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Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy - Band 1 - Sam

Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy - Band 1 - Sam

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Gut in der Schule, ein liebevolles und behütetes Zuhause und eine tolle Pflegefamilie, konnte Sam über sein Leben berichten. Endlich bekommt er ein Date mit dem Mädchen, von dem er schon lange schwärmt. Doch unmittelbar davor erfährt er, dass er der Sohn zweier Lichtkrieger ist. Eben diesen Helden, von denen er bereits als Kind vorgelesen bekommen hat. Es gibt einen guten Grund, warum er keinen Kontakt zu seinen Eltern haben darf. Doch auf einmal läuft alles aus dem Ruder. Sein Leben geht den Bach herunter. Sam schmiedet den Plan, die Lichtkrieger zu finden. Gerade in einem neuen Job in einem schlimmen Viertel, begegnet er einem Mann, der mit Ratten spricht. Ist es sein Vater?

📖 Leseprobe
Kapitel 1 18 Jahre später „Sam, würdest du mir bitte kurz helfen? Ich komme oben an den Schrank nicht so richtig heran. Mein Bauch ist mir doch schon ziemlich im Weg. Außerdem sollte ich mich nicht mehr so sehr anstrengen.“ hörte der junge Mann seine Ziehmutter Ronja fragen. Sie war bereits im achten Monat schwanger und Sam war selbst tierisch aufgeregt. Immerhin hatte er so eine Schwangerschaft nie miterlebt. Die Kinder, die außer ihm noch bei Ronja und Bob lebten, waren nicht seine Geschwister. Daher konnte er zwar mit den Kleinen umgehen, aber trotzdem wusste er nicht, wie er Ronja am besten behandeln sollte, damit er ihr helfen konnte. Hastig stürmte er zu ihr in die Küche und fragte: „Was kann ich dir denn vom Schrank holen? Was brauchst du?“ Sie lächelte ihn an und er bemerkte so einen seltsamen Glanz in ihren blauen Augen, als sie antwortete: „Bitte einmal die Keksdose runterholen. Ich werde heute noch was backen. Die Kleinen wollen wieder mal etwas zum Naschen haben.“ Sam streckte seinen Arm aus und er musste sich nicht einmal großartig dafür größer machen. Danach stellte er die Dose auf den Küchentresen und fragte ein bisschen kleinlaut: „Solltest du nicht mal langsam ein wenig ruhiger machen?“ Scheinbar verwirrt schaute sie ihn an und fragte: „Wieso glaubst du, dass ich das sollte? Ich bin schwanger und nicht krank. Außerdem kann mir nichts passieren.“ Sam dachte, dass sie nach dem letzten Satz irgendwie so aussah, als hätte sie sich verplappert. Doch er vergaß dieses seltsame Gefühl, als sie erklärte: „Der Arzt hat gesagt, dass es mir gutgeht und ich noch leichte Sachen machen kann. Ein paar Kekse mit den Kindern zu backen, wird schon nicht zu anstrengend sein. Außerdem kennst du doch die fleißigen Hände der Mädchen. Und die anderen Jungs lieben es auch, im Teig zu matschen. Es ist immer wieder toll für mich und sie haben ihren Spaß und können nachher naschen. Aber danke Sam, dass du dir Sorgen machst. Ich weiß es zu schätzen und ich bin so stolz auf dich, dass du so ein liebevoller Mann geworden bist. Ohne dich hätte ich auch nicht so gut auf die anderen Kinder aufpassen können. Du bist und warst mir immer eine große Hilfe. Ich habe dich lieb Sam.“ „Ich habe dich auch lieb Ronja. Aber du sagst mir auf jeden Fall immer, sobald du meine Hilfe brauchst. Ich würde es mir nicht verzeihen, wenn dir etwas passiert, was ich hätte verhindern können.“ meinte Sam und sah dabei wieder dieses Funkeln in ihren Augen. Schnell blinzelte sie aufkommende Tränen weg und sagte leise: „Ich habe ja auch noch Bob, der mir bei vielen Sachen helfen kann. Und glaube mir, dass er genauso um mich besorgt ist, wie du. Ihr seid halt meine beiden richtigen Männer im Haus. Und nun geh zurück an deinen Schreibtisch und steck die Nase in deine Aufgaben. Ich rufe dich, wenn ich was brauche.“ Als Sam auf dem Weg in sein Zimmer war, wurde er fast von den beiden achtjährigen blonden Mädchen umgerannt, die zehn Jahre nach ihm in dieses Haus gekommen waren. Leslie und Serafina hatten lange blonde Haare, jedoch waren Leslies Augen grün und Serafinas blau. Er konnte es kaum glauben, dass sie beide vom Aussehen her sehr ähnlich waren, aber vom Charakter so unterschiedlich. Leslie war eher verträumt und schüchtern, trotzdem auch loyal ihrer Freundin gegenüber. Somit deckte sie meistens die Lügen von Serafina, die zwar aussah wie ein Engel, aber wohl eher den Teufel selbst in sich stecken hatte. Sam lächelte, als die beiden Mädchen in die Küche stürmten, um Ronja beim Backen zu helfen. Direkt dahinter kam Sean, dessen rotblonde Haare in Verbindung mit den großen, dunkelbraunen Augen, ihn eher an eine Figur aus einem Manga erinnerten, als an jemanden, der tatsächlich so aussah. Dieser Wirbelwind war gerade mal zehn Jahre alt und Sam erinnerte sich noch an den Tag, an dem er ankam. Ein winziges Bündel, was er selbst als Achtjähriger auf dem Arm halten konnte. Er war damals richtig stolz, endlich eine Art Bruder bei sich im Haus zu haben. Auch Sean wollte beim Backen helfen. Dies ließ er sich nicht nehmen. Sam erreichte sein Zimmer und wollte in dem Moment an seinen Schreibtisch gehen, da sah er aus seinem Augenwinkel das jüngste Mitglied der kleinen Familie sitzen. Nicholas mit seinen winzig braunen Locken sah ihn mit seinen großen, blauen Augen an und grinste schüchtern. Sam wunderte sich, dass der Kleine diesmal nicht seinen Daumen im Mund hatte. Aber mit seinen drei Jahren war er wohl gerade dabei, es sich abzugewöhnen. „Kannst du mir bitte eine Geschichte vorlesen?“ bat Nicholas. Sam setzte sich zu ihm auf das Bett und fragte: „Warum willst du nicht mit den anderen Kekse backen?“ „Keine Lust. Die Kekse bekomme ich doch trotzdem. Ich will lieber von dir vorgelesen bekommen.“ meinte der kleine Kerl neben Sam, der am liebsten über diese Bemerkung laut losgelacht hätte. Er war schon ein kleines Schlitzohr, dachte er und schaute auf das Buch, was der Zwerg mitgebracht hatte. Es war ein Kinderbuch über die Lichtkrieger von der Autorin Viktoria Wilkes. Sam selbst liebte diese Bücher, aber dieses war das Erste, was er damals in den Händen halten konnte. Schließlich nahm er es Nicholas aus der Hand und sagte: „Allerdings nur die erste Geschichte. Ich muss gleich noch weiter an meine Arbeit gehen. Ansonsten würde ich auch lieber Kekse backen wollen. Nur wegen dir mache ich eine Ausnahme. Aber es wird nicht Ronja verraten, dass du dich vor dem Backen drückst und ich mich vor der Arbeit. Abgemacht?“ Nicholas blaue Augen leuchteten freudig auf und er nickte eifrig, bevor er sich an Sams Hüfte lehnte und doch wieder anfing, am Daumen zu lutschen. Sam öffnete das Buch und las daraus vor: „Vor langer Zeit lebten an einem Steinkreis vierzehn große Krieger des Lichts. Sieben von ihnen hatten ihre besonderen Kräfte nur im Sonnenlicht, die anderen sieben nur in der Nacht. Da gab es den Schwertkämpfer Maliwilth, der ein großes Schwert aus Licht zaubern konnte. Mit diesem konnte er mächtig angeben und allen zeigen, was er so kann. Die meisten Leute staunten und wollten auch so ein Schwert haben. Seine Frau Vegomentorgia besaß die Kraft, sich in andere Frauen zu verwandeln. Gemeinsam lebten sie in einer kleinen Hütte am Rande eines Waldes. Ihre direkten Nachbarn und engste Freunde waren Daleinth der Bestienreiter, der mit Tieren sprechen konnte und Talesia, die mit Elfen und Zwergen sprach. Ein wenig weiter von ihnen entfernt, lebte Drawolleiseth, der die Fähigkeit besaß zu zaubern, und seine Naletia, die Banne brechen und ein Kraftfeld erzeugen konnte, was sie auch oft genug gebrauchten. Zum Beispiel, um sich vor einem Schneesturm zu schützen. Ihr Zwillingsbruder Naynoth konnte unter Wasser atmen. Liebe Kinder, versucht es nicht nachzumachen, denn dies kann wirklich nur er. Seine Frau Princevenetia war in der Lage, Geister zu rufen. Diese waren freundlich zu den Kriegern und keiner musste Angst vor ihnen haben, denn sie halfen ihnen und blieben nett. Die jüngsten waren Naxaderleth, der Schatten zum Leben erwecken konnte und seine Frau Sterchphoria, die weit in die Ferne sehen und hören konnte. Sein bester Freund war Speneth, genannt der Narr oder auch Mondmagier, denn er konnte den Mond verschwinden lassen, wenn er es wollte. Die Kraft der Sonne hingegen vermochte seine Frau Aliebalsia zu nutzen, denn sie sammelte das Licht in ihrer Flöte und konnte damit in der Nacht den Freunden den Weg leuchten. Und etwas weiter von den anderen entfernt, gab es noch Warrdaloonth den Spurensucher, der alles finden konnte und der vieles wusste. Seine Frau Nanjia konnte in die Vergangenheit und die Zukunft schauen. Diese beiden waren die Ältesten unter den Kriegern, obwohl sie mitten im Leben standen. Und dann gab es auch noch die enge Freundschaft zwischen den Kriegern. Und welche Abenteuer sie alle zusammen erlebten, davon will ich in der nächsten Geschichte erzählen.“ Nicholas nahm den Daumen aus dem Mund und fragte: „Was ist Vergangenheit und Zukunft? Und ein Kraftfeld?“ Sam überlegte einen kurzen Moment und antwortete: „Vergangenheit ist zum Beispiel das, was gestern war oder davor. Alles was du erlebt hast, als du noch kleiner warst. Und auch als ich dir eben vorgelesen habe, das ist schon passiert und gehört somit zur Vergangenheit. Zukunft ist das, was morgen ist oder danach die Zeit. Zukunft ist auch, wenn du nachher Kekse essen wirst. Und sobald du den Keks gerade isst, dann ist es Gegenwart und passiert jetzt. Und sowie der Keks in deinem Bauch verschwunden ist, dann ist es Vergangenheit, dass du den Keks gegessen hast.“ Dabei zeigte Sam auf den kleinen Bauch von Nicholas, der bei dieser Geste lachen musste. Und schließlich erklärte er weiter: „Und ein Kraftfeld ist ..., nun ja, es ist etwas schwieriger zu erklären. Stell dir einen durchsichtigen Wackelpudding vor. Wir haben da doch auch mal ein Stück Schokolade reingedrückt. Du konntest das Stück in dem Pudding sehen, aber nicht direkt herankommen. Oder wenn du in einer Kiste aus Glas sitzen würdest. Man kann dich sehen, doch nicht anfassen. Du bist also geschützt um dich herum. Und Naletia konnte es so machen, dass sie einfach einen Zauber wirkte, und schon war eine Schicht harte Luft, so nenne ich das jetzt mal, um sie herum, dass sie in Sicherheit war. Hast du das nun verstanden?“ Nicholas nickte und fragte leise: „Kann ich mir auch so einen Wackelpudding um mich zaubern?“ Sam lachte ein wenig und antwortete: „Das können nur die Lichtkrieger, aber nicht wir. Die haben nicht umsonst ihre Kräfte bekommen, sondern sie müssen für das Gute in der Welt kämpfen. Dafür sind sie da und genau für diesen Zweck brauchen sie ihre Kräfte. Allerdings wirst du das verstehen, wenn du noch etwas älter geworden bist. Und nun geh zu den anderen und bringe mir einen Keks mit, sobald sie fertig sind.“ Dabei zwinkerte Sam dem kleinen Kerl neben sich zu, der grinsend das Buch wieder in die Hand nahm, vom Bett herunterrutschte und dann aus dem Zimmer verschwand. Lächelnd setzte sich Sam an seinen Schreibtisch und nahm eines der Bücher zur Hand, welches er durchlesen musste. Der Schulkram erledigte sich leider nicht durch einen Zauber. Plötzlich hörte er Schritte im Raum und seine Augen wurden von hinten zugehalten. Er grinste und fragte: „Bob? Sean? Nicholas?“ Natürlich wusste er die Antwort, aber er spielte gerne das Spiel mit und freute sich, wenn seine kleine Freundin Spaß daran hatte. Die Hände gaben seine Sicht wieder frei und er drehte sich mit seinem Stuhl zu dem blonden Mädchen mit den grünen Augen um. Leslie lächelte ihn an und hob vom Boden eine Tasse auf, in der ein Löffel steckte. Vorsichtig holte sie ihn heraus und hielt ihm diesen vor den Mund. „Probiere mal bitte, ob der Teig genauso schmeckt, wie du es gerne magst.“ Sam leckte das süße Zeug ab und antwortete: „Er ist perfekt. Ich hoffe, dass du ihn alleine gemacht hast.“ „Natürlich. Ronja ist stolz auf mich. Serafina ärgerte es, dass ich mal in etwas besser bin als sie, aber ich wollte den Teig so hinbekommen, dass er dir gefällt. Du arbeitest sehr viel in letzter Zeit. Daher wollte ich dir eine Freude machen.“ erklärte Leslie und ihre grünen Augen funkelten dabei. Sam wusste, dass sie ihn überall als ihren großen Bruder vorgestellt hat. Er war es zwar nicht, trotzdem war Leslie ziemlich froh darüber, dass er ihr notfalls helfen konnte. Und dies machte ihn glücklich. „Du wirst bestimmt mal eine gute Köchin werden. Oder aber du bekommst deine eigene Keksfabrik.“ lobte Sam sie, denn er wollte, dass sie aus ihrem Leben etwas Gutes machen sollte. Doch Leslie strahlte ihn übers ganz Gesicht an und meinte: „Versprich mir nur, dass du mich eines Tages heiraten wirst.“ Da musste Sam plötzlich husten und fragte: „Was?“ „Wenn wir verheiratet sind, dann werde ich dir jeden Tag Kekse backen.“ erklärte das kleine Mädchen, als ob es das normalste auf der Welt wäre. Sam stand von seinem Stuhl auf, legte seine Hand auf ihren Kopf und sagte in ruhigem Ton: „Weißt du, ich fühle mich geehrt, aber erstens werde ich kaum jeden Tag Kekse essen wollen. Zweitens solltest du noch einige Jahre älter werden, um solch eine Entscheidung treffen zu können. Und drittens kannst du mir auch als meine kleine Schwester Kekse backen. Dafür müssen wir nicht verheiratet sein. Und ich verspreche dir, dass ich deine Kekse immer essen werde.“ „Na gut, dann heiraten wir eben nicht. Aber ich mag dich trotzdem.“ meinte sie und wollte wieder gehen, als er sie an der Hand festhielt und sagte: „Ich mag dich doch auch. Du bist mir die Liebste. Aber ich muss nun weiterarbeiten.“ Sie lächelte verzückt und ging zurück in die Küche. Seufzend überlegte Sam, ob er in diesem Haus auch irgendwann etwas mehr Zeit bekommen sollte, um wirklich mal den Stoff für die Schule zu schaffen. Irgendwie wurde ihm alles zu viel. Ronja war schwanger, Bob arbeitete den ganzen Tag und war erst am Abend eine Hilfe bei den vielen Kindern. Und dann noch die vier Kinder selbst, die er zwar alle liebte, aber ihm unter anderem ziemlich die Zeit rauben konnten. Manchmal auch die Nerven. Dazu musste er ebenfalls zusehen, dass er gute Noten bekam und sich somit auf das zukünftige Leben vorbereiten konnte. Ein nächster Versuch begann, sich endlich mal auf das Buch zu konzentrieren, was er für die Schule lesen musste, als Sams Blick auf die seltsame Tätowierung fiel, die er am Arm hatte. Sie war zwar winzig und überhaupt nicht auffällig, aber er hatte dies schon, seit er denken konnte. Wahrscheinlich wurde sie ihm gemacht, als er noch sehr klein war. Dann dachte er daran, dass die anderen Kinder auch eine ähnliche Kennzeichnung hatten. Zwar sahen die Zeichen anders aus, aber sie waren ebenso unauffällig vorhanden, wie sein eigenes. Nur konnte er sich keinen Reim darauf machen, wozu diese Zeichen dienen sollten und ob Ronja diese hat machen lassen. Doch warum nur? Und was bedeuteten sie? Ronja selbst hatte ihm nie auf diese Frage eine Antwort gegeben. Auch Bob hüllte sich in Schweigen. Vielleicht war das ein Code von einem Kinderheim oder so. Eine Art Kennzahl von jemandem. Eine Verschlüsselung, die nur von einem gelesen werden kann, der weiß, wie es zu lesen ist. Augenblicklich wollte er sich wieder auf die Zeilen vor sich konzentrieren, da hörte er aus der Küche ein schepperndes Geräusch, gefolgt von einem entsetzten Schrei und Ronjas erschrockener Stimme: „Nicholas, was hast du gemacht? Jetzt ist der ganze Teig auf dem Boden.“ Sofort sprang Sam von seinem Stuhl auf und lief in die Küche. Ronja wollte sich gerade nach den Überresten auf dem Boden bücken, da sagte er hastig: „Ich werde das machen. Setz du dich hin und erhole dich von dem Schreck. Und Serafina, Leslie, Sean und Nicholas, ihr geht erst einmal ab in eure Zimmer. Hier könnten noch Scherben sein, an denen ihr euch verletzen könnt.“ Die beiden Mädchen hörten sofort auf ihn und zogen Sean mit sich fort. Nicholas blieb noch einen kleinen Moment länger stehen und sagte beschämt: „Es tut mir leid. Ich kann helfen. Mir passiert schon nichts. Ich habe Pudding um mich herum.“ Da musste Sam lachen, schnappte sich den kleinen Kerl und trug ihn aus der Küche, während er sagte: „Ich habe es dir doch erklärt, das kann nur Naletia. Geh in deinem Zimmer spielen. Sobald ich fertig bin, werde ich dich rufen. Versprochen.“ Kapitel 2 Ronja saß in der Küche und schaute Sam an, wie er die Scherben vom Boden aufsammelte und den Teig wegwischte. Sie war ziemlich gerührt über seine Hilfe. Dieser junge Mann sah seinem Vater so ähnlich. Die markanten Gesichtszüge und die Körperstatur erinnerten sie wirklich sehr an Daniel. Die Augen und den Blick hatte er aber eindeutig von der Mutter. Obwohl beide Elternteile blaue Augen haben, so glichen sie bei der Form eher Tiffanys. Die Haare haben beide an ihren Jungen weitergegeben. Das Braune von dem Vater und das blonde Haar von der Mutter waren jeweils vertreten. Und ein winziger Flaum an Bart zierte schon Sams Kinn. Ronja dachte daran, was man ihr über Daniel erzählt hatte, dass er vor Tiffany immerzu verärgert gewesen war und zornig, wovon man aber später nichts mehr merkte. Danach war er ein gefühlvoller und ruhiger Mann, und dies sah sie nun auch in seinem Sohn. Immerzu liebevoll und hilfsbereit. Am liebsten wäre sie zu Daniel und Tiffany gegangen und hätte ihnen alles über Sam erzählt oder wenigstens Fotos geschickt. Aber die neuen Regeln sprachen leider dagegen. Ronja fühlte sich traurig, dass sie diese tollen Erfahrungen mit den Kindern nur noch mit Bob teilen konnte. Das war immerhin etwas, jedoch wollte sie es in die Welt hinausschreien, dass die Kinder der Lichtkrieger einmalig toll sind. Tränen sammelten sich in ihren Augen, als sie voller Stolz auf Sam schaute, der gerade fertig war, die Sauerei von Nicholas und dem Teig verschwinden zu lassen. Sam sah sie direkt an und fragte: „Was ist mit dir los? Sitzt der Schreck so tief, hast du Schmerzen oder war das deine Lieblingsschüssel?“ Schnell wischte sie sich übers Gesicht und antwortete leise: „Ach, das sind diese verdammten Hormone. In der Schwangerschaft haben viele Frauen manchmal solche Gefühlsausbrüche und wissen nicht einmal woher. Es kommt einfach und geht auch wieder. Es bedeutet nichts. Danke dir, dass du mir geholfen hast.“ Der junge Mann stellte sich vor sie, drückte Ronja zunächst an sich und murmelte leise: „Keine Ursache. Aber so langsam sollte ich mal etwas mehr Ruhe haben. Das Gleiche gilt außerdem für dich.“ „Ach ja, du musst ja noch lernen. Es tut mir leid, dass ich dich zudem belasten muss. Ich hätte ja nicht damit gerechnet, dass ich schwanger werde, solange nach wie vor so viele Kinder im Haus sind.“ sagte sie, ohne nachzudenken. Dabei überlegte sie, dass ihre zwanzig Jahre noch nicht um waren, in denen sie nur einmal schwanger werden konnte. Vielleicht waren es auch mehrere Jahre gewesen. Niemand konnte das so genau sagen. Fakt war, dass die Kriegerinnen nicht so oft Kinder kriegen konnten, wie es bei normalen Frauen der Fall war. Das lag an der Unsterblichkeit. Sam riss sie aus den Gedanken, indem er fragte: „Wie meinst du das? Du wolltest mit der Schwangerschaft warten, bis wir alle das Haus verlassen haben, weil wir dann aus dem Gröbsten raus sind? Wie lange wolltest du denn damit warten? Du wirst ja auch nicht jünger und das Risiko steigt.“ Verdammt, dachte sie, hatte sie das wirklich so gesagt? Daraufhin erklärte sie: „Nun ja, wir haben es schon so lange probiert, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass es überhaupt klappt.“ Mit dieser Erklärung sollte er sich erst einmal zufriedengeben. Zum Glück war er nicht mit ihrem Vater verwand, denn Ronald hätte es direkt gesehen, dass sie ihn anlog. Doch sehr viel länger konnte sie es nicht durchziehen, denn sie sah immer noch aus, wie etwas zwischen zwanzig und dreißig Jahren. Dies würde auch irgendwann Sam mal merken. Und das, ohne das Superhirn von Ronald zu besitzen. Jemand müsste schon verdammt doof sein, der nicht merken würde, dass etwas nicht mit ihnen stimmte. „Willst du auch noch einen Tee?“ wollte Sam von ihr wissen und füllte Wasser in die Maschine. Ronja nickte und fragte sich, wie sie dem Jungen alles erklären konnte. War jetzt schon die Zeit gekommen? Während das Wasser anfing zu kochen, erzählte Sam: „Vorhin hat Leslie gesagt, dass sie mich heiraten will, damit sie mir immer Kekse backen kann. Das war lustig gewesen. Sie ist echt niedlich. Ich habe es ihr ausgeredet. Sie weiß ja nicht einmal richtig, wovon sie da spricht.“ Da wurde Ronja hellhörig und fragte: „Hast du denn schon eine Freundin, von der ich nichts weiß?“ Sam lächelte und antwortete: „Nein, die habe ich noch nicht. Aber es gibt da so ein paar Mädchen, die ich toll finde. Eine von ihnen ist immer nett zu mir. Ich denke, ich werde sie mal zu einem Eis einladen oder so.“ Ronja musste schmunzeln. Der erste Kontakt mit anderen Mädchen. Und schon wieder wollte sie Daniel und Tiffany anrufen und alles verraten. Sie hatte das Gefühl zu platzen. Das Schlimmste an Geheimnissen ist, dass sie nicht mit anderen geteilt werden dürfen. Später am Nachmittag schaute Ronja auf die Uhr. Pünktlich ging die Türe auf und Bob kam mit seinem unwiderstehlichen Lächeln herein. Verspielt zog er bei seinem Grinsen eine Augenbraue hoch und fragte: „Wie geht es denn meiner süßen Frau heute? Sind die Kinder noch wach?“ Ronjas Herz machte einen Sprung. Bob sah immer wieder zum Anbeißen aus. Dieses blonde, kurze Haar, dazu der Dreitagebart und die blauen Augen. Sein durchtrainierter Körper war zudem die Krönung seiner Anziehungskraft auf sie. Genau solch einen Mann wollte sie immer haben. Ein Krieger, obwohl er keiner war. Sie ging auf ihn zu, beugte ihren Körper so hin, dass sie ihm einen Kuss geben konnte, ohne ihn mit ihrem dicken Bauch von sich wegzuschieben, bevor sie antwortete: „Die Kinder sind noch wach. Nicholas wollte dich unbedingt sehen, ehe er ins Bett geht. Er hat dir etwas zu sagen.“ „Ist das so? Was kann denn der Kleine zu sagen haben?“ wollte Bob wissen und grinste wieder dabei. Ronja ergriff seine Hand und zog ihn mit in das Zimmer von Nicholas. Dieser kleine Lockenkopf saß auf seinem Bett und schaute sich die Bilder der Lichtkrieger an, die in den Kinderbüchern enthalten waren. Ronja fand, dass die doch tatsächlich von der Realität abwichen, aber sie sollten ja nicht direkt erkannt werden. Zumal auch zwei von den Männern Models gewesen waren. Als Nicholas Bob erblickte, riss er seine kleinen Arme nach oben und sagte: „Bob, ich habe Mist gebaut. Kannst du morgen mit mir einen Strauß Blumen pflücken gehen für Ronja? Ich habe den Teig auf den Boden geworfen. Sie war traurig darüber. Kannst du mir helfen, Bob? Bitte!“ Bei diesem Anblick und der rührenden Geste von ihrem Schützling machte ihr Herz einen kurzen Aussetzer. Bob schaute sie flüchtig an, zwinkerte ihr zu und meinte: „In Ordnung. Ich werde den größten Strauß mit dir pflücken, den sie jemals gesehen hat. Und weißt du, was noch viel besser wäre?“ Nicholas schüttelte den Kopf und Bob erzählte weiter: „Wenn du ihr ein Bild davon malst, wie wir beide Blumen pflücken. Damit wird sie immer daran erinnert, auch wenn die Blumen längst verwelkt sind. Was sagst du dazu?“ „Au ja, das ist eine super Idee. Dann wird Ronja nicht mehr böse auf mich sein.“ sagte der Kleine, doch Bob drücke ihn feste an seine Brust und meinte leise: „Ronja war dir nie böse. Sie hat sich nur erschreckt. Das ist alles. Sie hat dich doch lieb. Genauso, wie ich auch.“ Und schon wieder drängte sich eine Träne aus ihren Augen. Diese Hormone waren echt das Letzte.
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