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Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy - Band 6 - Kelly

Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy - Band 6 - Kelly

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Kelly muss ein neues Leben anfangen. Für ihren Geschmack wurde die Band viel zu früh aufgelöst. Sie sollte daher eine richtige Arbeit suchen, doch ihr liebster Freund Jonathan, der mit ihr in der Pflegefamilie aufgewachsen ist, liegt seit einem Unfall im Koma. Noch schlimmer wird es, als sie urplötzlich eine Vision hat, dass es kein Unfall, sondern ein Mordversuch war. Schließlich wird sie zu ihren Eltern gebracht, die ihr helfen sollen, da es die Lichtkrieger sind. Bei ihnen lernt sie zu kämpfen. Gemeinsam suchen sie den Täter und Kelly hofft, dass Jonathan sehr bald wieder gesund ist. Jedoch sieht es nicht danach aus. Sie muss weiterleben und ihn loslassen, aber dafür sind die Gefühle zu stark.

📖 Leseprobe
Kapitel 1 Vierunddreißig Jahre nach der Rückkehr der Lichtkrieger Kelly ging zu der Zimmertüre, hinter der Ronja und Bob verschwunden waren. Sie wollte endlich wissen, was mit Jonathan los war. Bei dem ganzen Blut, was aus seinem Kopf gelaufen war, standen die Chancen nicht so gut, dass er es überleben würde. Warum musste auch ausgerechnet an diesem Tag ein Stein von einem Dach fallen und genau ihn treffen? Bis der Krankenwagen kam, lag Jonathan regungslos auf dem Boden. Da dachte sie bereits, dass er längst tot war. Bis zu diesem Zeitpunkt im Krankenhaus hatte sie kaum noch Tränen übrig gehabt, denn diese hatte sie schon stundenlang vergossen. Der Arzt kam ihr entgegen und sagte: „Ich komme gleich wieder. Ich hole die Unterlagen.“ Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und sie wollte endlich wissen, was los war. Vorsichtig ging sie näher an den Spalt der Türe heran, und als sie den Griff anfasste, hörte sie Ronja sagen: „Verdammt Bob, das klingt sehr schlimm. Ich möchte unseren Sohn nicht verlieren. Ich kann nur hoffen, dass er genauso unsterblich ist, wie alle anderen.“ „Was?“ fragte Kelly verwundert, denn sie stand kurz vor einer Ohnmacht. „Sie kommt wieder zu sich.“ klang es in Kellys Ohren und sie konnte die Augen nach allem aufschlagen. Sie erkannte Ronja, Bob und den Mann, der ihr als Andy vorgestellt worden war und ihr zur Aufmunterung sein leuchtendes Armband im Wartebereich gezeigt hatte. Was sollte sie von diesem Zauberkünstler halten? Ihre Ziehmutter hatte Tränen in den Augen und Kelly fragte sofort: „Was ist mit Jonathan? Lebt er noch?“ „Ja. Er ist bislang unter ärztlicher Betreuung. Wir erklären dir alles später. Du musst erst etwas trinken.“ sagte Bob und half ihr aufstehen. Kaum hatte Kelly das Wasser zu sich genommen, saßen sie zu viert im Wartebereich und warteten auf Neuigkeiten. Ronja und Bob waren irgendwie ziemlich nervös. Natürlich ging es ihnen mindestens genauso mies, wie ihr selbst. Aber auch dieser Andy wirkte sehr traurig. Plötzlich vernahm sie die Stimme von Sam: „Wir sind so schnell gekommen, wie es ging. Toni hat uns informiert. Was ist denn passiert? Wie geht es ihm?“ Hinter ihm kamen auch Sean, Leslie, Serafina und Nicholas in den Wartebereich zu ihnen, wobei letzterer sagte: „Hallo Dad!“ Kelly drehte sich um und sah da nur diesen fremden Andy sitzen, der ihn freundlich versuchte anzulächeln. „Dad?“ hakte sie nach und Nicholas erklärte: „Ja! Das ist mein Vater. Ich habe ihn erst vor einigen Tagen kennengelernt.“ Kelly hatte das Gefühl, dass auf einmal jeder jeden umarmte. Scheinbar kannten sie alle diesen Andy, nur sie nicht. Aber ihr war es egal gewesen, denn ihre einzige Sorge galt Jonathan. Sean setzte sich neben sie und bat: „Sage mir mal bitte, wie das passiert ist. Wir haben leider noch nichts erfahren können.“ Sie nickte und erklärte: „Jonathan und ich sind wie immer die gleiche Strecke zum Kino gegangen. Nie ist etwas passiert. Und plötzlich fiel ein Stein von einem Dach herunter. Genau auf seinen Kopf drauf. Auf einmal war alles voll Blut und er lag wie tot auf dem Boden. Es war so schrecklich.“ Liebevoll nahm Sean sie in seine Arme und meinte leise: „Es wird alles wieder gut. Noch lebt er und er schafft es bestimmt. Ich habe Vertrauen in die Ärzte. Solange sie weiterhin an ihm operieren, haben wir eine Chance. Du musst dir das die ganze Zeit vor Augen halten. Es wird alles gut werden.“ Irgendwie schaffte es dieser Mann, dass es ihr etwas besser ging. Zumindest war sie ein bisschen ruhiger. Vielleicht war sie auch einfach nur erschöpft. Plötzlich fragte Leslie: „Wo ist Megan?“ Bob schaute sich suchend um und wollte wissen: „Hat ihr noch niemand Bescheid gesagt?“ Kelly schüttelte den Kopf und meinte: „Von mir weiß sie es nicht. Ich hatte die Gedanken wo anders.“ „Dann sage ich ihr, was passiert ist.“ sagte Bob und ging aus dem Wartebereich heraus. Einige Minuten später kam der Arzt zu ihnen und Kelly sprang erwartungsvoll auf, doch Sean hielt sie an der Hand fest und schüttelte mit dem Kopf. Sie verstand zwar, dass er ihr damit sagen wollte, dass nur Ronja die Ergebnisse mitgeteilt bekommen würde, aber sie war dabei gewesen und er war ihr bester Freund auf der Welt. Sie wollte unbedingt alle Infos sofort erhalten. Sam nahm ihr die Frage ab: „Können wir direkt mithören, was Sache ist? Wir sind doch eine Familie.“ Ronja nickte dem Arzt zu und bat: „Sagen sie es direkt hier. Wie geht es Jonathan?“ Der Mann mit dem grünen Kittel erklärte: „Wir konnten das Blut aus dem Schädel entfernen und haben alles getan, was in unserer Macht steht, damit er so wenig bleibende Schäden wie möglich zurückbehält. Aber zur Vorsicht haben wir ihn ins Koma gelegt, denn er braucht Ruhe und das Hirn sollte zunächst überwacht werden. Sein Allgemeinzustand ist stabil. Wir müssen jetzt nur abwarten, wie das Hirn darauf reagiert. Dazu werden wir ständig Messungen durchführen und angemessen reagieren.“ Kelly wusste nicht, was schlimmer war. Jonathan ganz zu verlieren oder nachher zwar einen lebendigen Menschen vor sich zu haben, der aber nur ein Schatten seiner selbst ist. Tränen stiegen in ihre Augen, doch Sean streichelte sachte ihren Rücken und flüsterte: „Es sind nur Untersuchungen. Mach dir keine Gedanken. Der Arzt muss so etwas sagen. Jonathan wird bald wieder komplett bei uns sein.“ Dankbar umarmte sie den rotblonden Mann neben sich und flüsterte: „Ich habe halt Angst um ihn. Er bedeutet mir so viel.“ „Wenn ihr möchtet, könnt ihr zu ihm gehen. Aber verhaltet euch ruhig. Es ist möglich, dass er euch trotz Operation und dem Koma wahrnimmt.“ sagte der Arzt, was Kelly zumindest ein wenig freute. Zusammen mit den Mitgliedern der Familie ging sie zu Jonathan ins Zimmer. Kellys bester Freund lag dort in diesem Bett an Schläuchen und Kabeln angeschlossen, mit einem Verband um den Kopf herum. Es sah aus, als ob er schlafen würde, was ja auch nichts anderes war. Ronja setzte sich auf die eine Seite des Bettes auf den Stuhl und griff nach der Hand von ihrem Sohn. Sam, Leslie, Sean, Serafina und Nicholas waren zwar im Raum, hielten sich aber etwas zurück. Bob war noch unterwegs um Megan zu holen. Somit war der Platz auf Jonathans anderer Seite frei. Ohne Zögern ging Kelly dorthin und griff nach seiner Hand. Plötzlich hatte sie eine Art Stromschlag in ihren Fingern und sogar Ronja schien dies zu spüren, denn sie sah entsetzt aus. Auf einmal hatte Kelly eine Vision. Sie sah sich von oben mit Jonathan durch die Straße gehen. Danach konnte sie auf dem Dach eine Person erkennen, die hinunter schaute. Eine Hand von dieser Person griff nach dem Stein und warf ihn mit voller Absicht auf Jonathan. Hastig ließ Kelly ihn los und auch Ronja tat dies. Kelly blickte ihre Ziehmutter mit großen Augen an und sagte: „Es war kein Unfall, sondern ein Mordversuch.“ „Ja. Ich habe es auch gesehen.“ erzählte Ronja und ihr schien es nicht wirklich sonderbar gewesen zu sein, doch Kelly fragte verwirrt: „Was war das? Was ist passiert? Warum konnten wir beide die gleiche Vision haben? Und weshalb überhaupt?“ Sean stand auf einmal hinter ihr und meinte: „Das werden wir heute herausfinden. Komm einfach mit. Du kannst jetzt bei Jonathan nichts machen, außer abwarten.“ Ronja flüsterte: „Wir bringen sie nach Amesbury. Meine Eltern sollten dies erfahren. Im Übrigen wurden die Regeln einstimmig aufgehoben. Wenn ihr möchtet, könnt ihr alle mitfahren. Ich warte noch auf Bob und dann komme ich mit Andy nach.“ Nicholas sagte ebenso leise: „Serafina und ich fahren mit euch, sonst wird es im Auto von Sam zu eng. Außerdem kann ich somit bei meinem Dad sein. Und es tut mir leid, dass dies mit Jonathan passiert ist. Daher kann ich mich nicht wirklich darüber freuen, dass die Regeln aufgehoben sind.“ Liebevoll nahm Ronja ihn in den Arm. Verwirrt schaute sich Kelly alle Personen im Raum an und fragte: „Was soll ich denn in Amesbury? Wisst ihr, wie weit das weg ist?“ Leslie nahm sie an die Hand und sprach mit sanfter Stimme: „Komm einfach mit. Wir werden es dir unterwegs erklären. Vertrau uns.“ „Ich will aber bei Jonathan bleiben. Er braucht mich.“ sagte Kelly sehr aufgebracht, doch Ronja flüsterte: „Bob und Megan werden sich um ihn kümmern. Wir können hier nichts tun. Wir sollten möglichst bald herausfinden, was passiert ist und dazu müssen wir zu meinen Eltern.“ „Ich habe noch nie von deinen Eltern gehört. Seit wann hast du wieder Kontakt zu ihnen?“ hakte sie nach und verstand das alles nicht. Sean legte sachte seine Hand auf ihren Rücken und meinte leise: „Jonathan kommt schon klar. Er nutzt das Koma jetzt aus, um gesund zu werden. Und dafür braucht er Ruhe. Aber du solltest nun tatsächlich erfahren, wer du wirklich bist.“ Verwundert blickte sie ihn an und fragte: „Wer ich bin?“ Sam nickte und erklärte: „Eher gesagt, wo du herkommst. Und wir werden dich dort hinbringen.“ In Sams Auto saß sie auf der Rückbank neben Sean. Leslie und Sam waren auf den Vordersitzen und guckten schweigend auf die Straße. Kelly seufzte einmal laut und dachte nur an Jonathan. Sean wollte plötzlich wissen: „Kannst du dich noch gut an die Geschichten über die Lichtkrieger erinnern?“ „Natürlich. Ronja hat sie uns immer vorgelesen.“ antwortete sie und hatte echt keine Ahnung, warum er sie danach fragte, doch er schaute ihr in die Augen und erklärte: „Es gibt sie wirklich. Sie sind unsere Eltern. Wir sollten es erst erfahren, wenn wir erwachsen sind. Daher kennen wir inzwischen alle unsere Familien. Auch Nicholas kennt sie erst seit letztens persönlich. Sie haben uns gebeten, dass wir die Band auflösen sollen, da wir sonst zu sehr im Gerede sind. Und Nicholas hat die Band extra wegen ihnen so genannt. Wir wollten hiermit auf uns aufmerksam machen, da unsere Eltern uns zu Ronja und Bob gegeben haben, damit sie gut auf uns aufpassen, während sie die Welt retten. Wir haben dich daher angelogen, was die wahren Gründe für die Band und deren Auflösung waren. Es tut mir leid. Aber du sollst wissen, dass selbst du ein Kind der Lichtkrieger bist.“ „Vergiss es. Dieser Andy hat auch schon versucht mich mit so einer Zaubernummer von Jonathan abzulenken.“ meinte Kelly gereizt und schaute aus dem Fenster, obwohl die Nacht nicht wirklich viel bot, was sie sehen konnte. Bloß dann fiel ihr wieder etwas ein und sie bemerkte: „Warte mal. Er soll der Vater von Nicholas sein. Er sprach von Magie, die von seinem Armband ausging. Und ich hatte diese Vision gehabt. Sollte es durchaus möglich sein?“ Von vorne sagte Sam: „Ja. Es ist tatsächlich so. Wir würden dich niemals mit so einer Neuigkeit anlügen, nur um dich von Jonathan abzulenken. Dafür ist die Sache viel zu ernst. Wir wollten unbedingt warten, bis du achtzehn Jahre bist oder älter. Doch nun hast du gesehen, dass jemand Jonathan absichtlich verletzt hat und wir müssen deswegen die Lichtkrieger fragen, was es für einen Grund gibt. Daher müssen wir dich nun sofort einweihen, damit du es begriffen hast, bevor wir bei ihnen sind.“ Leslie erklärte: „Du hast doch Serafinas und meinen Vater im Fernsehen gesehen. Meiner ist der weißhaarige Schwertkämpfer Maliwilth, der nun William Scarlett heißt. Und Serafinas Vater Steve Locke war früher der Mondmagier Speneth, der Narr. Außerdem ist meine Mutter Vegomentorgia die Wandlerin, die du vielleicht unter dem Namen Viktoria Wilkes kennst. Sie hat die Bücher geschrieben von ihren tatsächlichen Erlebnissen. Sams Eltern sind Daleinth der Bestienreiter, der heute Daniel heißt. Seine Mutter ist Tiffany, die damals Talesia genannt wurde. Die Elfenwächterin. Ach ja und Serafinas Mum Aliebalsia heißt nun Bella. Nicholas Eltern sind Naxaderleth der Axtkämpfer, der die Schatten beschwören kann. Ihn hast du ja nun schon als Andy kennengelernt. Seine Mutter heißt Christine und war früher Sterchphoria mit dem Adlerblick. Ronja selbst ist die Tochter von Warrdaloonth dem Spurensucher und Nanjia der Seherin. Sie nennen sich heute Jasmin und Ronald. Megan ist sogar Ronjas Schwester, denn sie hat die gleichen Eltern. Du kannst ungelogen ihre Ähnlichkeit erkennen.“ Bevor Leslie weiterreden konnte, sagte Sean: „Deine Eltern heißen Toni und Portia. Früher war sie Princevenetia die Beschwörerin und er Naynoth die Fischlunge mit den roten Haaren. Seine Zwillingsschwester Naletia, die heute Heather heißt, ist meine Mutter. Du bist also meine Cousine. Nur deine Haare sind nicht so eine Mischung wie bei mir. Du hast deine Haare eindeutig von Toni.“ „Ich bin echt deine Cousine? Das ist krass. Und Megan die Schwester von Ronja? Warte mal, dann ist sie ja die Tante von Jonathan. Das ist echt kompliziert.“ stellte Kelly fest und war wirklich überwältigt von all den Informationen. Danach fragte sie: „Daher kommen die Visionen? Und bevor ich ohnmächtig wurde, habe ich etwas gehört, dass Ronja hofft, dass Jonathan auch unsterblich ist. Hat das damit zu tun?“ Sam übernahm die Erklärung: „Die Lichtkrieger lebten fünfhundert Jahre vor Christus. Dann sind alle bis auf Seans Mutter gestorben und sie hat einen Zauber gesprochen, der sie wiederbelebt hat. Aber sie kamen erst im Mittelalter zurück. Deine Tante, wenn du sie so nennen möchtest, hat zweitausendfünfhundert Jahre auf alle Artefakte aufgepasst, die Krieger wiedergefunden und wieder vereint. Das heißt, dass alle anderen schon seit dem Mittelalter aufs Neue leben. Und durch ihre Funktion als Lichtkrieger werden sie nicht älter und sterben nicht an Krankheiten. Sie können im Kampf getötet werden oder durch einen Unfall, aber nicht unter normalen Umständen. Bei uns ist es ebenso der Fall. Und schau dir Ronja und Bob an. Die beiden müssten schon fast siebzig sein und sehen immer noch aus wie dreißig. Naja, es trifft nur auf Bob zu, denn Ronja ist hundert Jahre älter als er.“ Einen Augenblick überlegte Kelly und meinte schließlich: „Dann hoffe ich, dass es obendrein für Jonathan gilt. Obwohl es ja keine Krankheit ist, was er hat. Daher kann er auch sterben. Verdammt. Warum hat dieser Mensch das nur mit Absicht gemacht?“ „Das wird uns hoffentlich Jasmin oder Ronald sagen können. Wir müssten bald da sein.“ antwortete Sean und streichelte sachte und tröstend ihren Arm. All das neue Wissen musste Kelly zunächst sacken lassen, bevor sie fragte: „Was sind denn das für Regeln gewesen, die nun aufgelöst sind? Was meinte Ronja damit? Und wieso erwähnte Nicholas, dass es ihn hätte freuen können, wenn das mit Jonathan nicht passiert wäre?“ Sean schaute sie an und erklärte: „Die Lichtkrieger haben uns als Babys abgegeben. Ronja und Bob sollten auf uns aufpassen, damit die Krieger nicht von ihrer Aufgabe abgelenkt werden. Sie müssen die Welt retten oder zumindest besser machen. Und als Ronja noch bei ihnen war, wollten alle als ihre Paten sie vor der bösen Welt beschützen. Ihr Vater wollte nicht, dass sie einen Mann kennenlernt, da er sie alle durchschauen konnte. Und dann hatte sie Bob gesehen und die beiden waren sofort verliebt. Doch Bob hatte einen Unfall und wäre beinahe gestorben. Deshalb hat mein Vater gezaubert, um sein Leben zu retten. Bloß dies hätte niemals sein dürfen. Daher beschlossen sie, dass sie sich nie mehr in das Leben ihrer Kinder einmischen wollten, da sie ihre Kräfte einsetzen würden, um gegen die Natur zu handeln. Oder auch wider das Gesetz. Weißt du, wenn zum Beispiel Andy Schatten beschwören kann, um Kämpfer zu erschaffen, so könnte er diese gegen jemanden nutzen, der Nicholas in der Schule angegriffen hat. Du weißt schon. Mobbing kommt überall vor. Jedoch sind sie nun mal stärker als normale Eltern. Ich weiß, es klingt doof, aber sie fanden es daher besser, wenn sie nie wieder Kontakt hätten. Doch Sam, danach ich und schließlich die anderen auch, hielten uns nicht an diese Regeln. Wir haben alles Mögliche versucht, um an unsere Eltern zu kommen und sie zu finden. Teilweise war es uns gelungen und wir hatten Glück, dass mein Vater unser Gedächtnis nicht manipuliert hat. Und dann kam Nicholas auf die Idee mit der Band. Er glaubte, dass sie uns im Internet und Fernsehen verfolgen, wenn wir uns Lichtkrieger nennen. Und es hatte geklappt. Naja, auf jeden Fall war die Abstimmung an dem Abend, als es mit Jonathan passiert ist. Nach dem Blick auf meine Uhr war das also bereits gestern. Die Sonne geht ja bald schon wieder auf. Die Regeln wurden einstimmig aufgehoben und wir dürfen nun unsere Eltern wiedersehen, ohne dafür die Konsequenzen zu tragen. Alles wie bei einer normalen Familie. Halt nur mit speziellen Kräften.“ Einen Augenblick ließ sich Kelly alles durch den Kopf gehen und fragte: „Kann dein Vater denn nicht auch Jonathan helfen zu überleben?“ Doch Sean schwieg und schaute aus dem Fenster. „Antworte mir gefälligst.“ motzte sie ihn an, aber Sam sagte: „Lass Sean in Ruhe. Er wird nicht für seinen Vater entscheiden können. Das solltest du besser deinen Onkel selbst fragen. Er wird es dir sagen.“ Kapitel 2 Kurz vor dem Morgengrauen kam das Auto von Sam an Stonehenge vorbei und er berichtete Kelly: „Hier wurden wir alle an Ronja übergeben. Naja, du an Bob, denn sie war ja mit Jonathans Geburt beschäftigt gewesen. Ich erinnere mich gerade daran, dass ich Bob eigentlich hinterherfahren wollte, damit ich meine Eltern finde. Doch er sagte, dass ich bei Ronja bleiben sollte, um mich um sie zu kümmern und zu unterstützen. Und später hat er dich mit nach Hause gebracht und ich habe nach deinem ersten Fläschchen neben dir geschlafen. Da war ich mindestens genauso müde, wie jetzt. Ich glaube, dass wir alle seit vierundzwanzig Stunden nicht geschlafen haben.“ Kelly schaute ihn besorgt an und fragte: „Ist es noch weit? Kannst du noch so lang fahren?“ „Natürlich. Es sind nur wenige Minuten. Wir sind gleich da.“ sagte er und konzentrierte sich wieder auf die Straße. Sean erklärte: „Meine Mutter hat ihr Haus verzaubert. Alle Menschen, die dort nichts zu suchen haben, nehmen es kaum wahr oder interessieren sich nicht dafür. Du wirst es selbst merken, wenn du da bist.“ Tatsächlich waren sie nach ein paar Minuten an einer Wiese angelangt. Die Sonne kündigte sich bereits mit einem roten Streifen am Himmel an. Kelly stieg aus dem Auto und merkte ein Prickeln auf ihrer Haut. Sie sah das Haus vor sich an und musste sich ein paar Mal die Augen wischen, damit sie es klar erkennen konnte. Leslie sagte: „Du wirst dich schnell daran gewöhnen. Komm mit auf die Wiese. Da sehe ich meinen Vater sitzen.“ Sie nickte und folgte ihr. Sean ging neben ihr her und Sam war einige Schritte hinter ihnen. Eine Frau mit schwarzen Haaren und ein paar winzigen grauen Strähnen darinnen kam an ihr vorbei und eilte auf Sam zu. Dabei fragte sie: „Gibt es schon etwas Neues? Niemand informiert uns, wie es meinem Enkel geht.“ Dies war also Jasmin, die Mutter von Ronja und Oma von Jonathan. Daran musste sich Kelly zunächst gewöhnen. Sam antwortete: „Er ist stabil, aber er liegt im Koma. Sie wollen abwarten, wie sein Gehirn funktioniert. Ronja sollte zudem bald hier sein. Andy fährt sie.“ „Das ist gut. Oder auch nicht. Verdammt. Ich habe Jonathan ja noch nie gesehen. Bei der Band war er selbst nicht dabei. Er muss gesund werden.“ jammerte Jasmin und wurde daraufhin von Sam tröstend umarmt. Sean legte seinen Arm um Kellys Rücken und sagte: „Komm weiter. Da vorne sind die anderen Krieger.“ Ein paar Schritte voran sah Kelly bereits, dass Leslie von einem weißhaarigen Mann umarmt wurde, der fast zwei Meter groß war und auch von einer Frau, die scheinbar zweimal in diesen Kerl passen könnte. Mit einem Mal fiel ihr Blick auf einen Mann mit ebenso roten Haaren, wie sie selbst hatte. Dieser saß am Feuer und schaute traurig in die Flammen. Doch plötzlich schien er sie registriert zu haben, denn seine Augen waren auf einmal auf sie fixiert. Hastig sprang er auf und kam auf sie zu. Dabei öffnete er seine Arme und sagte: „Hallo Kelly! Es ist schön, dass ich dich mal kennenlernen darf.“ Sie ließ es zu, dass er sie umarmte und bemerkte leise: „Ich weiß bereits, dass du mein Vater bist. Doch es ist alles noch neu und ich hätte es lieber zu einem anderen Augenblick erfahren.“ Sanft streichelte er ihren Rücken und meinte: „Ja, ich weiß. Es geht mir genauso. Selbst ich mache mir Sorgen um Jonathan. Ich kenne ihn zwar nicht, aber ich fühle mit euch. Ich hätte dich auch lieber unter anderen Umständen getroffen.“ Dann ließ er sie los und schaute sie sich genau an, während er fragte: „Bist du heil geblieben? Ich weiß, dass es dir nicht gut geht, weil du dir Sorgen machst und Vorwürfe. Aber sonst bist du unversehrt geblieben?“ „Ja. Körperlich fehlt mir nichts.“ antwortete sie und fand es nett von ihm, dass er sich danach erkundigt hatte. Sanft schob ihr Vater sie in eine Richtung und fragte: „Darf ich dir deine Mutter vorstellen? Das ist meine Portia.“ Vor ihr stand auf einmal eine hübsche Frau mit langen, dunklen und voluminös gewellten Haaren. Sie hatte eine sehr sportliche Figur und trug eine enge Jeans, die ihren Hintern gut zur Geltung brachte. „Hallo Kelly!“ sagte diese Frau, die scheinbar ihre Mutter war. Doch sie kam nicht auf sie zu, um sie zu umarmen. Daher wusste sie nicht, was sie machen sollte. Wurde sie nicht von ihr geliebt? „Du hast die Haare von deinem Vater. Zumindest was die Farbe angeht. Die Frisur sieht eher nach mir aus. Du bist wirklich eine schöne Frau geworden.“ bemerkte ihre Mutter und bekam dabei ein Glitzern in den Augen. Ihr Vater sagte plötzlich: „Nun sei nicht so distanziert. Portia ich weiß, wie es in dir aussieht. Du stehst kurz davor, zu implodieren. Nun mach schon.“
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