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Jeanny O'Malley

Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy 2 Die dritte Generation - Band 6 Gefangene der Finsternis

Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy 2 Die dritte Generation - Band 6 Gefangene der Finsternis

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Wir schreiben Ihre Widmung handschriftlich ins Buch.

Charleen soll laut einer Weissagung ihres Onkels den Vollmondmörder finden und somit die Mordserie beenden. Doch sie sieht so aus, wie ein potentielles Opfer. Die Lichtkrieger sind in Sorge. Zudem könnte es immer noch ihr bester Freund sein, der im Arrest sitzt. Der letzte Vollmond bricht an und es wird ein Wettlauf gegen die Zeit. Wird sie den nächsten Mord verhindern können? Werden die Lichtkrieger wieder zu einer Einheit zusammenwachsen?

📖 Leseprobe
Prolog Nur noch ein paar Monate bis zu seinem Ruhestand. David Harris saß an seinem Schreibtisch und trug die Untersuchungsergebnisse eines toten Mannes in das Formular ein. Zuerst handschriftlich und nachher noch in den Computer. So langsam ging es ihm wieder gut. Ein Verdächtiger für die Vollmondmorde wurde festgenommen. Allerdings handelte es sich um Sullivan. Den adoptierten Enkel von Ronald Crawford. Dies war die weniger gute Nachricht. Die noch schlechtere kam von Benjamin selbst, da er ihm mitgeteilt hatte, dass er sterben würde. Das war verdammt übel, denn er konnte dem jungen Mann nicht helfen, der eigentlich noch so viel Zeit vor sich haben sollte. Mit Tränen in den Augen legte David den Kugelschreiber aus der Hand und musste sich zunächst sammeln. Diese Sache ging ihm näher, als er es für möglich gehalten hatte. Was sagte eigentlich Ronald dazu, dass sein Enkel nun im Gefängnis saß und der Hauptverdächtige war? Leider durfte er aufgrund der Umstände keinen Kontakt mehr zu ihm haben. Und trotzdem hatte er ihn angerufen, um sich nach Benjamin zu erkundigen, ob er krank wäre. Doch damit hatte er seinen Freund ebenso überrascht. Na toll. Der mutmaßliche Vollmondmörder saß in Untersuchungshaft und er fühlte sich dadurch nicht einmal besser. Konnte es wirklich Sullivan gewesen sein? Ergab das einen Sinn? Seine Gedanken kreisten immer wieder um Ronald herum. Sein Sohn Benjamin hatte eine Stalkerin. Sie war das vorletzte Opfer. Bei dem letzten Todesfall wurde sogar seine Visitenkarte gefunden. Charleen, die Enkelin von Ronald, hatte die tote Stalkerin gefunden und sein adoptierter Enkel Sullivan hatte massig Beweise bei dem letzten Opfer hinterlassen. Es passte irgendwie nicht zusammen, dass so etwas passierte. Die Kinder müssten von Ronald gelernt haben und seinen logischen Verstand geerbt. Es würde doch niemand so viele Beweise zurücklassen. So etwas könnte wohl nur einem Anfänger passieren. Vielmehr im Affekt, allerdings nicht bei einem geplanten Mord. Schon gar nicht, wenn die elf Opfer davor, komplett ohne Spuren zu hinterlassen, getötet worden sind. Warum denn bei dem Zwölften damit anfangen? Mit einem Glas Wasser schluckte David eine Kopfschmerztablette herunter. Irgendwas stimmte an dieser Sache ganz und gar nicht. Die Lösung schien greifbar. Offenbar hatte Ronald Feinde. Womöglich nur einen, der sich an ihm rächen wollte und daher seine Familie mit in den Dreck zog. Das musste es sein. Plötzlich wurde die Türe geöffnet und David sah Inspektor Anderson hereinkommen, der einen Kaffeebecher in der Hand hielt und direkt fragte: „Was ist die Todesursache dieses Mannes?“ Der Rechtsmediziner erhob sich, deutete auf den Körper unter einem Tuch und sagte: „Bevor er fast bis zur Unkenntlichkeit verbrannt wurde, ist dieser Mann stranguliert worden. Male sind an seinem Hals kaum noch erkennbar, aber ich habe keine Rauchvergiftung bei ihm feststellen können. Es war weder im Blut zu finden, noch hatte er Rußpartikel in der Nase. Die Luftröhre ist aber eingedrückt gewesen und daher war er bereits tot, bevor das Feuer ausgebrochen ist.“ „Verdammt. Also muss ich Zeugen finden, die vor der Feuerwehr etwas gesehen haben können. Ich hasse meinen Job so langsam. Bei dem Vollmondmörder haben wir auch nichts gefunden. Kein einziger Beweis liegt uns vor. Ich weiß gar nicht, warum ich noch an die Gerechtigkeit glaube.“ erwähnte der Inspektor, woraufhin David ihn fragend anschaute. „Was ist? Gibt es noch etwas?“ hakte Anderson nach und trank einen Schluck Kaffee aus dem Becher. Der Rechtmediziner fragte: „Also gibt es keinen Hinweis mehr darauf, dass Benjamin was damit zu tun haben könnte oder Sullivan?“ „Wer? Benjamin hatte nur einen weiblichen Fan, was die Visitenkarte erklären könnte. Kein Mörder hinterlässt auf diese Weise eine Anschrift und Namen. Und wer soll dieser Sullivan sein?“ drang aus dem Mund des Inspektors, bevor er darin den Kaffee laufen ließ. Verwirrt starrte David ihn an und erklärte: „Na Sullivan. Der Enkel von Ronald Crawford. Er sitzt doch in Untersuchungshaft.“ „Wir haben dort keinen Sullivan. Um genau zu sein, sitzt da gerade keiner mehr. Haben sie das nicht mitbekommen? Es hat da gespukt. Schatten sind lebendig geworden und eine Geistererscheinung saß in dieser Zelle. Ein Wachmann wurde von seinem Kollegen erschossen, weil dieser eigentlich den Geist treffen wollte. Die Kameras zeigen das eindeutig. Sofern ich das nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich die Kollegen als verrückt bezeichnen.“ In dem Moment war David mehr als überrascht. Wieso war der Inspektor der Meinung, dass es spukte, und kannte Sullivan gar nicht? War er angesichts der letzten Mordfälle ein wenig überarbeitet oder war er es selbst, dass er dies alles nur geträumt hatte, weil er selbst aufgrund der Freundschaft zu involviert war? Kapitel 1 In der Nacht lag Charleen wach. Hatte sie das richtig verstanden, dass sie diejenige sein wird, die es mit dem Serienkiller aufnimmt? Laut Benjamins Vision stimmte das. Allerdings würde er ihn vorher am Tage selbst sehen. Zumindest ihm begegnen. Leider hatte er ihr nicht mitteilen können, wer es war, denn es könnte immer noch Sullivan der Täter sein, obwohl sie eindeutig gesehen hatte, dass bei der letzten Frau zwei Locken abgeschnitten wurden und bei ihm nur eine gefunden. Was stimmte denn nicht daran? Aber Benjamin bestand darauf, dass sie die Artefakte und somit die Fähigkeiten ihrer Großeltern nutzen sollte. Womöglich würde es ihr in dieser Nacht gelingen, dass sie etwas Brauchbares findet, denn nach der Vision seines Onkels würde es ein weiteres Opfer geben, bevor dann die Morde aufhören. Für sie stand fest, dass sie noch einmal trainieren müsste, sich gegen ein Messer zu wehren. Immerhin sah sie aus wie die Frauen, für die bereits jede Hilfe zu spät kam. Mit ihr würde er die falsche Person wählen. Und wenn es doch Sullivan wäre? Nein, daran wollte sie nicht denken. Er war es nicht. Ganz sicher nicht. Es blieb nicht mehr so viel Zeit bis zum nächsten Vollmond und danach wäre bewiesen, wie der Serienkiller ihren Liebsten da mit hineinziehen konnte. Sullivan hatte recht mit seiner Aussage. Sofern er wegen ihr so mies drauf gewesen ist, dass er Frauen töten wollte, die ihr ähnelten, warum sollte er dann bis Vollmond warten? Zudem brachte ihm das nichts, um ihr Herz zu gewinnen. Daher alles vollkommen an den Haaren herbeigezogen. Am nächsten Morgen ging Charleen ohne Frühstück zu ihrem Bruder ins Arbeitszimmer. Zunächst anklopfen, drei Sekunden warten und schließlich hatte sie die Türe aufgerissen und bat direkt: „Guten Morgen Jonathan. Du hast doch bestimmt die originalen Daten auf deinem Computer, bevor du sie bei der Polizei manipuliert hast. Könntest du sie mir noch einmal zeigen?“ Er sah sie an und antwortete: „Natürlich habe ich die. Doch ich verstehe nicht, was du damit anfangen willst.“ „Ich bin laut unserem Onkel die Person, die den Serienkiller findet. Soll ich mich etwa nach seiner Aussage auf mein Glück verlassen und in London spazieren gehen, um ihm rein zufällig in die Arme zu laufen? Wohl kaum. Bevor Benjamin das gesagt hat, wollte ich handfeste Beweise finden. So wie das mit der zweiten Locke. Daher werden eher meine Nachforschungen mir dabei helfen die Wahrheit herauszufinden. Genau das bezwecke ich damit. Wir dürfen die Zukunft nicht verändern. Hätte er es nicht gesagt, wäre es auf diesem Wege geschehen und nicht anders.“ „Das macht Sinn. Also gut. Setze dich an den dritten Computer, denn der zweite ist mit anderen Dingen beschäftigt. Ich übertrage dir gleich die Daten dorthin.“ meinte er und öffnete ein Programm. Es dauerte bestimmt drei Stunden, somit bis zum Mittagessen, bevor sich Charleen durch den Untersuchungsbericht des Rechtsmediziners gewühlt hatte. Sie musste so viele Wörter und Abkürzungen nachschlagen. Zudem bei den Werten wissen, was der Norm entspricht und was das heißt. Sie fand Sullivans seltene Blutgruppe in den Unterlagen. Ansonsten las sie genau das daraus, was sie schon vorher gehört und gesehen hatte. Schneller Stich mit einer scharfen Klinge ins Herz. Wie bei den anderen Opfern. Doch dieses Mal war die Frau, im Gegensatz zu den vorherigen, mit Kabelbindern an den Zaun gefesselt und ihre Augen mit ihrem eigenen BH verbunden. Das war das einzig Neue zu den Opfern davor. Die Frau hatte keine Prellungen oder sonstige Wunden. Sex hatte sie auch nicht gehabt, dennoch war sie bereit gewesen es zu tun. Charleen schloss die Augen und stellte sich die Szene vor, wie Sullivan diese Frau verführen wollte und sie schließlich getötet hat. Julia hatte ihr haarklein erzählt, was sie in seinem Hirn sah. Tränen stiegen bei ihr auf und sie versuchte sich zu konzentrieren, um möglichst bald eine Spur zu entdecken. Der Bericht des Rechtsmediziners brachte sie nicht weiter. Außer Sullivans Spuren war nichts an der Leiche zu finden gewesen. Daher sollte sie sich die Berichte von diesem Inspektor Anderson vornehmen. Die Spurensicherung muss doch auch etwas entdeckt haben, überlegte sie. Beim besten Willen musste es tatsächlich mehr gegeben haben. Ansonsten würden die Cops ihre Arbeit nicht sorgfältig genug machen. Es konnte doch unmöglich sein, dass sie sich nur mit dem Messer am Tatort zufriedengaben. Sie seufzte und sagte zu ihrem Bruder: „Ich glaube, die Ermittler waren schlichtweg schlampig. Einer hat bestimmt die Leiche gesehen und gesagt, dass daneben ein Messer liegt. So nach dem Motto: Seht her, dies ist bestimmt die Tatwaffe und ja, es sind Fingerabdrücke darauf. Wir brauchen nicht weiter nach Beweisen zu suchen. Es klebt ihr Blut dran und jetzt können wir Feierabend machen.“ Jonathan lachte auf einmal und meinte: „Das könnte gut möglich sein. Alles andere haben sie bei Sullivan im Zimmer gefunden. Und er war durch seine Akte bei der Polizei schnell gefunden. Aber du hast recht. Sie haben bestimmt nicht weiter nach anderen Spuren gesucht.“ Schnaufend motzte sie: „Die sind doch bescheuert. Ich meine, sofern da ein zweiter Mann gewesen wäre, müsste doch etwas zu finden sein. Wie bekloppt sind die eigentlich, dass sie den Serienkiller nicht aufspüren konnten und nun mit Beweisen überhäuft werden? Ich an ihrer Stelle hätte nicht an den gleichen Täter gedacht und weitere Hinweise gesucht. Zigarettenstummel auf dem Boden. Mit Speichel und somit DNA daran. Oder was ist mit den Kabelbindern? Warum sind da keine Spuren gefunden worden? Sullivans Fingerabdrücke müssten doch darauf zu finden gewesen sein. Oder glauben die, dass er diese Beweise verwischt hat und sein Messer liegen ließ?“ „Leider ist der Tatort nun nicht mehr abgeriegelt und alle Spuren sind vom Wind verweht. Wir werden da nichts mehr finden, selbst wenn wir nun persönlich dort suchen gehen.“ meinte Jonathan und wählte eine Nummer in seinem Telefon. Verwundert blickte sie ihn an und hörte ihm zu: „Ja hallo Opa! Könntest du bitte mit deinen Fähigkeiten in London zu dem letzten Tatort gehen? Dich mental dorthin begeben? Schau dir bitte alles genau an. Du bist der Spurensucher. Wir brauchen dich unbedingt. Finde einen Hinweis auf einen zweiten Täter. Charleen hat festgestellt, dass Sullivans Fingerabdrücke nicht auf den Kabelbindern waren. Dass das nicht logisch ist, brauche ich dir nicht zu erklären. Ich sende dir die Bilder von dem Tatortfotografen auch noch einmal zu. Damit siehst du, wie es nach dem Mord ausgesehen hat. Später kannst du mich dann darüber informieren.“ Charleen war ihrem Bruder unendlich dankbar. Er wusste genau, worauf es ankommt, und lenkte alles in die richtigen Bahnen. Nicht umsonst war er die Zentrale der Lichtkrieger geworden. Er steuerte die Einsätze und plante alles. Daher hatte er nur noch wenig Freizeit, denn das Böse schlief nie und der Kampf hörte niemals auf. Auf einmal ertönte ihr Smartphone. Charleen schaute auf den Namen und nahm den Anruf entgegen. „Ja, Hi Seth, was gibt es?“ wollte sie direkt wissen. Der Krieger erklärte: „Sullivan möchte dich sehen. Kommst du heute noch zu ihm?“ „Tut mir leid. Sofern es nicht um Leben und Tod geht, dann sag ihm, dass ich gerade hart daran arbeite, seine Unschuld zu beweisen. Bis zum nächsten Vollmond wird er sich doch noch gedulden können.“ sagte sie und irgendwie tat es ihr gleichzeitig weh, denn sie sehnte sich nach ihm. Seufzend meinte Seth: „Ich werde es ihm so sagen. Er wird es verstehen. Es ist ja nicht mehr lange bis dahin. Und ich hoffe wirklich, dass du Erfolg hast, denn das was ich in seinem Hirn gesehen habe, spricht komplett gegen ihn.“ Sofort teilte sie ihm mit: „Es sind keine Fingerabdrücke auf den Kabelbindern gewesen. Weshalb sollte er diese verwischen und das Messer neben der Frau liegenlassen? Es muss eine weitere Person in der Nähe gewesen sein. Und ich werde diese finden. Sag Sullivan, dass ich für ihn kämpfe, weil ich ihn liebe.“ „Das werde ich. Viel Glück Charleen.“ sagte Seth und beendete das Gespräch. Schließlich fragte sie an Jonathan gewandt: „Hat unser Großvater schon etwas entdeckt?“ „Bisher hat er sich nicht gemeldet. Du weißt, dass er sehr sorgfältig ist. Zudem muss er von Winchester mental nach London reisen. So eine Entfernung hat er nur ein einziges Mal durchgemacht. Das dauert eben.“ antwortete ihr Bruder. Seufzend starrte sie erneut auf die Berichte. Es muss noch mehr geben, dachte sie und wartete ab. Endlich klingelte Jonathans Handy und Charleen sah ihn erwartungsvoll an. Sofort tippte er auf den Lautsprecher und sagte: „Hi Opa. Charleen hört alles mit. Was konntest du finden?“ „Asche!“ antwortete Ronald. Als hätte er die fragenden Gesichter von ihnen gesehen, fügte er hinzu: „Jemand hat dort geraucht. Allerdings ist keine Zigarette am Tatort aufgetaucht. In der Nähe ist ein Mülleimer. Ich habe mir das dortige Treiben ein wenig angeschaut. Der Mülleimer hat eine Mulde, wo die Stummel ausgedrückt werden können, bevor man sie darin entsorgt. Viele Leute machen das. Einige jedoch nicht. Da landet die Zigarette auf dem Boden, sie treten manchmal darauf, aber auch wieder nicht. Doch neben der Leiche hat jemand offenbar seinen Stummel ausgedrückt und danach mitgenommen, da ansonsten Spuren zu finden wären. Das ist alles, was ich sehen konnte.“ „Bloß wenn das jemand war, der ziemlich sorgfältig ist und es Stunden vor dem Mord gemacht hat?“ wollte Charleen wissen. „Genauso habe ich das zuerst gedacht, aber es befand sich ein minimaler Blutfleck unter der ausgedrückten Asche. Natürlich kann das auch einer gewesen sein, der die Leiche gefunden hat, es jedoch aus Angst nicht melden wollte. Doch so wie die Leute dort in der Gegend ticken, halte ich das für unwahrscheinlich. Das müsste dann echt ein Zufall zu viel sein.“ meinte Ronald, worauf Charleen glücklich jauchzte und sagte: „Opa, dafür könnte ich dich küssen. Wir kommen der Sache näher. Stückchen für Stückchen. Benjamin wird recht haben, dass ich den Mörder finden werde.“ „Ja, leider.“ drang aus dem Mund von Ronald. „Wie bitte?“ hakte Jonathan nach, worauf ihr Großvater erklärte: „Ach nichts. Das war nur so daher gesagt. Mir wäre eben lieber, wenn ihr Kinder nicht dem Serienkiller über den Weg lauft. Weder du noch Benjamin. Jeder andere, nur nicht ihr beiden.“ „Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Benjamin hat gesehen, dass wir gewinnen werden. Daher freue dich auf den Tag.“ sagte sie und hörte, wie er nach einem Seufzen erwähnte: „Ja. Du wirst gewinnen.“ Irgendwie wirkte er traurig, obwohl er Sullivan mit seinen Fähigkeiten helfen konnte. Bei Gelegenheit würde sie noch einmal mit ihm reden wollen. Plötzlich schoss ihr ein Gedanke ins Hirn und Charleen meinte hektisch: „Warte Opa, lege noch nicht auf.“ „Was ist denn“ horchte er nach und sie antwortete: „Jonathan hat doch herausgefunden, dass die Daten des ersten Mordes intern verändert worden sind. Was ist, falls es tatsächlich ein Polizist ist? Ich meine, die Frauen vertrauen ihm, da sie mit ihm in dunkle Ecken verschwinden. Er weiß genau, nach was für Spuren gesucht wird und kann diese verwischen. Du hast bekanntlich mit Inspektor Anderson ein paar Tage verbracht. Konntest du bei ihm etwas erkennen? Er raucht doch. Vielleicht war er am Tatort mit Sullivan. Und womöglich fand er ihn als Täter passend aufgrund seiner Vorgeschichte. Ich habe mit ihm gesprochen. Dieser Detektiv glaubt schon nicht mehr wirklich an die Gerechtigkeit und eventuell wollte er ihm das daher in die Schuhe schieben. Hast du diesem Inspektor etwas angesehen?“ Ronald wirkte nachdenklich, als er seine Erkenntnisse mitteilte: „Nun ja, er ist durchaus verbissen, was den Fall angeht. Und er raucht tatsächlich. Allerdings halte ich ihn für einen guten Ermittler, obwohl er bei Befragungen meistens den bösen Cop spielt. Dennoch ist er meiner Meinung nach niemals ein Mörder. Womöglich müssen wir wirklich bei der Polizei ansetzen. Jonathan würdest du bitte gucken, wie die Einsatzpläne waren? Eventuell finden wir da einen Ansatz.“ „Wird gemacht. Ich schaue mir auch sämtliche Handydaten an, obwohl ich denke, dass das nichts bringt. Wenn der Täter weiß, wo Kameras sind, wird er nicht so blöde sein und sein Handy mitnehmen. Aber ich versuche eine Übereinstimmung zu finden.“ sagte ihr Bruder und Charleen wirkte erleichtert. Am Nachmittag klopfte jemand an die Türe zu Jonathans Arbeitszimmer. Als Charleen aufschaute, öffnete ihr Bruder und fragte: „Was ist los Dad? Du siehst so nachdenklich aus.“ Charleen schaute an ihm vorbei und sah dort ihren Vater stehen, der ihr direkt in die Augen blickte und erklärte: „Ein Inspektor Anderson steht vor der Türe und möchte mit dir reden.“ „Wieso?“ hakte sie nach und stand von ihrem Stuhl auf. Bob zuckte mit den Schultern und vermutete: „Ich nehme an, dass Seth und Jonathan nicht gründlich genug gearbeitet haben. Ansonsten wüsste ich nicht, was er von dir wollen könnte. Er hat dich ja nie in deiner wahren Gestalt gesehen.“ Von dem Flurbereich sah sie ihn bereits an der Türe stehen. Wie sie ihn längst kannte, hatte er eine schwarze Jeans an und ein blaues T-Shirt unter dem sie seine Muskeln sehen konnte. Irgendwie passte die Farbe seiner Kleidung nicht zu diesen hellblonden Haaren und dem Dreitagebart. Weiß hätte ihm besser gestanden oder schwarz, bloß nicht dieser Blauton. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, obwohl es dafür keinen Anlass gab. Sofern etwas Schlimmes passieren sollte, müsste eben sein Hirn gewaschen werden. Deshalb gab es für sie keinen Grund Angst vor ihm zu haben. Außerdem wusste sie wie er tickte und daher entspannte sie sich ein bisschen, bevor sie ihm zur Begrüßung die Hand hinhielt. Der Inspektor erwiderte den Gruß und griff höflich nach ihren Fingern. Schließlich sagte er: „Ich bin Inspektor Anderson. Dürfte ich bitte unter vier Augen mit ihnen sprechen?“ „Natürlich. Gehen wir ein Stück die Straße entlang.“ meinte sie und zog die Türe hinter sich zu. Der Mann erkundigte sich: „Stört es sie, wenn ich rauche? Ich bin gerade ziemlich durch den Wind.“ „Nur zu. Mein Opa raucht auch.“ antwortete sie ganz natürlich, doch er zündete sich eine Zigarette an und erzählte: „Ja, über ihn wollte ich unter anderem sprechen. Mir gehen da einige Sachen nicht aus dem Kopf. Erstens haben sie vorletzten Vollmond eine tote Frau gefunden. Ihr Großvater hatte währenddessen bereits mit uns zusammengearbeitet. Das wäre dann wohl zweitens. Drittens handelte es sich um die Stalkerin ihres Onkels Benjamin. Viertens wurde beim letzten Vollmond eine Frau getötet, die zufällig die Visitenkarte von diesem Zauberer in der Tasche hatte. Fünftens sehen sie den Opfern ähnlich. Sie könnten daher ebenfalls in den Fokus geraten. Sechstens wurde ich nun von jemandem darüber in Kenntnis gesetzt, dass es einen adoptieren Enkel von Ronald gibt. Sullivan ist sein Name. Siebtens sollte er eigentlich der Hauptverdächtige sein, doch es fehlt jede Spur und jeglicher Beweis. Ich schreibe mir alles handschriftlich auf, damit ich besser nachdenken kann und nichts vergesse. Ich vertraue Computern lange nicht mehr. Und dies führt mich zum achten Punkt. In meiner Tasche habe ich einen Zettel entdeckt. Dort stand Sullivans Name darauf und die Beweise, die wir bei ihm gefunden haben. Zudem habe ich mir notiert, dass sie mit ihrem Auto bei uns gewesen sind und mit mir geredet haben. Allerdings unter dem Namen Kira White. Leider weiß ich das nicht mehr, aber das Papier lügt nicht. Irgendwie haben sie es geschafft, Sullivan aus der Untersuchungshaft zu befreien und die Beweise zu entwenden. Zudem haben sie meine Erinnerungen genommen. Ich weiß nicht, wie sie es gemacht haben, aber sie haben es getan. Und genau das werde ich herausfinden. In diesem Moment fährt mein Kollege zu der Anschrift von Sullivan, um ihn zu verhaften. Und sie nehme ich jetzt auch mit.“
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