auge auf ihn geworfen hatte und deshalb eifersüchtig war. Daher versuchte Kelly es auf die subtile Art, setzte sich auf den zweiten Stuhl und griff nach seiner anderen Hand. Dabei sagte sie: „Hi Jonathan. Ich höre so viele gute Nachrichten von dir. Es freut mich wirklich, dass deine Genesung offenkundig schnell voranschreitet.“ „Ja. Das freut mich ebenfalls. Und hörst du, wie gut ich schon wieder sprechen kann?“ meinte er und lächelte kurz darauf. Sie nickte und bemerkte: „Das ist wundervoll. So langsam bist du auf dem Weg in die Normalität.“ Megan erwähnte: „Er möchte wissen, was passiert ist. Du warst dabei. Vielleicht erzählst du es besser.“ Kelly musste einmal schlucken und stammelte: „Es ist noch zu früh dafür. Die Ärzte sagen, dass du dich nur auf die Heilung konzentrieren sollst.“ „Ach was. Es geht mir gut und ich will einfach nur begreifen, warum ich im Koma war und woher diese Kopfverletzung kam.“ sagte Jonathan und sie merkte, dass seine Stimme immer kräftiger wurde. Seufzend erklärte sie: „Wir sind bekanntlich auf dem Weg ins Kino gegangen. Wie sonst auch. Doch auf einmal bist du seitlich von mir umgefallen, hast geblutet und ein Stein lag neben dir auf dem Boden. Das ist alles, was ich dir mitteilen kann.“ Mit einem fragenden Blick schaute Megan sie an, jedoch schüttelte Kelly sachte mit dem Kopf, dass die jüngere Frau verstand, dass sie das Thema umgehen sollten. Natürlich sagte Jonathan: „Hör mal. Ich bin nicht dumm. Oder sollte ich sagen, dass ich nicht auf den Kopf gefallen bin? Ich habe genau gesehen, dass du etwas verheimlichen willst. Du rückst besser sofort damit heraus.“ „Immerhin hast du deinen Humor wieder. Aber ich kann dir wirklich nicht mehr erzählen. Ich habe Megan nur so eindringlich angeschaut, weil du die neusten Informationen noch nicht erhalten sollst. Und ich widersetze mich nicht dem Befehl deiner Eltern. Sie werden dich schon informieren, wenn sie denken, dass die Zeit reif ist.“ versuchte sie ihm begreiflich zu machen. „Verdammt Kelly, es ist mein Körper und ich weiß selbst, was ich mir zumuten kann und was nicht.“ sagte Jonathan und hob sogar dabei den Kopf an. Als er ihr auch noch seine Hand entzog, meinte sie mit aufkommenden Tränen: „Ich werde es dir nicht erzählen. Weißt du wie lange ich darauf gewartet und gehofft habe, dass du wieder aufwachst? Daher habe ich nicht vor, etwas gegen den ärztlichen Rat zu unternehmen. Die paar Tage kannst du wohl warten. Dann siehst du wie das ist. Aber bei deinem Heilungsprozess dauert es vielleicht auch nur ein paar Stunden bis deine Eltern dir alles erzählen werden.“ „Warum bist du so anders?“ hakte er nach und Kelly konnte kaum noch ihre Tränen zurückhalten. Sie stand auf, ging zum Fenster und erklärte: „Weil ich dich wochenlang nicht sprechen konnte. Ich habe dir immer erzählt, was passiert ist, doch nun alles auf einmal wäre vermutlich zu viel. Wie oft wollte ich dir in die Augen sehen und mit dir reden können. Und nun willst du es so sehr und ich möchte dich einfach nicht noch einmal verlieren. Daher bin ich so anders.“ Megan fragte: „Möchtet ihr etwas trinken?“ Dabei stand sie bereits auf und befand sich in unmittelbarer Nähe zur Türe. Kelly schüttelte mit dem Kopf und sah, dass die jüngere Freundin aus dem Zimmer ging. Kaum war sie mit Jonathan alleine, bemerkte er: „Du siehst älter und reifer aus. Habe ich etwa Jahre verpasst? Ich meine, meine Mum sagte zwar, dass wir immer noch nicht siebzehn sind, aber du bist schon irgendwie verändert.“ „Das ist aufgrund der Sorgen und dem Kummer wegen dir. Glaube gar nicht, dass dies spurlos an uns vorbeigegangen ist. Deine Mutter hatte auch kaum Schlaf gefunden. Natürlich sehen wir alle erschöpft aus und die Tränensäcke unter den Augen lassen mich eben alt aussehen. Nun siehst du, dass es mir beschissen ging, als du nicht da warst.“ erzählte sie und schluckte weiterhin Tränen herunter. „Nein. Das ist es nicht.“ meinte Jonathan und fuhr fort: „Du wirkst stärker. Klar erkenne ich auch deine Müdigkeit, aber du bist ansonsten wirklich fast eine Frau. Ich weiß nicht, wie ich es in Worte packen soll, was ich sehe. Allerdings sind es nicht die Tränensäcke, die du meinst.“ Dies war fast ein Kompliment gewesen. Natürlich sah er ihr an, dass sie trainiert hatte. Immerhin musste sie mit den anderen und vor allem ihrer Killermutter mithalten können. Es waren also ihre paar Muskeln sowie die Lebenserfahrung der letzten Wochen gewesen, die er sah und nicht wirklich ausdrücken konnte. Schließlich wusste er ja nicht, was sie die ganze Zeit getrieben hatte. Es war ja nur Training mit Geistern, Dämonen und Selbstverteidigung sowie Kampfunterricht. Nebenbei mit Daniel Lebensweisheiten austauschen und seine Pfannkuchen essen. Langsam setzte sie sich wieder zu ihm ans Bett und erklärte: „Nichts würde ich jetzt lieber machen, als dir alles zu erzählen. Aber ich habe viel zu lange auf dich gewartet. Bitte gib dir und mir noch ein wenig Zeit, denn die Angst ist zu groß, dass du erneut ins Koma fällst.“ Seufzend schaute er sie an und meinte: „In Ordnung. Ich kann es ja verstehen. Trotzdem weiß ich, dass du mir etwas verheimlichst. Und das mag ich nicht. Du weißt, ich bin von Natur aus neugierig. Und es ist mein Leben. Verdammt, ich hasse das Krankenhaus jetzt schon. Diese ganzen Tests kann ich nicht leiden. Es ist notwendig, aber ich werde von überall durchleuchtet. Sie wissen bald mehr über mich als ich selbst. Ich bin gerade erst einen halben Tag wach und habe bereits einen Koller. Das sagt doch echt eine Menge über mich aus.“ „Du solltest nicht so viel reden. Strengt dich das nicht an?“ hakte sie nach und lächelte dabei. Mit einem leichten Zwinkern antwortete er: „Ich habe Wochen nachzuholen.“ Kelly stellte fest, dass ihr Herz einen Freudensprung machte, als er sie mit einem Zwinkern bedachte. Es war ihr vorher noch nie aufgefallen, wie entzückend dies aussah. Wahrscheinlich, weil es zuvor das Natürlichste auf der Welt gewesen war und sie es nur lange nicht gesehen hatte. Vielleicht lag es auch daran, dass sie ihn nun als Mann wahrnahm und nicht mehr als ihren besten Freund und der Kerl, der mit ihr seit der Geburt aufgewachsen war. Sie erwischte sich dabei, dass sie ihn am liebsten aufgrund dieses neckischen Lächelns küssen wollte. Währenddessen in seinen dunkelblonden Haaren wühlen und in seine blauen Augen schauen. Doch dann riss sie sich am Riemen, denn dies würde ihn obendrein aufregen, was absolut nicht sein durfte. Seine Hand wanderte nach oben und er strich sich über den Verband am Kopf. Kelly fragte: „So gut kannst du dich schon wieder bewegen?“ „Es strengt zwar an, aber wenn ich etwas will, so schaffe ich das auch. Sofern ich jetzt nicht sofort mit den Übungen anfange, kann ich es genauso bleiben lassen. Der Arzt sagte zwar etwas von Krankengymnastik, aber wenn es doch auch so geht, möchte ich das machen. Schließlich will ich so schnell wie möglich hier heraus.“ meinte er und tastete weiterhin an dem Verband herum. Als Megan das Zimmer betrat, hatte sie eine Flasche Wasser in der Hand und ein paar Gläser, die ineinander gestapelt waren, in der anderen. Kelly nahm ihr die Gläser ab, damit sie wenigstens eine Hand frei hatte. Jonathan fummelte immer noch mit den Fingern am Kopf herum und fragte: „Habe ich jetzt etwa eine halbe Glatze? Oder schätzt ihr, dass meine Haare unter dem Verband längst nachgewachsen sind?“ Megan lachte etwas und meinte: „Dir geht es inzwischen schon wieder richtig gut. Ich habe deinen trockenen Humor echt vermisst. Naja und alles andere auch. Ich bin so froh dich nochmals so zu sehen.“ Danach griff sie erneut zu seiner Hand. Kelly beobachtete dies und kochte vor Eifersucht. Gerade jetzt, wo sie ihre Liebe zu ihm entdeckt hatte, warf sich Megan an ihn heran. Das musste sie verhindern. Spät am Abend kam Kelly in Amesbury an. Bob hatte sie netterweise gefahren, denn er wollte sowieso noch bei Ronald und Jasmin vorbeifahren. Mit einer Umarmung verabschiedete sie sich von ihrem Ziehvater und ging mit klopfendem Herzen in die Wohnung der Werwölfe hinein. Daniel stand mit Tiffany in der Küche und sagte: „Hallo Kleine! Deine Eltern sind unten im Keller. Wenn du sie sehen willst, solltest du warten, bis sie wieder hier sind. Ich weiß nämlich nicht, was sie da machen.“ Sofort schlug Tiffany ihm sachte auf den Arm und befahl: „Jetzt halt die Klappe. Sie ist noch zu jung für derlei Gespräche.“ „Leute, das Mädchen ist fast siebzehn. Sie hat wahrscheinlich mehr Erfahrungen in solchen Dingen, als ihr es ahnt.“ meinte Steve plötzlich vom Wohnzimmer aus, als er über den Rand des Sessels guckte. Sie schaute dankbar in seine Richtung und teilte mit: „Ich weiß was meine Eltern möglicherweise treiben. Keine Sorge, ich werde hier oben bleiben. Wenn mich jemand sucht, ich bin in meinem Zimmer. Meinetwegen kann mir meine Mum dort den Kopf abreißen.“ Etwa eine halbe Stunde später klopfte es an Kellys Türe. Sie stand auf und öffnete. Ihre Mutter befand sich mit einem ausdruckslosen Gesicht vor ihr und hielt einfach die Hand auf. Sofort holte Kelly die Perle aus ihrer Hosentasche und ließ sie vorsichtig in die Handfläche fallen. Sie leuchtete kurz auf und Portia steckte sie gut weg. Ihr Blick dabei sagte alles und Kelly hob stolz ihren Kopf an. Sie blickte ihr tief in die Augen und flüsterte allerdings: „Es tut mir leid Mum. Ich liebe ihn und wollte ihm irgendwie helfen. Mein Herz hat gesprochen und nicht der Verstand. Ich akzeptiere jede Strafe, bitte jedoch nur darum, ihn weiterhin sehen zu dürfen.“ Ihre Mutter sah sie zunächst streng an, nahm sie aber kurz darauf in den Arm und meinte: „Dein Vater hat es mir bereits verdeutlicht. Du hast einen tollen Dad. Und ich einen wunderbaren Mann. Ich liebe euch einfach beide. Und du wirst keine Strafe bekommen.“ Als Kelly sie fragend anschaute, erklärte ihre Mutter mit einem kühlen Blick: „Einmal werde ich es dir durchgehen lassen. Sieh dies als Verwarnung. Solltest du jedoch noch ein einziges Mal so einen Scheiß machen, wirst du es bereuen. Dies ist ein Versprechen. Du wirst niemals mehr meine Kräfte missbrauchen. Sofern du es doch machen solltest, wird die Strafe verdammt hart sein.“ Kelly schluckte einmal, schaute auf den Boden und sagte: „Ist gut. Ich habe es verstanden. In Zukunft werde ich dich immer fragen, ob ich eigenständig Dummheiten machen darf. Oder eher gesagt die Kräfte für meinen eigenen Zweck missbrauchen, denn Jonathan aufzuwecken ist eine gute Sache.“ „Hat es geklappt?“ hakte ihre Mutter nach und sie antwortete: „Ich kam nicht so weit, denn er war bereits wach.“
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