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Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy - Band 3 - Leslie
Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy - Band 3 - Leslie
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Schon seit Kindertagen ist Leslie in ihren Pflegebruder Sam verliebt. Dies ist ihr Geheimnis, da sie glaubt krank zu sein, weil sie solche Gefühle für ihn hat. Sie sind zusammen aufgewachsen. Zumindest 8 Jahre lang, bis Sam ausgezogen ist. Ihre Freundin Serafina will mit ihr in London feiern gehen, was Leslie nicht behagt. Leslies Geheimnis wird von Sean aufgedeckt, der ihr helfen möchte, das Herz von Sam zu erobern. Doch Sam blockt ihre Gefühle ab und erzählt ihr, wer ihre Eltern sind. Diese Tatsache ist ihr egal, denn die Lichtkrieger können ihr nicht bei ihrer Liebe helfen.
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Kapitel 1
Achtundzwanzig Jahre nach der Rückkehr der Lichtkrieger (Januar)
„Ich bin müde und gehe nun ins Bett.“ sagte Leslie zu Ronja ihrer Ziehmutter. Nachdenklich wurde sie von ihr angeschaut und sie fragte: „Geht es dir heute nicht gut? Hast du Fieber?“ Danach fühlte Ronja an Leslies Stirn. Doch sie hatte keine hohe Temperatur. Zumindest nicht in ihrem Kopf. Hastig ging Leslie einen Schritt zurück und meinte: „Nein, es ist alles in Ordnung. Ich möchte einfach heute nur etwas früher schlafen gehen.“ „Kaum hat Serafina mit dir die Fahrerlaubnis gemacht, seid ihr wie ausgewechselt. Sie will andauernd unterwegs sein und du bist lieber alleine in deinem Zimmer. Was ist denn mit euch so anders geworden? Ist es die Tatsache, dass ihr nun bereits achtzehn seid oder was ist der Grund dafür?“ fragte Ronja nach und zuckte mit den Schultern. Seufzend antwortete Leslie: „Ich weiß auch nicht. Serafina fühlt sich durch den Führerschein frei und ich halt nicht. Ich bin immer schon gerne zu Hause gewesen. Und nun gehe ich ins Bett.“ Liebevoll wurde sie von ihrer Ziehmutter noch über die Wange gestreichelt und dabei wünschte sie ihr eine gute Nacht.
Leslie hatte gelogen. Sie war nicht müde. Ganz und gar nicht. Ruhe war alles, was sie wollte. Keine aufregenden Spritztouren mit Bobs Auto und Serafina am Steuer. Einfach nur alleine sein und Trübsal blasen. Hastig öffnete sie die Schublade ihres Nachtschränkchens, holte dort ein Foto heraus und betrachtete es. Darauf war Sam zu sehen, wie er den letzten Sommer ausgesehen hatte. Kurze Hose und ein T-Shirt, was seine Muskeln abmalte. Leslie hatte dieses Bild heimlich gemacht und sich dann ausdrucken lassen. Sie schmachtete es jeden Abend an. Immer schon liebte sie Sam, aber seit er nach London gezogen war, was bereits zehn Jahre zurücklag, vermisste sie ihn täglich mehr. Und seitdem er dort lebte, trainierte er viel, was seinen damals knabenhaften Körper in eine athletische Figur verwandelt hatte. Leslie liebte Sam alleine wegen seiner liebevollen Art, der Intelligenz und seiner Ruhe. Bloß gepaart mit diesen gut proportionierten Muskeln, die zum Glück nicht zu viel waren, sondern für ihren Geschmack genau richtig, lief ihr das Wasser im Mund zusammen. Diese himmelblauen Augen, die schmutzig blonden Haare und ein winziger Dreitagebart, ließen sie immer wieder davon träumen, wie er sie zwei Jahre zuvor geküsst hatte, als sie den Stalker von Serafina ausfindig machen wollten. Damals gab Sean vor, Serafinas Freund zu sein. Zumindest wollte sie es so haben. Und Sam war dann für einen Tag ihr fester Freund. Und als er sie zum Schein geküsst hatte, ging einer ihrer Träume in Erfüllung. Sie versuchte sich diesen einzigen Kuss genau einzuprägen, um möglichst lange davon zu zehren. Doch nach zwei Jahren verblasste diese Erinnerung immer mehr. Leslie hatte Sean gefragt, ob sein Kuss mit Serafina etwas an seinen Gefühlen zu ihr geändert hatte. Sie wollte ein wenig Hoffnung haben, dass Sam sich in sie verliebt haben könnte. Aber als Sean ihr die nüchterne Wahrheit erzählte, dass es ihm sogar überhaupt nicht gefallen hat, brach für sie die Welt zusammen. Schließlich war Sam wie ein Bruder mit ihr in dieser Familie aufgewachsen. Alle wussten, dass sie keine Geschwister sind und dennoch sollten sich nach solch einer gemeinsamen Zeit gar nicht derartige Gefühle einstellen. Daher musste sie gegen die Natur sein, weil sie ihn schon immer sehr liebte und nun auch noch total scharf auf diesen Mann war. Einfach nur krank und somit hatte Ronja doch recht gehabt, dass es Leslie nicht gutgehen würde. Nur dass das Fieber in ihrem Herzen tobte und nicht messbar war.
Sams Foto stellte Leslie vor ihrer Nachttischlampe auf und schaute es wieder einmal an. Seufzend schritt sie vor ihren Spiegel, der an der Schranktüre befestigt war, und blickte hinein. Langsam löste sie den Gummi ihres Zopfes und fächerte ihre langen, blonden Haare auseinander. Ihr Blick ging erneut zu dem Foto hinüber. Leslie versuchte sexy aus ihrem Pullover zu schlüpfen und stellte sich dabei vor, wie sie ihn eines Tages so verführen konnte. Doch mit einem prüfenden Blick in den Spiegel war es eher ein Trauerspiel statt eines Strips. Sie versuchte es nochmals mit der Hose und probierte dabei den Hintern in die Höhe zu strecken. Vielleicht sollte sie mehr Gymnastik machen, um ein wenig elastischer zu wirken. Mit diesen Verrenkungen konnte sie keinen Preis gewinnen. Betrübt schaute sie sich im Spiegel an. Ihre grünen Augen warfen ihr einen skeptischen Blick zu und sie seufzte. Natürlich sah sie hübsch aus. Dies wurde ihr schon mehrfach bestätigt. Sie selbst schämte sich keinesfalls für ihr Aussehen. An jeder Hand hatte sie mindestens zwei Männer, die sich um sie reißen würden. Doch sie interessierte sich nur für einen einzigen Mann. Und den konnte sie nicht mit ihrem Aussehen ködern. Verdammt, dachte sie, warum mussten die beiden auch nur wie Geschwister miteinander aufwachsen? Unter diesen Umständen würde er sich nie in sie verlieben. Sondern für immer wie eine Schwester behandeln. Sie hasste diese Tatsache.
Nur in Unterwäsche bekleidet stieg Leslie ins Bett und nahm Sams Foto in die Hand. Wieder lief ihr das Wasser im Mund zusammen. Sie dachte an seinen gespielten Kuss zurück und die Hitze stieg in ihrem Körper an. Schmetterlinge tummelten sich sehr wahrscheinlich mit ihrem Paarungstanz in ihrem Magen herum, denn so könnte es sich anfühlen, wenn diese Insekten dort tatsächlich lebten. Sie seufzte und streichelte sehnsüchtig über das Bild. Plötzlich klopfte jemand an die Türe und hastig ließ sie das Foto unter der Bettdecke verschwinden, bevor sie fragte: „Was gibt es?“ „Darf ich reinkommen?“ hörte sie Serafina fragen und dann bestätigte sie dies. Ihre Freundin kam zur Türe herein und wollte wissen: „Was ist denn mit dir schon wieder los? Ich habe das Gefühl, dass wir beide uns immer weiter entfremden. Ich kaufe dir die Sache nicht ab, dass du müde bist. Ronja meinte, dass du vielleicht eine Erkältung bekommst. Aber ich weiß es besser. Du hast einfach nur keinen Bock mehr auf mich. Ich kenne nur den Grund nicht. Sind es die Typen, mit denen ich neuerdings abhänge?“ Seufzend antwortete Leslie: „Nein! Es liegt nicht an dir. Ich habe dich noch genauso gerne, wie vorher auch. Ich habe mich geändert. Es liegt wahrscheinlich an irgendwelchen Hormonen. Für Partys und Feiern bin ich gerade nicht zu haben. Ich möchte lieber etwas mehr Ruhe. Das ist der Grund, warum ich dich alleine gehen lasse. Ich will halt, dass wenigstens du deinen Spaß hast und nicht von mir heruntergezogen wirst, weil es mir keine Freude macht. Das ist alles.“
Serafina setzte sich zu ihr auf das Bett und umarmte sie liebevoll, bevor sie sagte: „Ich danke dir. Du bist tatsächlich eine gute Freundin. Vielleicht finden wir ja auch etwas, was uns zu zweit Spaß macht. Also eine Gemeinsamkeit. Ich möchte dich wirklich gerne bei mir haben. Wir zwei gehören doch zusammen. Und wir haben so viel durchgemacht. Ich möchte nicht, dass du wegen mir zurückstecken musst. Wir können auch selbstverständlich einen Filmabend machen so wie früher. Es müssen ja nicht immer nur Partys sein.“ Lächelnd meinte Leslie: „Das ist nett von dir. Ich habe dich lieb. Aber du bist eben ein Partygirl und solltest was erleben. Ich komme schon klar. Es ist einfach nur eine Phase. Nur solltest du nicht wegen mir die anderen Freunde vergraulen. Wir können außerdem später noch Filme anschauen. Verpasse nicht wegen mir den Anschluss.“ „Du bist echt süß. Ich habe dich auch lieb. Aber was machen wir jetzt mit dem angefangenen Abend? Du siehst nämlich überhaupt nicht müde aus. Lust auf einen Dating-Chat?“ fragte Serafina begeistert und ihre blauen Augen leuchteten dabei. Leslie fand schon, dass sie durch diese Augen um einiges hübscher aussah. Mit ihren langen, blonden Haaren und einer tollen Figur, hatte sie viel mehr Verehrer gehabt, als sie zählen konnte. Gerade als sie den Vorschlag mitmachen wollte, fiel ihr das Bild unter der Bettdecke ein. Dies durfte ihre Freundin nicht sehen und so sagte Leslie: „Heute nicht. Ich bin schon ausgezogen, mir ist kalt und ich will nicht wieder aus dem warmen Bett steigen. Ich sollte wirklich schlafen, denn vielleicht bekomme ich doch eine Erkältung.“ „Wie du meinst. Dann chatte ich eben alleine. Mal schauen, wie pervers die Typen heute sind.“ meinte Serafina grinsend und verschwand anschließend aus dem Zimmer.
Erleichtert nahm Leslie das Foto von Sam unter der Decke hervor und sah, dass es an einer Stelle geknickt war. Zum Glück nicht an seinem Gesicht oder Körperbau, sondern an einer anderen Seite des Bildes. Er war noch unversehrt und so konnte sie ihn weiterhin anschmachten. Sie fand es blöde, dass sie niemandem von ihrer Liebe erzählen konnte. Ronja und Bob würden es sehr wahrscheinlich nicht gut finden, da sie die Zieheltern von ihnen sind. Serafina war auch nicht die beste Ansprechpartnerin dafür. Sie ging so unbeschwert mit Männern um, dass es fast krankhaft war. Aus der Sache mit dem Stalker hatte sie offenbar nichts gelernt und chattet fleißig auf dubiosen Seiten herum. Für sie waren Kerle nur Spielzeuge, die sie nutzen konnte, wie sie es wollte. Leslie hingegen wusste genau, welche Sorte Mann sie in ihrem Leben haben mochte. Und diese Sorte nannte sich Sam. Sie konnte wahrhaftig mit niemandem darüber sprechen. Einmal hatte sie es mit Sean versucht, doch da ging es nur um den Kuss mit Serafina. Sie hatte ihm nie erzählt, was sie für Sam empfand. Aber ein anderer Typ, der wie ein Bruder mit ihr aufgewachsen war, konnte ihre Gefühle auch nicht verstehen. So lag sie alleine mit dem Foto im Bett und es war das Einzige, was ihr zuhören konnte, ohne ihr Vorwürfe zu machen. Zärtlich fuhr sie mit dem Finger Sams Konturen ab und stellte sich vor, diesen Körper wie eine Frau berühren zu dürfen und nicht wie eine kleine Schwester. Bekanntlich war dies ein Traum, der niemals in Erfüllung gehen würde.
Es klopfte laut an die Türe und Leslie wachte erschrocken auf. Sams Foto hatte sie immer noch in der Hand und muss wohl in ihren Gedanken eingeschlafen sein. Hastig stopfte sie es in die Schublade und fragte zerstreut: „Was ist los?“ „Du hast verschlafen. Du hast gleich dein Vorstellungsgespräch. Hast du das denn schon vergessen? Oder bist du doch so krank, dass du heute nicht hingehen kannst?“ hakte Ronja nach und wartete offenbar auf eine Antwort.
Leslie sprang eilig aus dem Bett, öffnete die Türe und sagte hektisch auf dem Weg ins Badezimmer: „Ich habe wohl nur den Wecker vergessen anzumachen. Ich muss mich beeilen.“ Doch die Badezimmertüre war verschlossen. Sie klopfte laut an und fragte: „Wie lange dauert es noch? Ich habe es eilig.“ „Ich habe gerade erst angefangen mir die Zähne zu putzen. Ich will gleich noch unter die Dusche.“ kam als Antwort von Nicholas aus dem Badezimmer. Er hatte längst den Stimmbruch bekommen und krächzte ihr daher seine Auskunft entgegen. Leslie rief durch die Türe: „Bitte mach auf. Ich habe gleich einen Termin und bin schon sehr spät dran.“ „Nö! Du hättest früher aufstehen sollen.“ meinte er und sie hörte das Wasser laufen. Mit einem flehenden Blick schaute sie zu Ronja, die offenbar ein Erbarmen mit ihr hatte, zur Türe ging und laut klopfend brüllte: „Nicholas! Komm sofort da heraus und lass Leslie hinein. Sie hat ihr Vorstellungsgespräch und das ist wichtiger als deine sofortige Körperpflege.“ Dies zeigte wenigstens Wirkung und er kam mit einem Handtuch bekleidet aus dem Badezimmer und streckte Leslie dabei die Zunge heraus. Hastig verschwand sie im Bad und fand, dass kleinere Kinder im Haushalt schon nervig sind. Plötzlich fiel ihr ein, dass sie wahrscheinlich auch mit Serafina so gewesen war, als sie noch kleiner waren. Und als Sam bis dato bei ihnen gewohnt hat, sind sie ihm bestimmt genauso auf die Nerven gegangen. Verdammt, dachte sie, Sam würde sich niemals in eine nervige Göre verlieben. Das war es also mit ihrem Traum.
Leslie wurde von Bob zu ihrem Vorstellungsgespräch bei einem Anwalt gefahren. Sie war viel zu nervös und stand zudem noch unter Zeitdruck, da sie zu spät war. Er war nun mal der bessere Fahrer und sie brauchte so im Übrigen nicht nach einem Parkplatz zu suchen. Unruhig knibbelte sie an ihren Fingern herum, bis ihr Ziehvater mit ruhiger Stimme sagte: „Du brauchst nicht aufgeregt zu sein. Wenn es gut läuft, so wird es auch klappen. Falls nicht, dann ist es ebenfalls gut. Es macht dir niemand einen Vorwurf, sofern du die Stelle nicht bekommst. Der Arbeitsmarkt ist eben hart und oft auch ungerecht. Bleib einfach ruhig, verstelle dich nicht und sei ehrlich. Denk daran, dass dich niemand aufessen wird oder tötet. Es kann dir kaum was passieren, außer, dass du den Job nicht bekommst. Dann suchst du halt weiter. Aber mach dich nicht so verrückt.“ Er parkte das Auto vor dem Gebäude, in welches sie gehen musste, und lächelte sie an. Liebevoll beugte sich Leslie zu ihm hinüber und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Du bist wirklich ein toller Mann. Danke für die netten Worte. Ich werde sie beherzigen. Bis später.“ sagte sie und stieg danach aus dem Wagen. Kalter Wind wehte durch ihre Haare und sie verfluchte den Winter. Sie würde mit zerzauster Frisur und abgefrorenen Fingern bei dem möglichen Arbeitgeber erscheinen.
Während Leslie in dem Büro auf den Anwalt wartete, schaute sie sich die ganzen Bilder an, die an der Wand hingen. Teilweise handelte es sich um Kunstdrucke oder Fotos seiner Familie. Er wirkte zumindest auf den Bildern sehr nett. Plötzlich ging die Türe auf und ein Mann Mitte dreißig und blonden Haaren stolzierte in das Arbeitszimmer mit den Worten: „Entschuldigung, dass ich sie habe warten lassen, aber ich hatte noch ein wichtiges Gespräch mit einem Mandanten.“ Als er sie ansah, fügte er ein: „Oh! Wow!“ hinzu. Leslie schaute ihn skeptisch an. Sie wusste genau, was diese Aussage bezwecken sollte. Höflich sagte sie: „Guten Tag.“ Der Anwalt kam auf sie zu, reichte ihr die Hand und meinte: „Hallo! Ich bin heute nicht ganz auf der Höhe. Ich bitte noch einmal um Verzeihung für meinen Ausruf eben, aber sie sahen auf dem Foto von sich ein wenig anders aus. Ich hatte nicht mit so einer angenehmen Überraschung gerechnet. Ich hoffe nur, dass sie sich jetzt nicht unwohl fühlen. Natürlich bin ich ein Anwalt und weiß mich normalerweise auch so zu benehmen und weiß außerdem, wie ich richtige Sätze passend in meinem Kopf sortieren kann und dementsprechend einsetze. Nur gerade jetzt benehme ich mich wie ein Teenager. Ich glaube, dass ich einfach nur überarbeitet bin.“
Die ganze Zeit über, während seiner Rede, schüttelte er ihre Hand, bis Leslie diese dezent zurückzog. Ihr passte diese Situation nicht. Auch wenn er sich mehrfach entschuldigt hatte, so glaubte sie zu wissen, was er für ein Chef sein würde. Immerhin hatte sie eine Menge Filme gesehen und den Stalker von Serafina mitgemacht. Der Anwalt setzte sich auf seinen Stuhl und suchte irgendwelche Unterlagen aus seiner Schublade. Diese Zeit nutzte Leslie, um ihre Handtasche zu nehmen, aufzustehen und zur Türe zu gehen. Dort zog sie ihre Jacke an. „Wir sind noch nicht fertig. Wir wollten doch jetzt mit dem Gespräch anfangen.“ meinte der Mann. Leslie zog ihre Jacke enger um sich und sagte mit ruhiger Stimme: „Ich habe bereits genug gehört. Vielen Dank. Leben sie wohl.“ Sie wartete nicht ab, ob er ihr etwas nachrufen würde, sondern ging direkt aus dem Bürogebäude heraus.
Im Wagen saß Bob und rieb seine kalten Hände aneinander, als Leslie zu ihm einstieg und sagte: „Ich habe die Stelle nicht. Aber wenn der Kerl mich schon mit seinen Blicken ausgezogen hatte, ist das nicht der passende Job für mich.“ Bob lächelte und hob ihr seine Hand hin, dass sie darin einschlagen konnte und meinte: „Richtig so. Das ist mein Mädchen. Wie ich es dir beigebracht habe. Ich bin mächtig stolz auf dich.“ Sie mochte ihren Ziehvater äußerst gerne und fand, dass er einer der Männer war, denen eine Frau hundertprozentig vertrauen konnte und dazu trotz seines Alters ziemlich gut aussah. In ihrem Kopf rechnete sie nach. Sam war bereits siebenundzwanzig, sehr bald schon achtundzwanzig Jahre. Und wenn Bob mit Ronja früh angefangen hatte auf die Kinder aufzupassen, waren sie bestimmt mindestens zwanzig gewesen. Macht also geschätzt etwas um die fünfzig Jahre. Doch er sah aus wie Anfang oder höchstens Mitte dreißig. Bei Ronja war das ebenso. Anscheinend hatten sie das Geheimnis ewiger Jugend entdeckt, dachte Leslie und beobachtete Bob beim Fahren.
Kapitel 2
„Nächstes Wochenende gibt es keine Ausreden mehr. Wir gehen aus. Ich leihe mir dafür Ronjas Wagen aus, und wir machen London unsicher. Da werden wir unseren Spaß haben.“ sagte Serafina und stand dabei vor ihrem Schrank, um sich das perfekte Outfit herauszusuchen. Leslie versuchte nicht zuzuhören, denn sie wollte nicht ausgehen und schon gar nicht so weit weg von zu Hause sein. Seufzend fragte sie: „Muss es unbedingt in London sein? Können wir nicht hier in ein Lokal gehen und die Leute beobachten wie sie betrunken werden?“ Serafina hielt sich ein schwarzes, enges Kleid vor ihren Körper und antwortete: „Weil mir dieser Schuppen in London wärmstens empfohlen wurde. Im Chat hat mir ein Kerl gesagt, dass sich dort die Männer aufhalten, die mich interessieren könnten.“ Wieder presste Leslie ein Seufzen aus dem Mund, bevor sie aufgeregt sagte: „Ich hoffe du denkst noch an den Vorfall mit dem Stalker. Wer weiß, was du für Typen in diesem verdammten Chatroom kennengelernt hast. Nachher landen wir in so einem BDSM-Schuppen. Es sei denn, du stehst wirklich darauf. Aber dann halte mich da heraus.“ „Natürlich denke ich an den Stalker. Und dank Sam, Sean und der Polizei hat er mich nie wieder belästigt.“ meinte ihre Freundin und Leslie fügte hinzu: „Du vergisst diesen Toni und Seth, der uns hypnotisiert hat. Ihnen müssen wir dafür danken. Doch obwohl sie Vater und Onkel von Sean sind, habe ich sie nicht nochmals bei ihnen gesehen oder von ihnen gehört.“ „Außerdem habe ich mir den Laden im Internet bereits angeschaut. Kein BDSM, sondern einfach nur Musik und ein paar Getränke. Aber die Männer scheinen dort gerne hinzugehen. Und daher werden wir auch da sein. Es wird Zeit, dass wir endlich mal nette Partner finden.“ erklärte Serafina und zog ein weiteres schwarzes Kleid aus ihrem Schrank heraus. Es sah sehr dünn aus mit viel Spitze versehen und einem tiefen Ausschnitt. Leslie verschluckte sich fast an ihrer Spucke und fragte: „Wo hast du dieses Ding denn her? Willst du irgendwo als Prostituierte im Theater auftreten? Ich finde, wenn du das anziehst, könntest du genauso gut nackt gehen. Außerdem haben wir Winter. Es ist verdammt kalt draußen. Und so willst du ausgehen?“ „Natürlich ziehe ich mich erst in dem Laden auf der Toilette um. Vorher braucht es niemand zu sehen. Du wirst merken, dass die Typen darauf stehen.“ meinte Serafina mit einem breiten Grinsen und einem Augenzwinkern. Leslie wurde auf einmal übel und sie fand diese Idee wirklich alles andere als toll.
Etwa ein paar Minuten später wurde Leslie von ihrer Freundin ein rotes Kleid vor die Augen gehalten. Es sah fast genauso verrucht aus, wie das andere, und sie fragte: „Willst du lieber als Teufelchen gehen oder entscheidest du dich doch noch für den Vamp?“ Serafina lachte etwas und antwortete: „Das Teufelchen darfst du sein. Ich kenne doch deinen Kleiderschrank. Daher leihe ich es dir gerne aus. Und verrate es nicht Ronja, aber ich habe diese Kleider heimlich gekauft, als sie mit mir in der Stadt war. Deine Klamotten sehen eher so aus, als ob du damit die Heilige Jungfrau spielen willst.“ Empört schaute Leslie sie an und sagte: „Mein Stil gefällt mir halt. Er passt zu mir. Und ich werde niemandem etwas vorspielen. Meinetwegen kannst du dich mit diesem Fetzen den Männern vor die Füße werfen, wenn es das ist, was du wirklich willst. Aber mich lässt du dabei aus dem Spiel. Ich habe erst jetzt mein Vorstellungsgespräch abgebrochen, weil mir der Chef mit seinen Augen zu aufdringlich geworden ist. Und ich hatte dabei nur einen süßen Pullover an. Du liebst anscheinend die Gefahr mit fremden Männern. Aber ich kann dir nicht immer aus der Patsche helfen.“ „Du solltest mal dein Gesicht sehen. Auf deiner Stirn steht das Wort – Panik. Natürlich wirst du es nicht tragen wollen. Also gehen wir jetzt in dein Zimmer und schauen einmal, was du anziehen könntest.“ meinte Serafina und zog sie an der Hand mit sich.
Vor ihrem eigenen Kleiderschrank stehend, holte Leslie ein weißes Strickkleid heraus, was wenigstens den Ausschnitt wohlig warm hielt. Darunter würde eine Strumpfhose reichen und Turnschuhe. Sie hielt es am Bügel vor ihren Körper und Serafina beäugte es kritisch, während sie sagte: „Nein! Das geht gar nicht. Und die Schuhe erst recht nicht. Außerdem kannst du neben mir nicht aussehen, als ob ich im Sommerurlaub bin und du bei den Eisbären lebst. Wir sollten unsere Outfits schon aufeinander abstimmen.“ Sofort danach eilte sie auf den Schrank zu und griff einfach etwas Schwarzes hinaus. Nach einem knappen Blick sagte sie: „In Ordnung. Es sieht nach Nonne aus. Sag mal, warum ist mir nicht schon vorher aufgefallen, dass du so spießig bist?“ Hastig riss Leslie ihr das Kleid aus der Hand und antwortete genervt: „Weil es dich bis vor ein paar Monaten nicht interessiert hat. Du hast wirklich sonderbare Leute kennengelernt, die dir so einen niederen Geschmack eintrichtern. Das ist alles. Früher bist du auch so herumgelaufen.“ „Lass mich mal deine Schminke anschauen. Das interessiert mich jetzt, ob du heimlich übst, um mehr Farbe aufzutragen.“ meinte Serafina und ging auf das Nachtschränkchen zu.
Gerade bevor sie die Schublade öffnen konnte, schubste Leslie sie auf Seite und sagte: „Du wirst mich jetzt in Ruhe lassen. Ich habe keinen Bock mehr, dass du mich so abwertest. Ich dachte ja, wir wären Freundinnen.“ Damit kam ihr eine weitere Lüge über die Lippen. Sie wollte nur nicht, dass das Foto von Sam entdeckt wird. Serafina winkte ab und meinte lässig: „Ach was. Das hat dir noch nie etwas ausgemacht. Das machen wir doch schon seit Jahren. Aber ich habe das Gefühl, dass du mir etwas verheimlichen willst. Ich kenne diesen Blick. Du siehst dann aus wie ein erschrockenes, grünäugiges Reh.“ Ertappt stammelte Leslie: „Ich habe nichts versteckt. Und jetzt macht es mir was aus. Ich muss es mir ja nicht dauerhaft gefallen lassen.“ Grinsend fragte Serafina: „Versteckst du da drinnen etwa einen Vibrator? Ist es das, was du mir verheimlichen willst?“ Seufzend nickte Leslie und antwortete: „Ja! Es ist ein Vibrator. Nicht nur du kaufst dir heimlich Sachen. Ich wollte es einfach mal ausprobieren. Aber trotzdem darfst du ihn nicht sehen, denn es ist mir selbst vor dir peinlich.“
Die Lügen kamen ihr immer leichter über die Lippen. Vor allem merkte sie, dass sie weniger ein Problem damit hatte mit einem Vibrator erwischt zu werden, als mit dem Foto von Sam. Das war echt eine erschütternde Erkenntnis. Ihre Freundin grinste immer noch und fragte: „Wenn du ihn mir nicht zeigen willst, magst du mir ansonsten wenigstens sagen, wie er sich anfühlt?“ Beschämt schaute sie auf den Boden und log erneut: „Ich habe mich noch nicht getraut ihn zu benutzen. Also kann ich es dir nicht sagen.“ „Dann halte ihn weiterhin gut versteckt. Um Bob und Ronja brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Sie wühlen nicht in deinen Sachen. Aber bei Nicholas wäre ich mir da nicht so sicher. Er hat sich ja auch immer meine Handtaschen genommen. Und das wäre wirklich peinlich, wenn er mit dem Ding, brüllend vor Lachen, durch das Haus läuft.“ überlegte Serafina und Leslie merkte, wie ihr das Blut in den Kopf stieg. Bei der roten Farbe im Gesicht wirkten die blonden Haare immer so deplatziert und die grünen Augen stachen dann als Komplementärfarbe noch mehr hervor. Sie musste also zusehen, dass sie wieder etwas blasser wurde und so sagte sie zur Ablenkung: „Ich werde mir für das Wochenende schon ein nettes Outfit aussuchen. Du kannst dich auf mich verlassen. Wir werden zusammen Spaß haben und die Klamotten aufeinander abgestimmt sein. Und ich ziehe mich nicht wie eine Nonne an. Das verspreche ich dir.“ „Das ist prima. So gefällt mir deine Einstellung. Na, wenn du ohnehin einen Vibrator nutzt, dann trifft die Sache mit der Nonne nicht mehr zu. Innen drin bist du längst sehr verrucht. Ich habe es immer gewusst. Stille Wasser und so. Auf jeden Fall freue ich mich schon extrem auf London und die Typen, die wir da kennenlernen werden. Wir sind endlich erwachsen und können unsere Freiheit genießen.“ sagte Serafina und an ihrem Lächeln konnte Leslie erkennen, dass sie sich tatsächlich freute. Wenigstens eine von beiden strahlte von innen heraus.
Später lag Leslie im Bett noch lange wach und schaute wieder einmal Sams Bild an. Das Foto, was sie wahrscheinlich öfter in den Händen hielt als einen Vibrator, selbst wenn sie ihn wirklich besessen hätte. Innerlich lachte sie über ihre Lüge mit diesem Ding. Natürlich wäre sie niemals auf die Idee gekommen, sich so ein Teil zu besorgen. Zumindest nicht so bald. Noch verspürte sie nicht die Lust sich mit solch einem Ding selbst zu befriedigen, denn es war mehr die Sehnsucht zu Sam, was ihr das größere Leid bescherte. Immerhin war sie von der Liebe getrieben und nicht von einem sexuellen Bedürfnis. Natürlich hatte sie auch mal selbst Hand an sich gelegt, aber ihr fehlte der Reiz dabei. Krampfhaft versuchte sie sich gutaussehende Männer währenddessen vorzustellen und landete in ihren Gedanken immer wieder bei Sam. Er war auch sehr attraktiv und hatte einen gut gebauten Körper. Besonders nach dem ganzen Training. Jedoch wollte sie ihn nicht als Vorlage für ihre wilden Fantasien nutzen, denn es kam ihr falsch vor. Die Art und Weise war nicht die richtige gewesen, denn klar wollte sie ihn vernaschen, aber sie hatte Angst davor, wenn er wirklich mal mit ihr schlafen würde, dass es dann anders wäre. Sie wollte ihn in ihren Gedanken nicht zur Sexmaschine werden lassen und in Wirklichkeit würde er ganz andere Vorlieben haben oder sogar mies im Bett sein. Letzteres wäre ihr sogar noch egal, denn schlechter Sex ist besser als gar kein Sex, aber sie wollte ihn so, wie er war und nicht, wie sie ihn sich vorstellte. Und daher konnte sie ihn niemals für ihre Befriedigung benutzen. Doch die Frustration breitete sich schon aus, wenn alle Männer in ihrem Kopf zu Sam wurden und sie daher abbrechen musste. Da war es ja kein Wunder, dass sie so langsam durchdrehte. Es musste etwas passieren und vielleicht würde sie ja am Wochenende einen anderen Mann kennenlernen, der sie das erste Mal zum Stöhnen bringt, überlegte sie.
Fröstelnd stand Leslie aus dem Bett, zog sich schnell etwas Wärmeres über und schlich sich zu Serafina ins Zimmer. Diese schreckte auf und fragte: „Kannst du nicht anklopfen? Ich dachte schon es wäre jemand anderes gewesen.“ „Entschuldigung, aber wenn ich geklopft hätte, dann wäre ich von Ronja oder Bob gehört worden. Ich wollte dich doch noch um ein Kleid von dir bitten, was ich mir für das Wochenende ausleihen könnte. Natürlich nur, sofern du nichts dagegen hast.“ flüsterte sie, denn es war spät und die meisten aus der Familie schliefen längst. Anschließend schaute sie nach, was ihre Freundin so trieb, weshalb sie sich erschreckt hat, aber Serafina stand vom Bett auf, warf ihr Handy auf das Kissen und meinte: „Ich habe das passende Outfit für dich. Wie wäre ein Engel wohl angezogen, wenn er auf Partnersuche geht? Vielleicht so?“
Und schon griff sie in den Schrank hinein und holte ein weißes Kleid heraus mit ungemein viel Spitze und einem Hauch Altrosa an der figurbetonenden Stelle. Es sah sexy aus, dezent und trotzdem war alles bedeckt, was sein musste. Das würde an ihr wahrscheinlich gut aussehen. Sofort zog sie ihre Nachtsachen aus und schlüpfte in das Kleidchen hinein. Es saß perfekt. Prüfend schaute sie in den Spiegel und fand, dass dieses Kleid wirklich eine sehr gute Figur machte. Ihre Beine waren bis über das Knie zu sehen, gleichwohl war der Hintern gut verdeckt. Der Ausschnitt hob ihre Brüste an und zeigte aber nicht zu viel davon. Lächelnd blickte sie auf ihr Spiegelbild und war selbst von sich verzaubert.
Serafina tauchte hinter ihr in der Spiegelung auf und sagte leise: „So wie du gerade aussiehst, würde sich jeder in dich verlieben. Garantiert. Mit diesem Glanz in den Augen bist du die Hauptattraktion. Wenn ich da mithalten will, müsste ich mir noch ein paar Löcher in mein Kleid schneiden. Du weißt schon.“ Hastig drehte sich Leslie zu ihrer Freundin um und drückte sie feste an sich. Tränen kullerten aus ihren Augen, denn dies war ein wahrhaft tolles Kompliment gewesen. So etwas Nettes hatte Serafina schon lange nicht mehr gesagt. Wenn diese Aussage doch nur stimmen würde und sie so auch Sams Herz erobern könnte. „Hey, warum weinst du denn?“ fragte Serafina leise nach und Leslie antwortete schluchzend: „Weil es mir gerade sehr gut geht. Ich will mit dir nach London fahren und meinen Spaß haben. Endlich möchte ich einen Mann kennenlernen und mit ihm sehr viel mehr machen, als ich für möglich halte. Ich will die Welt sehen und etwas erleben. Wir werden gemeinsam ein Abenteuer genießen. Ab heute wird alles anders. Ich bin jetzt eine Frau und dies möchte ich auch mit der Welt teilen.“ „So langsam wirst du mir fremd. Wo ist denn die Nonne hin?“ scherzte Serafina und drehte sie beide zu dem Spiegel um. Daraufhin sagte sie zu Leslie: „Da stehen zwei Frauen, denen bald sämtliche Männer zu Füßen liegen werden. Dann kannst du deinen Vibrator in Rente schicken. Und das, obwohl er nicht einmal seinen ersten Arbeitstag hatte. So ein Leben hätte ich auch gerne. Aber abgesehen davon siehst du zwei sehr tolle Frauen, die sich von niemandem mehr etwas verbieten lassen wollen. Und ich bin froh, dass du so langsam deine dunklen Geheimnisse ausplauderst. Irgendwie stehen wir beide uns jetzt noch näher als früher. Mir gefällt, was ich im Spiegel sehe.“
Leslie strahlte nach wie vor, als sie aus Serafinas Zimmer ging. Doch dann verließen sie die Kraft und der Mut. Sobald sie das Kleid zurück in den Schrank gehangen hatte und ihm den Rücken gekehrt, kam die Nonne wieder zum Vorschein. Es heißt ja nicht umsonst, dass Kleider Leute machen. Und kaum hatte sie ihre Schlafklamotten an, war sie erneut das verletzliche kleine Mädchen, was unsterblich in Sam verliebt ist und nicht eine männersuchende, sinnliche Frau. Das konnte nicht gutgehen in London. Ihr Gefühl sagte das eindeutig. Sie würden zwar Männer treffen, die zunächst nett sind und höflich, aber die später das Tier herausließen und nur noch Sex wollten. Und sie war nicht bereit es mit fremden Typen zu machen. Da könnte ihr auch nicht das tolle Kleid helfen. Spätestens wenn sie es bei einem Date auszieht, stünde die verklemmte Nonne vor dem Kerl. Nein, dachte sie, es kann niemals klappen am Wochenende. Stundenlang würden sie nach London fahren, um dort zu feiern. Sie würde Spaß und Interesse vorheucheln, damit Serafina ihre Freude mit Männern hat, um dann wie gehabt frustriert den weiten Weg zurückzufahren.
Das Foto wurde abermals aus der Schublade geholt und Leslie streichelte es sanft wie jedes Mal vor ihrem Schlaf. Sam war das Erste und Letzte am Tag, was sie sehen wollte. Doch da Serafina zu neugierig war, was in der Schublade versteckt war, musste sie das Bild in einem anderen Versteck aufbewahren. Nur wo? Unter der Matratze? Allerdings hatte sie es dann nicht immer so schnell griffbereit, wenn sie ihn wieder anschmachten wollte. Das war überaus ärgerlich. Vielleicht sollte sie sich doch einen Vibrator kaufen und das Foto darunter verstecken. Bloß beides am gleichen Ort aufzubewahren, könnte ihr noch mehr Probleme bereiten, sollte es jemand finden. Mit Tränen in den Augen beugte sie sich unter das Bett und versteckte das Bild zwischen Matratze und Lattenrost. Ihr tat es dermaßen im Herzen weh es so weit wegzulegen, dass sie es genauso gut auch verbrennen könnte. Es kam ihr vor, als würde sie ihre Liebe mit dieser Aktion verraten. Ein Stück ihres Herzens blieb anscheinend mit unter dem Bett, denn es tat weh. Warum nur musste diese Liebe unerwidert und heimlich sein?
Kapitel 3
„Hey Sam, bist du fertig, um Dean für seinen Junggesellenabschied abzuholen? Haben wir auch alles vorbereitet?“ fragte Sean und schaute dabei in Sams Zimmer. Dieser blickte sich im Spiegel an und fand, dass dieser Rollkragenpullover gut an ihm aussah. Ein helles Braun ließ seine Haut nicht zu blass wirken und die blaue Jeans passte hervorragend dazu. Sam drehte sich zu seinem Mitbewohner und Freund um und antwortete: „Ich denke schon, dass alles so abläuft, wie wir es geplant haben. Wir beide gehen mit Dean unter einem Vorwand essen und später schleppen wir ihn in den nächsten Schuppen, wo schließlich die Jungs auf uns warten. Solange er nicht auf der Stelle merkt, was wir vorhaben, sollte alles glattgehen. Ich freue mich, ihn damit zu überraschen.“ Sean grinste und meinte: „Dann lade ich die Ballons also nicht direkt ins Auto.“ Lächelnd zupfte sich Sam noch die Haare zurecht und sagte nichts mehr zu dem Scherz.
