1
/
von
3
My Store
Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy - Band 4 - Serafina
Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy - Band 4 - Serafina
Normaler Preis
€14,99 EUR
Normaler Preis
Verkaufspreis
€14,99 EUR
Inkl. Steuern.
Versand wird beim Checkout berechnet
Anzahl
Wir schreiben Ihre Widmung handschriftlich ins Buch.
Verfügbarkeit für Abholungen konnte nicht geladen werden
Serafina ist ein Partygirl und hat unter anderem auch Drogen probiert. Ihre Freunde helfen ihr bei einem Entzug. Unter Stress möchte sie sich in ihrer Abstinenz etwas besorgen. Allerdings wird sie von einem rothaarigen Kerl daran gehindert, der ihr mitteilt, dass er bei ihrer Geburt dabei gewesen war. Sie wird von ihm und den anderen Kindern der Pflegefamilie aufgeklärt, wer ihre Eltern sind. Serafina wird ein Model, wie es ihr Vater war und findet ihn sogar. Doch dann passiert etwas, mit dem sie nicht gerechnet hat. Sie verliebt sich bei einem Shooting. Ihre Herkunft wird im Fernsehen verraten und daher müssen die Lichtkrieger handeln.
Share
📖 Leseprobe ▼
Kapitel 1
Achtundzwanzig Jahre nach der Rückkehr der Lichtkrieger (Februar)
„Ich habe zwar keine Ahnung, warum du das machst, aber du solltest nicht dieses Dreckszeug zu dir nehmen.“ sagte dieser rothaarige Onkel von Sean. Serafina schaute ihn zunächst sprachlos an und hakte nach: „Wie war noch mal dein Name?“ „Toni!“ antwortete er lässig und guckte den Drogendealer danach grimmig an, der kurz davor war, ihr etwas Ecstasy zu verkaufen. Sie wandte sich dem Päckchen mit den Drogen zu und wollte es in die Hand nehmen, als Seans Onkel fragte: „Hast du mich nicht verstanden?“ „Natürlich, das habe ich. Aber es ist mein Geld, mein Leben und es geht dich gar nichts an. Ich bin erwachsen und kann machen, was ich will. Außerdem kennst du mich kaum. Da sollte es dir doch egal sein.“ antwortete sie und griff erneut zu dem Drogenbeutel. Mit einem Satz hatte Toni den Drogendealer am Kragen gepackt, hob ihn einen halben Meter vom Boden hoch und sagte ziemlich aggressiv: „Du gehst jetzt besser. Sonst vergesse ich mich. Du kannst von Glück sagen, dass meine Frau nicht hier ist. Ich bin von uns beiden der ruhigere Part. Aber wenn du nicht sofort gehst, kann ich mich nicht länger kontrollieren und du bist im Nachteil. Verschwinde auf der Stelle und verkaufe nie wieder dieses Zeug, sonst werde ich dich finden und dann wirst du mit dem Leben dafür bezahlen. Ist das klar?“ Der Drogendealer nickte und machte sich scheinbar vor Angst in die Hosen. Danach ließ Toni ihn laufen.
Mit offenem Mund schaute Serafina ihm nach und fragte: „Wieso mischst du dich ein? Warum kann mich denn niemand einfach so leben lassen, wie ich es möchte? Was glaubst du eigentlich, wer du bist?“ Dieser rothaarige Kerl ihr gegenüber antwortete: „Weil ich bei deiner Geburt dabei war und mich daher ein wenig für dich verantwortlich fühle. Alleine deshalb.“ „Du warst bei meiner Geburt dabei? Dann kennst du also meine Eltern? Wie kann das sein?“ wollte sie wissen und hatte hierbei ein Gefühl, kurz vor der Ohnmacht zu stehen. Es konnte unmöglich sein, dass dieser Mann mehr von ihr wusste, als sie selbst. „Wo wohnst du? Soll ich dich nach Hause bringen und wir reden über all das?“ fragte er und schob sie neben sich die Straße entlang. Verwirrt antwortete sie: „Ich wohne bei Sean in der Wohnung. Du weißt also wo.“ „In Ordnung. Dann kannst du mir jetzt auf dem Weg dorthin erklären, warum du Drogen konsumieren willst.“ meinte Toni und ging friedlich neben ihr her.
Eine kurze Bedenkzeit später erklärte Serafina: „Ich bin nicht süchtig, wenn du das meinst. Erst vor einigen Wochen war ich bei einem Kerl zu Hause. Dort habe ich das erste Mal etwas zu mir genommen. Sam und Sean brachten mich danach ins Krankenhaus. Ja und dann habe ich noch einmal was geschluckt und mir selbst ein bisschen gekauft. Dies war jetzt das erste Mal, dass ich in London etwas holen wollte. Also kannst du nicht sagen, dass ich süchtig bin.“ „Du hast echt gar keine Ahnung, wie schnell das geht. Die meisten Menschen erkennen oft selbst nicht, ob sie schon mitten im Sumpf stecken. Die Erkenntnis kommt meist zu spät. Also solltest du jetzt besser einen kalten Entzug machen, egal wie lange es her ist, und das Zeug nicht wieder anfassen. Ich werde Sam und Sean einweihen, damit sie dir helfen.“ sagte Toni und seine Stimme klang sehr ruhig und vertrauensvoll. Mit einem Blick in seine Richtung fragte sie: „Und wie war das jetzt mit meiner Geburt? Du willst dabei gewesen sein? Wer sind denn meine Eltern?“ Er lachte ein wenig und antwortete: „Du hast echt den Charakter von beiden Elternteilen geerbt. Ich erkenne in dir meinen besten Freund und seine Frau. Weißt du, sie haben beide diese langen, blonden Haare und blaue Augen. Dein Vater hat sogar richtig leuchtend blaue Augen. Du siehst ihnen total ähnlich. Ich finde aber, dass du dein Lächeln wirklich von deinem Vater hast. Dies habe ich sogar vor zwei Jahren bemerkt, als wir deinen Stalker fassen konnten. Am Tage deiner Geburt waren deine Eltern, der Vater von Sam und ich im Keller eingesperrt. Und du warst zwei Wochen zu früh dran. Es war Vollmond in dieser Nacht. Wir waren nicht darauf vorbereitet, und so haben wir drei Männer Geburtshilfe leisten müssen. Naja, ich hielt nur ihre Hand. Sams Vater hat das meiste gemacht, denn er war der Einzige von uns, der bis dahin schon einmal eine Geburt erlebt hatte. Das war bei Sam. Wir waren alle froh, dass wir es unbeschadet überstanden haben.“ „Ihr wart in einem Keller eingesperrt? Wie im Gefängnis oder eher so, dass nach einem Erdbeben der Weg nach draußen versperrt war?“ hakte sie nach, denn all diese Informationen konnte sie nicht so schnell verarbeiten. Toni grinste und antwortete: „Das ist eine andere Geschichte. Wir sind gleich da und dann können dich die Jungs aufklären.“
Das klang alles so verrückt. Auf dem weiteren Weg sprachen die beiden nicht wirklich miteinander. Zumindest nicht über die wichtigen Dinge, die Serafina unbedingt wissen wollte. Deshalb versuchte sie noch mehr herauszufinden, was er von sich preisgeben durfte. Sie horchte nach: „Also du bist der Typ, der die Kampfschule hat, richtig? Und Sam hat bei dir gearbeitet?“ „Ja, dies stimmt alles.“ antwortete er knapp. Mit prüfendem Blick starrte sie ihn an und fragte: „Dann hast du also mit der Polizei geredet, nachdem ihr den Stalker gefunden habt?“ „Auch dies ist richtig. Ich war wirklich froh, als wir diesen Mistkerl geschnappt hatten.“ meinte Toni und ging ruhig den Weg entlang. „Wo finde ich denn meine Eltern?“ hakte sie nach und hoffte an Informationen zu kommen. Mit einem Mal blieb Toni stehen und antwortete: „Das darf ich dir nicht verraten. Dies ist gegen die Regel.“ „Welche verdammte Regel?“ wollte sie wissen, allerdings verdrehte er die Augen und sagte genervt: „Die Regel, dass wir euch eigentlich nicht sehen dürfen. Selbst ich verstoße mal wieder dagegen. Warum habe ich bloß immer so ein weiches Herz?“
Serafina brauchte ein wenig Zeit, um zu begreifen, was sie erfahren hatte. Auch wenn es nicht viel war. Aber es klang aus Tonis Mund so, als ob Sams Eltern und sogar die von Sean, ihre eigenen Eltern kannten. Sie sollten alle miteinander befreundet sein? Was hatte es mit diesen Angaben auf sich?
Mit zitternden Händen schloss sie die Türe der Wohnung auf, in der sie seit kurzem ein eigenes Zimmer hatte. Laut rief sie: „Ich bin wieder da und ich habe Besuch mitgebracht.“ Kurz hinter ihr betrat Toni den Raum und schon sprang Leslie von Sams Schoß herunter und sah etwas peinlich berührt aus. Sam selbst stand auf und ging auf Toni zu, um diesen zu umarmen. Ein Aufschrei der Freude kam aus der Richtung von Seans Zimmer, der selbst gerade den Besucher erkannt hatte. Auch er umarmte seinen Onkel und fragte: „Was führt dich denn hier her?“ Toni löste sich von ihm, ging auf Leslie zu und gab ihr höflich die Hand zur Begrüßung. Darauf antwortete er: „Ich bin wegen Serafina hier. Lange Rede kurzer Sinn, ich habe sie dabei erwischt, wie sie Drogen kaufen wollte. Wusstet ihr davon?“
Auf einmal lief Serafina vor Scham rot an. Das war wie ungewollt auf der Bühne zu stehen, nur irgendwie schlimmer. Sie wollte zwar Schauspielerin werden, aber dies gehörte eindeutig nicht zum Lampenfieber. Leslie sah sie verärgert an und fragte: „Hast du mir nicht gesagt, dass du aufgehört hast?“ „Ja. Ich bin heute nur so nervös wegen der Bewerbung an der Schauspielschule. Auf irgendeine Weise wollte ich mich damit aufheitern.“ antwortete sie und schaute dabei auf den Boden. Sie rechnete mit einem wütenden Mob oder der Inquisition persönlich. Ein Strafgericht, was aus ihren Mitbewohnern bestand. Aber anders als erwartet, setzte sich Toni auf einen Sessel und bemerkte: „Wenn ich das eben richtig gesehen habe, dann läuft zwischen euch wohl etwas.“ Dabei sah er Sam an, der lächelnd nickte. Leslie ließ sich von ihrem Partner in den Arm ziehen und meinte: „Wir sind erst seit einigen Wochen zusammen. Es ist noch kein Monat her. Quasi nach dem Tag in Amesbury.“ Sean fragte besorgt: „Wie geht es meinen Eltern? Ist meiner Mutter was passiert? Du weißt doch noch, was meinen Traum betrifft.“ „Meiner Schwester geht es sehr gut. Seth auch. Leider musste ich aber letztens meine Tarnung auffliegen lassen. Ich musste beichten, wie oft ich euch schon gesehen und geholfen habe. Ich glaube, meine Schwester hätte sonst Hackfleisch aus mir gemacht. Oder aber Leslies Mutter.“ berichtete der rothaarige Kerl und Leslie fragte: „Hat sie nach mir gefragt?“ Lächelnd antwortete Toni: „Sie wollte mich kastrieren, falls ich ihr nicht sage, wo du wohnst. Sie will dich unbedingt sehen. Allerdings haben wir ihr gesagt, dass es besser ist, wenn sie dich nur als Baby in Erinnerung behält. Seth kann es bestätigen, dass es noch mehr wehtut, sobald man endlich das eigene Kind nach so langer Zeit wiedersieht und es dann wieder verlassen muss. Also hat Viktoria ein Einsehen gehabt. Aber ich konnte merken, wie sehr sie dich liebt.“ Serafina verstand dies alles nicht und sie fragte: „Kann mich mal jemand aufklären? Wieso kennt ihr alle auf einmal eure Eltern und meine sind wohl auch in seinem engsten Freundeskreis? Was geht hier vor sich?“
„Ihr habt es ihr noch nicht gesagt? Habt ihr die Bücher noch hier?“ hakte Toni nach. „Was für Bücher? Und wieso soll mir das was sagen?“ fragte Serafina und hatte endgültig genug von diesen versteckten Botschaften. Anscheinend wussten alle etwas und sie war die einzige Person im Raum, die ahnungslos war. Leslie nahm ein Buch aus der Kiste heraus, hielt es ihr hin und erzählte: „Ich habe es auch erst vor einigen Wochen erfahren. Meine Mutter ist Viktoria Wilkes, die Schriftstellerin. Sie hat die Kinderbücher über die Lichtkrieger geschrieben. Und auch diese Romane über die Krieger. Diesmal die ungeschönte Version für Erwachsene. Nur wir kennen diese Geschichten, denn sie sollten dazu dienen, diese andere Welt kennenzulernen. Ich weiß, es klingt verrückt, aber es gibt die Lichtkrieger wirklich und sie sind unsere Eltern.“ Serafina schaute ungläubig zwischen den anwesenden Männern hin und her. Anscheinend waren sie sich alle einig und nickten zustimmend. „Und das soll ich euch glauben?“ hakte sie nach. Ihr Blick fiel auf Toni und sie fragte: „Und wer bist du also von denen?“ „Ich bin Naynoth, heute Toni. Früher und jetzt immer noch die Fischlunge. Meine Schwester ist Naletia die Bannbrecherin. Mein Schwager ist Drawolleiseth, den du als Seth kennengelernt hast, als er in deinem Kopf nach dem Stalker gesucht hat. Er hat dich nicht hypnotisiert, sondern er war mit seiner Schriftrolle tatsächlich in deinem Kopf.“ erklärte Toni und es klang so real. Konnte das wirklich alles wahr sein?
Hilfesuchend schaute sie Sean an, der leise sagte: „Ich konnte es auch zuerst nicht glauben. Aber es ist wahr. Wir alle sind Kinder der Lichtkrieger. Wir dürfen sie nur nicht von ihrer Aufgabe ablenken. Daher hat Ronja, die selbst ein Kind der Krieger ist, den Auftrag erhalten, alle Kinder großzuziehen und auf sie aufzupassen.“ „Habt ihr irgendeinen Beweis, dass Seth wahrhaftig gezaubert hat? Ich begreife das nicht.“ wollte sie wissen und dachte dabei, dass sie heimlich gefilmt wird. Toni griff in seine Tasche und holte eine Muschel heraus, die kurz in einem lilafarbenen Licht leuchtete. Danach legte er diese auf den Tisch und sie sah aus, wie jede andere Muschel auch. Doch als er seine Hand erneut in die Nähe brachte, fing dieses Leuchten wieder an. Sam wollte wissen: „Glaubst du es jetzt?“ Serafina nickte mit einem entsetzten sowie verwirrten Gesichtsausdruck und fragte: „Und wer sind nun meine Eltern?“ Sam antwortete: „Aliebalsia die Sonnenfängerin und Speneth der Mondmagier.“ Einen kurzen Moment überlegte sie, was sie von den Lichtkriegern in den Kinderbüchern erfahren hatte und sagte schließlich: „Toll! Ich bin die Tochter von dem Mondmagier, der unter anderem der Narr genannt wird.“ Da musste Toni laut loslachen und meinte: „Ja, den Humor hast du auch schon von ihm geerbt. Ich wünschte, ich könnte es ihm direkt auf die Nase binden. Leider muss ich meinen Mund halten.“
Langsam landeten die neuen Informationen an die Stellen in Serafinas Hirn, wo sie von Nutzen sein konnten. Endlich begriff sie, wer sie war und woher sie kam. Schließlich fragte sie: „Habe ich irgendwelche Kräfte?“ Erwartungsvoll schaute sie nacheinander zuerst Sam, dann Sean und letztendlich Leslie an, die jedoch alle das gleiche Gesicht zogen. Toni antwortete: „Ehrlich gesagt wissen wir es nicht. Es ist eher unwahrscheinlich, weil du den Vollmond auch verträgst.“ „Warum sollte ich es nicht?“ hakte sie nach und diese Aussage wunderte sie etwas. Seufzend meinte Sam: „In Ordnung. Du solltest die Bücher lesen, denn da wird alles haarklein, von vorne bis zu meiner Geburt, erklärt. Aber wenn du es jetzt wissen willst, hier die Kurzform: Die Lichtkrieger lebten damals nahe Stonehenge. Sie nutzten den Steinkreis für einige Rituale. Es gab eine Weissagung, dass die Krieger vernichtet werden. Seans Vater wollte den Kriegern helfen und hat sie ausversehen getötet. Seans Mutter hat versucht alle wiederzubeleben, doch es hatte einen anderen Effekt. Einige Mondkrieger durften in der Zukunft, in der sie wieder zum Leben erwacht sind, nicht mehr das Tageslicht ertragen. Die Sonnenkrieger hingegen konnten weiterhin die Sonne vertragen. Und ein Teil von beiden Seiten durfte normal leben, bis auf Vollmond. Will heißen, dass einige heutzutage zu Vampiren geworden sind, andere normale Menschen und der dritte Teil wurde zu Werwölfen, so wie deine Eltern.“ „Werwölfe und Vampire? Wisst ihr, dass ich mich gerade damit abfinde, dass es Magie gibt? Und ihr erzählt mir jetzt, dass ich die Tochter von Werwölfen bin?“ fragte sie und so langsam machte ihr Hirn das nicht mehr mit. Sie saß auf dem Sessel, schüttelte mit dem Kopf und sagte leise: „Echt toll. Mein Vater kann nur den Mond zum Leuchten bringen, heult ihn inzwischen auch an und ist ein Narr. Gibt es noch bessere Neuigkeiten?“ Wieder lachte Toni los und meinte: „Ich würde echt alles dafür geben, um ihm das zu erzählen. Ich liebe deinen Humor. Du bist fast besser als er.“
Kapitel 2
Es waren nur ein paar Minuten vergangen, in denen Serafina gar nicht mitbekam, dass Leslie inzwischen für alle Tee gekocht und einige Kekse auf den Tisch gestellt hatte. Sam bedankte sich bei seiner Partnerin und fragte: „Sind das meine Lieblingskekse?“ Leslie nickte und setzte sich wieder halb auf seinen Schoß. Dies war ein Anblick, den Serafina nun schon gewohnt war. Was eher befremdlich wirkte, war der Lichtkrieger auf dem Sessel ihr gegenüber. Dieser rothaarige Onkel von Sean. Seit er in ihr Leben getreten war, kam es ihr vor, als ob sich ihre ganze Welt verändert hatte. Toni tippte eine Nachricht in sein Handy und sagte: „Ich habe Portia geschrieben, dass ich zunächst nach Amesbury fahre. Ich hoffe, ihr habt noch Platz im Auto.“ Sam stopfte sich einen Keks in den Mund und nickte nur. Serafina fragte: „Wo wollt ihr denn hin?“ Mit einem breiten Grinsen antwortete Sean: „Wir fahren mit dir zum Steinkreis und dann zeigen wir dir die Kammer. Dort wirst du hoffentlich einen netten Brief von deinen Eltern finden. Und möglicherweise sehen wir noch mehr Krieger.“ Plötzlich schüttelte Toni mit dem Kopf und meinte: „Wir werden auf gar keinen Fall die anderen dort sehen. Mach dir keine Hoffnungen Sean. Ich habe schon wieder gegen die Regeln verstoßen und muss mit der Last der Schuld leben. Daher werde ich deinen Eltern rechtzeitig schreiben. Vergiss deine Idee schnell wieder. Ich lasse mich nicht immer von euch zu etwas überreden.“
Serafina musste ein bisschen grinsen, weil Sean auf einmal ein Gesicht zog, wie ein kleiner unschuldiger Junge, der seinen Onkel alleine mit diesen großen, braunen Augen überreden wollte, ihm ein Spielzeug zu kaufen. Toni seufzte und sagte: „Es bleibt dabei. Ich weiß, dass du deine Eltern vermisst. Ich vermisse auch meine Kelly und euch alle anderen ebenso. Aber es gibt nun einmal diese total hirnrissigen Regeln.“ Da erst bemerkte Serafina, dass er der Vater der rothaarigen Kelly ist. Wie konnte sie nur im Hirn so langsam sein? Das hätte sie doch direkt merken müssen. In ihren Gedanken ging sie alle Lichtkrieger einmal durch. Und danach sämtliche Kinder. Jonathan war ja der richtige Sohn von Bob und Ronja. Megan musste demnach die Tochter von dem Spurensucher und der Seherin sein, dachte sie. Doch dann blieb Ronja übrig und sie fragte. „Wer sind die Eltern von Ronja? Ist sie vielleicht die Schwester von einem von uns?“ Sean nickte und antwortete: „Sie ist die Schwester von Megan. Ronja war die Erste und ist vor zweitausendfünfhundert Jahren geboren.“ Als Serafina mit einem fragenden Gesicht alle um sich herum anschaute, verdrehte Sam die Augen und sagte: „Lese bitte zuerst die Bücher. Dann wirst du alles verstanden haben. Wenn wir jetzt nach Amesbury fahren, kannst du gerne mit dem ersten Teil anfangen.“
Auf der Fahrt zum Steinkreis hielt Serafina zwar das Buch in der Hand, jedoch konnte sie sich nicht wirklich darauf konzentrieren, weil anscheinend alle im Auto reden mussten. Toni fragte: „Was machst du denn jetzt beruflich?“ „Im Moment nichts. Der letzte Job war gewiss nett, aber die Firma ging Pleite und musste Stellen abbauen. Ich sollte vielleicht doch noch etwas studieren.“ antwortete Sam und fuhr streng nach Geschwindigkeitsbegrenzung. Sean erzählte: „Ich arbeite immer noch in dem Betrieb und baue Sachen aus Holz.“ „Ja, dein Vater hat mir von deiner Sammlung Holzfiguren vorgeschwärmt. Er war ungelogen beeindruckt.“ meinte sein Onkel und Serafina konnte sich wirklich nicht auf das Buch konzentrieren. Also klappte sie es zu, woraufhin Leslie fragte: „Hast du keine Lust zum Lesen?“ „Lust vielleicht schon, aber ihr redet alle etwas viel. Es gibt einen Grund, warum man in Bibliotheken den Mund halten sollte.“ entgegnete sie, worauf Toni nochmals grinsen musste. Mit einem bösen Blick fragte sie ihn: „Erinnere ich dich wieder an meinen Vater, den Narren?“ Er antwortete nicht, sondern schaute einfach auf die Straße und grinste.
Der Steinkreis tauchte im Sichtfeld auf und Leslie sagte: „Wir sind gleich da.“ „Was ist so besonders daran?“ horchte Serafina nach und fand diese Steine eher langweilig. Toni erklärte: „An jener Stelle sind wir alle gestorben, haben vorher dort gekämpft und einige Rituale durchgeführt. Da wurden wir wiederbelebt und haben da im Übrigen unsere Kinder an Ronja übergeben. Außerdem konnten wir an der Stelle auch Ronja wiederbeleben und Bob unsterblich machen.“ „Was?“ fragte Serafina erschrocken nach und Sam sagte genervt: „Lese endlich die Bücher.“ „Ist ja gut. Aber echt jetzt? Bob ist unsterblich?“ wollte sie wissen und Leslie erklärte: „In Ordnung. Die kurze Fassung ist, dass alle Lichtkrieger nicht älter werden und nicht an Krankheiten oder dem Alter sterben können. Sie können getötet werden oder wenn sie sich mit Drogen vergiften, so wie du es vorhattest. Und Ronja ist durch ihre Eltern auch so geworden. Sie hat sich aber mit Beeren in einen Todesschlaf versetzt, um in der Zukunft wiederbelebt zu werden. Das hat Seth hinbekommen. Und als sie sich in Bob verliebt hat, war er ganz normal. Dann passierte ein Unfall, Bob wäre fast gestorben und die Krieger haben ihn gerettet, als sie ihm zusätzlich so ein Leben in Aussicht gestellt haben. Und bevor du fragst, ja, wir leben im Übrigen so eine lange Zeit ohne Krankheiten. Daher solltest du auch besser keine Drogen zu dir nehmen, denn somit könntest du vielleicht nicht mit uns die nächsten Jahrhunderte erleben. Und das wäre schade.“ „Möglicherweise sollte ich diese Informationen besser erzählt bekommen, wenn ich nicht auf Entzug bin. So oder so ist das echt alles etwas viel auf einmal. Lichtkrieger, Magie, Werwölfe und Vampire, Unsterblichkeit und dann noch die Gewissheit, dass mein Vater der Witzbold aller ist.“ meinte sie und beobachtete Toni, wie er ein Lächeln unterdrücken musste. Irgendwie wurde er ihr damit sympathischer.
„Wir sind endlich da!“ verkündete Sam und parkte den Wagen. Serafina schaute aus dem Fenster und sagte: „Hier ist nichts.“ „Ich glaube, du merkst den Zauber nicht. Schau genau hin.“ befahl Sean und deutete auf eine Stelle. Als Serafina aus dem Auto gestiegen war, sah sie plötzlich ein Haus an jenem Platz stehen. Natürlich war das vorher auch dort gewesen, sie hatte einfach nur nicht darauf geachtet. Das war die einzig logische Erklärung. Aber welcher Zauber? Stolz erklärte Toni: „Meine Schwester ist im Laufe der Zeit eine Hexe geworden. Sie hat das Anwesen mit diesem Zauber versehen, damit es vor neugierigen Blicken geschützt ist. Jeder, der es sieht, vergisst es schnell wieder oder es interessiert ihn nicht. Nur Seth konnte damals der Magie widerstehen. Ihn hat es immer hierhin gezogen. Aber es ist ja auch kein Wunder, denn die Liebe zwischen ihm und meiner Schwester, die tief in seiner Intuition verankert war, führten ihn dorthin.“ Das klang alles so romantisch. Sean betrat die Wiese und sagte zu ihr: „Nun komm schon. Dort vorne ist die Kammer. Die hat meine Mutter gebaut, um die Artefakte und Ronjas Sarg zu schützen. Du wirst begeistert sein.“
Serafina folgte ihm und wurde von den anderen auch erwartungsvoll angeschaut, als würde sie jeden Moment vom Blitz getroffen. Das wäre ein tolles Schauspiel gewesen. Sollte sie sich bei der Sache wohlfühlen? Nach einigen Schritten kam sie an einer Treppe an, die unter die Erde führte. Diese Kammer war auf jeden Fall schon einmal nicht einfach zu finden. Vorsichtig stieg sie die Stufen hinab und sah einen Raum, der sehr sauber aussah. Keine Spinnenweben oder Staub lagerten dort. Sam stellte sich neben eine Art Sarkophag und erzählte: „Hier ist das Buch über die Lichtkrieger. Von allen ist ein Bild drinnen. Zwar nur gemalt, aber so kannst du zumindest ansatzweise einen Blick auf deine Eltern werfen.“
Langsam ging sie näher an ihn und das Buch heran und blätterte durch die Seiten. Bei dem Bild von Toni überlegte sie: „Also wenn meine Eltern auch so gut getroffen sind, bin ich zufrieden.“ Dann schaute sie weiter, bis sie die Einträge von Speneth dem Mondmagier und Aliebalsia der Sonnenfängerin sah. Der Rotschopf hatte recht. Ihre Haare waren ebenso blond und ihre Augen genauso blau. Aber ansonsten sah sie keinerlei Ähnlichkeit zu sich. Toni sagte: „Na gut, die beiden sind nicht wirklich so gut gezeichnet. Meine Schwester hat halt nur Augen für Seth und ihren Zwillingsbruder gehabt. Daher sind wir ziemlich naturgetreu gemalt worden. Aber vertraue mir, denn deine Mutter hat einen Namen, der zu ihrer Schönheit passt. Und dein Vater konnte damals schon sein bezauberndes Lächeln als seine Geheimwaffe einsetzen. Wobei es ihm noch vor einiger Zeit besser genützt hat, um Geld zu verdienen.“ Alle lachten ein wenig außer Serafina. Sie verstand mal wieder einen Witz nicht. Als Sam dies merkte, erklärte er: „Dein Vater ist vor vielen Jahren noch ein sehr begehrtes Model gewesen. Ebenso wie Leslies Dad. Die beiden haben hiermit echt viel Geld verdient.“ Damit hatte sie nicht gerechnet. Ihr Vater sah also so gut aus, dass er ein gut bezahltes Model war. Wenn dies nicht ein Wink des Schicksals war, dass sie selbst gerne vor der Kamera stehen wollte, dann wusste sie es auch nicht. Von irgendwoher musste es ja schließlich kommen.
Kurz darauf sah Serafina die Zeichen im Buch, die auf ihrem Arm tätowiert waren. Daher kam es also. Sean sagte: „Ich warte oben auf dich. Du wirst deinen Brief wohl gerne in Ruhe lesen wollen.“ „Sean! Setz dich lieber ins Auto. Ich möchte nicht, dass meine Schwester dich jetzt sieht. Es wird ihr sonst wieder wehtun. Glaube nicht, dass ich nicht weiß, dass du es geplant hast.“ meinte Toni mit ermahnender Stimme. Sam schmunzelte: „Ich werde aufpassen. Keine Sorge. Leslie kommst du auch mit? Wir warten im Auto.“ Sie nickte und folgte ihm. Somit stand Serafina mit Toni alleine in dieser unheimlich alten Kammer.
Dieser rothaarige Krieger deutete auf eine Kiste und sagte: „Da drinnen ist der Brief deiner Eltern an dich. Keine Sorge, ich lasse dich in Ruhe. Aber wenn noch etwas ist, bin ich hier.“ Dankend nickte sie ihm zu und er hob für sie den schweren Deckel an. Dort lag tatsächlich ein Brief mit ihrem Namen darauf. Es war seltsam, etwas was für sie war, in diesem museumsreifen Ort zu finden. Leise fragte sie: „Wie sind meine Eltern eigentlich auf meinen Namen gekommen?“ Mit einem Lächeln erzählte Toni: „Weil Leslies Vater deinen Dad immer blonder Engel genannt hat. Deine Mutter meinte, dass nur dieser Name passend für dich wäre.“ „Blonder Engel? Ich glaube, dass mein Vater damals richtig hübsch gewesen ist.“ seufzte sie und schaute den Brief an. Toni verbesserte sie: „Er ist heute noch hübsch. Er ist kein Jahr älter geworden. Wenn ich es genau nehme, sieht er bis jetzt genauso aus, wie vor fünfhundert Jahren, als ich ihn in einer Taverne getroffen habe. Und auch so wie vor zweitausendfünfhundert Jahren. Naja, die Sache mit der Unsterblichkeit. Du wirst dich irgendwann daran gewöhnen. Ich glaube, er sieht immer noch so aus wie fünfundzwanzig. Also nur ein wenig älter, als du jetzt bist.“
Sie seufzte wieder und nahm endlich den Brief in die Hand. Vorsichtig faltete sie ihn auseinander und las für sich selbst ganz leise vor: „Hallo Serafina! Unser kleiner Engel. Wir hoffen, dass es dir gut geht, sowie du diesen Brief liest. All die Jahre haben wir immer an dich gedacht. Wenn du schon die Bücher gelesen hast oder es noch machen wirst, erkennst du den Grund, warum wir dich nicht aufwachsen sehen konnten. Uns fiel diese Entscheidung nicht leicht. Denn du bist etwas Besonderes. Du wolltest unbedingt an Vollmond geboren werden. Mitten in der Nacht, als der Mond am hellsten schien. Und obwohl wir beide Werwölfe sind, bist du gesund geboren worden und konntest somit zeigen, dass du deinen eigenen Kopf hast. Du sollst wissen, dass wir dich wirklich sehr lieben und immer lieben werden. Deine Eltern.“
Ein wenig sammelten sich die Tränen in ihren Augen. In diesem Brief steckte in der Tat viel Zuneigung. Als sie Toni anschaute, sah es so aus, als wischte er sich auch über die geröteten Augen. „Hast du etwa geweint?“ hakte sie vorsichtig nach. Der Mann, der vor ihr stand, verzog das Gesicht, schluchzte ein bisschen und antwortete: „Es macht mich traurig, dass ich hier bei dir bin und nicht deine Eltern. Ich habe mir nur gerade vorgestellt, wie die beiden reagieren würden und irgendwie überkam es mich da. Diese verdammten Regeln. Ich hasse sie.“ Serafina ging auf ihn zu und fragte: „Ist mein Vater also ein guter Freund von dir?“ Toni nickte und antwortete: „Er ist der längste Freund, den ich habe. Und einer der Besten. Ihm vertraue ich blind und würde mein Leben geben, um ihn zu schützen. Er hat mir auch schon mal den Arsch gerettet. Ach, ich werde schon wieder so sentimental. Ich bin ein Krieger und habe so ein weiches Herz, was Leute angeht, die ich liebe. Und du gehörst ebenfalls dazu.“
Kapitel 3
Das schlechte Gewissen plagte Toni, denn schon wieder hatte er sich in das Leben der Kinder eingemischt. Aber er konnte nichts dagegen machen, dass sein enormes Glück dafür sorgte, dass er ihnen meist zur richtigen Zeit über den Weg lief. Es war sein Fluch. Er brachte Serafina noch zum Auto, wo die anderen Kinder, eher gesagt die jungen Nachfahren der Krieger saßen und auf sie warteten. Sam umarmte ihn zum Abschied, ebenso wie Sean.
