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Jeanny O'Malley
Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy 2 Die dritte Generation - Band 5 Verblendung im Zwielicht
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Die Ermittler der Polizei haben einen Verdächtigen gefunden, der womöglich der Serienkiller ist. Allerdings handelt es sich um Sullivan, der beteuert unschuldig zu sein. Doch die Beweise, die gefunden worden sind, sprechen gegen ihn. Seine einzige Hoffnung besteht darin, dass bewiesen wird, dass ihm jemand was anhängen will, da bei den vorherigen Opfern des Vollmondmörders keine einzige Spur gefunden wurde. Warum sollte er dann alle möglichen Hinweise hinterlassen?
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Prolog
Erschöpft und gleichzeitig erleichtert tippte David Harris seine letzten Untersuchungsergebnisse in den Computer ein. Endlich waren brauchbare Spuren zu finden, die nur noch ausgewertet werden mussten. Doch war es ihm ein Rätsel, weshalb der Vollmondmörder auf einmal so unvorsichtig geworden war. Womöglich handelte es sich um einen Nachahmungstäter. Sonst fanden die Ermittler nicht einmal Fingerabdrücke. Nun hatten sie die Tatwaffe, Fingerabdrücke, Blutstropfen, die nicht vom Opfer stammten, und eine andere Vorgehensweise. Die Spuren an den Handgelenken der Kabelbinder waren deutlich zu erkennen. Nachdem der Täter zugestochen hatte, kämpfte sie um ihr Leben und hatte sich somit die Haut aufgeschürft. Sie hatte wohl nicht mit einem Angriff gerechnet, denn der Büstenhalter, der ihre Augen verbunden hatte, war ihr eigener. Er konnte die Abdrücke der Bügel noch auf ihrer Haut erkennen. Es passte zu dem Modell, mit dem sie blind gemacht wurde. Was ging nur in dem Hirn des Täters vor sich? Und es musste ein zweiter Killer gewesen sein, so schlampig wie er dieses Mal gehandelt hatte. Machte es Sinn, dass der Vollmondmörder nach elf Opfern aufgehört hatte? Elf war eine schöne Zahl. So gleichmäßig. Doch wenn er einmal Blut geleckt hat, warum denn nicht das Dutzend vollmachen? Ein Jahr hat zwölf Monate. Manchmal sogar dreizehn Vollmonde. Je nach Stand des Mondes zum Jahreswechsel. Wieso hat niemand noch eine tote Frau gefunden? Dies passte nicht mit seinem Weltbild über Serienkiller überein. Er musste etwas übersehen haben. Mit Ruhe ging er noch einmal alle Spuren durch. Es wurde ebenso eine Locke abgeschnitten, was wohl der eindeutigste Beweis für den Vollmondmörder wäre. Außer einer ahmt ihn nach. Das Opfer musste dem Mann vertraut haben. Sonst hätte sie sich nicht mit ihrer eigenen Wäsche die Augen verbinden lassen. Und schon gar nicht an den Zaun fesseln. Und ein Täter würde sich nicht die Mühe machen, sie ausziehen, um ihr anschließend das T-Shirt wieder über den Kopf zu ziehen. Sie hätte sich gewehrt und ihm somit Probleme bereitet. Nein. Es musste freiwillig passiert sein. Warum vertraute sie ihrem Mörder? Haben die anderen Frauen auch Vertrauen gehabt? Sind sie daher so leichte Opfer gewesen? Wäre es doch möglich, dass ein Cop diese Taten begehen konnte? Frauen vertrauten Männern in Uniform. Erstens sind sie Beschützer, zweitens Vertrauenspersonen und drittens finden die meisten Frauen diese Uniformen sexy. Unter Umständen würden sie genau aus dem Grund mit ihnen mitgehen. David hoffte so sehr, dass Ronald endlich den Maulwurf enttarnen könnte, der seine Daten am Computer manipulieren konnte. Dabei kam ihm ein Gedanke. Dieses Mal gab es einen Haufen Beweise. Er musste diese sofort auf einen Zettel schreiben oder zuhause, damit niemand von intern sehen konnte, dass er seine Erkenntnisse somit per Handschrift sicherte. So langsam wurde er paranoid, aber er sah an jeder Ecke potentielle Verräter bei der Polizei. Und jemand der bisher elf oder zwölf Frauen töten konnte, würde vor einem Rechtmediziner auch keinen Halt machen. Daher wäre er in Gefahr, sofern er nun mit dem Zettel in der Tasche herumlaufen würde. Nervös schielte er zu der Kamera oben an der Ecke. Irgendjemand beobachtete ihn, daher sollte er sich nicht angreifbar machen. So normal wie sonst auch packte er seine Sachen zusammen, trank den letzten Schluck Kaffee aus der Tasse, der wie immer kalt geworden war, und schaltete anschließend den Computer aus. In seinem Kopf ging er noch einmal alles durch. Die Fingerabdrücke konnte er unmöglich mit einem Papier nach Hause nehmen. Die Tatwaffe ebenso nicht. Nur die Blutgruppe, die er herausgefunden hatte, die nicht dem Opfer gehörte, konnte er sich merken. Das war nicht viel, aber hieran würde er das nächste Mal erkennen können, sofern wieder daran herummanipuliert wurde. Immerhin handelte es sich um eine seltene Blutgruppe, was den Täterkreis einengen könnte. Zusammen mit den Fingerabdrücken demnach ein wertvolles Indiz.
Mit einem lauten Gähnen, um seine Angst zu überspielen, schlüpfte David aus dem Kittel und hing diesen an den davor vorgesehenen Platz. Anschließend spülte er seine Tasse, wie er es immer zum Feierabend hin machte. Ganz natürlich sein und sich nichts anmerken lassen, dachte er.
Gerade als er zur Türe herausgehen wollte, stand Inspektor Anderson unvermittelt vor ihm. „Hallo! Ich bin auf dem Weg nach Hause. Muss ich Überstunden machen? Gab es noch eine Leiche?“ hakte David nach und sah diesem Mann in die Augen. Der Inspektor erwähnte: „Wir sollten uns mal unterhalten.“ Die Alarmglocken in seinem Hirn schrillten. Könnte er der Täter sein und hatte ihn durchschaut? Lässig bot er ihm einen Stuhl vor seinem Schreibtisch an und meinte: „Ich habe keinen Kaffee mehr. Dauert es länger? Dann würde ich einen frischen für uns machen.“ „Für mich nicht. Es dauert auch nicht lange. Ich mache es kurz.“ antwortete Anderson und lehnte sich im Stuhl zurück. Dies ließ darauf schließen, dass er ihn nicht sofort angreifen würde. „In Ordnung. Ich bin ganz Ohr. Was gibt es?“ wollte David wissen und setzte sich ebenfalls auf seinen Platz. Der Inspektor nahm eine Karte in einem Klarsichtbeutel heraus und erklärte: „Das ist die Visitenkarte von Benjamin. Der Typ mit der Zaubershow. Wir haben die Karte bei dem letzten Opfer gefunden. Ich finde, dass es ein wirklicher Zufall ist. Zuerst wird seine Stalkerin getötet, deren Anschrift hier hinterlegt wurde, und nun dies. Wie ich gehört habe, verbringt er an diesem Ort öfter seine Zeit. Darf ich daher wissen, über was ihr beide hier redet? Womöglich habe ich bei uns einen Maulwurf entdeckt, der Beweise verschwinden lässt.“
Sollte David ihm die Wahrheit erzählen oder lügen? Beides würde ihn in die Hölle schicken. Bei der Wahrheit müsste er ihm sagen, dass er selbst an einen Maulwurf glaubt, doch sofern dieser Inspektor ihm auf diese Art Informationen entlocken wollte, wie viel er wusste, könnte sein Leben in Gefahr sein. Bei einer Lüge würde das gegen ihn ausgelegt werden. Also musste er es anders halten. Die Wahrheit nett umschreiben und die wichtigsten Sachen auslassen. Mit einem nachdenklichen Gesicht erzählte er: „Ein Maulwurf? Das ist ja mal eine neue Theorie. Nein. Benjamin ist, wie bereits bekannt sein sollte, der Sohn von Ronald Crawford. Eben dieser Mann, der zurzeit mit den Ermittlern die Wahrheit in den Gesichtern lesen soll. Wir sind seit Jahren befreundet. Benjamin möchte von mir immer Sachen erklärt bekommen, damit seine Zaubershow realistischer wirkt. Er möchte wie ein Profi arbeiten. Daher will er kein Halbwissen anwenden, um auch den letzten Skeptiker mit seinem Fachwissen zu überzeugen. Als Beispiel hatte er mir mal gesagt, dass viele die eiserne Jungfrau als Folterwerkzeug ansehen. Dabei ist dieses Ding für eine langsame Hinrichtung gedacht. Benjamin ist der Meinung, dass durch dieses Wissen die Gefahr authentischer aussieht. Daher reden wir oft über solche Dinge. Ich weiß nicht, ob ich vor seinem Finale was davon erzählen sollte, aber er wollte irgendwas über Fliegenpilze wissen. Natürlich helfe ich ihm dabei, denn ich möchte nicht, dass er bei so etwas oder bei anderen Sachen aus dem Internet was findet, was ihn in Gefahr bringen wird. Darum ist er ein gern gesehener Gast von mir. Das ist alles. Ich bin kein Maulwurf. Und für Benjamin würde ich meine Hände ins Feuer legen. Er ist ein guter junger Mann. Und sofern er der Mörder wäre, würde er nicht auf einmal tausend Spuren inklusive Visitenkarte herumliegen lassen. Daher verstehe ich nicht, warum ich hier auf einmal verdächtigt werde ihm zu helfen, obwohl es so offensichtlich ist, dass er nicht der Täter ist.“ „Hm, mal überlegen. Natürlich kann ihm einer was in die Schuhe schieben wollen. Wie mit seiner Stalkerin. Andererseits kann er auch falsche Spuren gelegt haben. Dritte Möglichkeit wäre, dass du selbst der Mörder bist und von dir ablenken möchtest. Womöglich hilft er dir. So langsam traue ich jedem hier in dem Puff zu, dass er was mit der Sache zu tun hat. Ich werde euch im Auge behalten. Am besten den ganzen Laden. Auch wenn wir nun Fingerabdrücke haben, heißt das noch lange nichts. Ich werde die Wahrheit herausfinden.“ erläuterte Inspektor Anderson und erhob sich anschließend von dem Stuhl.
David atmete erleichtert auf. Er wusste, dass er selbst nicht der Maulwurf war. Und dieser Ermittler schied offenkundig ebenfalls aus. Trotzdem war es sicherer, ihm nicht seine eigenen Theorien aufzutischen. Schließlich dachte David an Benjamin und fragte sich, ob sich dieser Zauberer irgendwie mal Feinde zugelegt hatte, die unbedingt wollten, dass er in den Fokus der Ermittler geriet. Was hatte der arme Junge angestellt, dass er so gehasst wurde?
Kapitel 1
Mit zitternden Händen hielt Sullivan sein Handy fest und schaute sich das Bild der Frau an, die nun getötet worden war. Ebendiese Frau, die er am Abend zuvor in dem Club fotografiert hatte, weil er sie vernaschen wollte. Angstschweiß trat auf seiner Stirn und an den Handflächen hervor. Er dachte an sein blutiges Hemd zurück, was er am Morgen danach getragen hatte, als er mit dieser Erinnerungslücke hinter der Mülltonne aufgewacht war. Was war nur in dieser verdammten Vollmondnacht passiert? Das durfte nicht wahr sein.
„Sullivan! Was ist los?“ wurde er plötzlich von Ronald gefragt. Nervös sah er ihn an und wusste in diesem Moment, dass eine Lüge ihn bei diesem Mann nicht weiterbrachte. Dafür war er viel zu aufgedreht. Jeder in dem Raum sah ihm an, dass etwas nicht mit ihm stimmte. Doch bei dieser Versammlung wurde als seine Strafe beschlossen, dass er nicht mehr an diesem Abend sprechen durfte. Daher sah er Ronald schweigend an, um seine Situation nicht noch zu verschlimmern. Der Krieger sagte allerdings: „Sofern du gezielt angesprochen wirst, darfst du selbstverständlich antworten. Also sag schon, was los ist. Du hast eben laut und deutlich „Ach du Scheiße“ gesagt. Was liegt dir auf dem Herzen?“ Nervös blickte Sullivan in Benjamins Richtung. Der Zauberer war dabei, als er das Foto der Frau gemacht hatte. Mit einem Seufzen erklärte er: „Ich kenne das Opfer aus dem Club. Dort habe ich sie gestern Abend noch lebend gesehen.“ „Hast du vielleicht auch den Täter bemerkt? Hat jemand mit ihr gesprochen? Wie sah er aus?“ wurde er von seinem Vater gefragt. Doch Sullivan schüttelte den Kopf und informierte die Anwesenden: „Ich weiß gar nichts mehr. Verdammt. Ich habe das Foto von ihr gemacht, weil ich sie ficken wollte. Tut mir leid es so auszudrücken, aber es ist die Wahrheit. Ins Bett locken kann ich ja schlecht sagen, wenn ich es mit ihr auf der Toilette hätte machen wollen.“ „Wir sind im Bilde. Doch was ist dann geschehen? Du musst uns alles anvertrauen was du weißt. Wir brauchen eine Spur.“ bat Daniel. Tief atmete Sullivan ein, bevor er erklärte: „Ich habe ein paar Bier getrunken. Ich weiß noch, dass Benjamin mir sein Chemieexperiment geben wollte, was ich abgelehnt habe. Dann habe ich diese Frau fotografiert und wollte sie verführen. Ja, das hört sich nicht ganz so plump an. Heute morgen bin ich hinter einer Mülltonne aufgewacht. Meine Nase tat weh und mein Hemd war blutig. Vielleicht von der Nase her. Vermutlich bin ich gegen die Mülltonne gelaufen und habe mir den Kopf angeschlagen. Ich habe Jonathan angerufen und mich erkundigt, ob ich irgendwen verprügelt habe. Doch er konnte in den Polizeiakten nichts Passendes finden. Daher bin ich wahrscheinlich wirklich ziemlich betrunken gegen die Mülltonne gelaufen. Allerdings kam ich auf dem Weg zur Bahn an dem Tatort vorbei. Es war nicht weit weg von mir. Und zudem vermisste ich mein Messer. Bloß nahm ich an, dass Benjamin es in sein Auto gelegt hatte, bevor wir in den Club gegangen sind. So wie ich drauf war, habe ich seine gut gemeinten Ratschläge ignoriert oder schnell vergessen. Doch nun gab es ein Mordopfer und ich hatte es auf diese Frau abgesehen. Allerdings nicht so. Mir kam eben nur in den Sinn, dass ich einen Filmriss hatte, ein blutiges Hemd und ein fehlendes Messer. Und eine Klinge wurde bei dem Opfer gefunden. Verdammt, ich mache mir nur sorgen, dass ich da in irgendwas hineingeraten bin. Vielleicht habe ich sie ja auch an den Zaun gefesselt und mit ihrem BH die Augen verbunden. Womöglich wollte sie den Sex mit mir und dann kam der Serienkiller um die Ecke und hat sie mit meinem Messer getötet. Wer weiß es denn schon? Vermutlich hat er mir eins auf die Nase gegeben. In meinem betrunkenen Zustand habe ich mich wahrscheinlich nicht gewehrt. Wenn ich mich doch nur erinnern könnte.“
Einen Moment lang schwiegen alle in der Versammlungshalle. Sullivan traute sich nicht irgendjemanden anzuschauen. Er würde überall nur fragende Gesichter erblicken. Plötzlich sagte Seth: „Sofern du es mir erlaubst, werde ich nachher mal in deinem Hirn nachschauen. Ich kann viele Sachen sehen, die unter Umständen gelöscht sind. So wie damals, als ich Sean erzählte, wie er Leslies Erinnerungen zurückholen konnte, die er selbst vertuscht hatte. Ich werde bei dir bestimmt etwas finden.“ Sullivan versuchte zu lächeln, doch er hoffte so sehr, dass er nur gegen die Mülltonne geprallt war. Daher meinte er: „Ich habe Angst davor. Du würdest erkennen, wie ich mich nicht gegen den Serienkiller wehren konnte oder wie ich eine Mülltonne geküsst habe. Beides ist nicht schön.“ Sein Vater schlug auf einmal vor: „Wir sollten nach Hause fahren. Das blutige Hemd liegt dort noch. Wir können es untersuchen und sehen dann, ob es sein eigenes Blut ist.“ Benjamin meldete sich und erwähnte: „Ich sollte in diesem Augenblick wohl aufklären, wie meine Visitenkarte zu dem Opfer gelangen konnte. Es möchte mir offenkundig niemand was in die Schuhe schieben. Ich selbst habe ihr diese gegeben.“ „Was?“ hakte Grace nach und sah ihn entrüstet an. Der Zauberer nickte und erklärte: „Sullivan war betrunken und hat mich nicht mehr in seiner Nähe geduldet. Da er bereits seine Absicht kundgetan hat, dass er diese Frau verführen wollte und sogar ein Foto von ihr gemacht hatte, hielt ich es für angebracht, wenn ich sie darüber informiere. Ich stellte mich ihr vor und sagte ihr die Wahrheit. Dass Sullivan sie im Laufe der Nacht anbaggern könnte. Egal ob sie dabei mitmachen mochte oder nicht, bat ich sie, dass sie ein Auge auf ihn hat, da ich zu Amber gehen wollte. Ich hatte keinen Bock darauf, dass Sullivan mich geschlagen hätte. Daher gab ich ihr meine Karte, damit sie mich anrufen konnte, sofern er Ärger macht oder den Club verlässt. Jonathan kann gerne mein Handy checken. Ich war bei Amber, als mich eine unbekannte Nummer angerufen hat. Diese Frau war es, die mir mitteilte, dass Sullivan sie angesprochen hat und er kaum noch auf den Beinen stehen konnte. Ich sagte ihr, dass es nett von ihr wäre, wenn sie ihn zu der nächsten Bahnhaltestelle bringen würde, denn ab da könnte er alleine den Weg nach Hause finden. Sie wollte ihn begleiten und ich dankte ihr dafür. Sie sollte als Dank Eintrittskarten für meine Show bekommen. Also war es eine Fehlanzeige, den Täter über meine Visitenkarten zu finden. Doch in dem Moment habe ich das Bild der Frau noch nicht gesehen, sonst hätte ich direkt eine Verbindung zu ihr gehabt.“
Diese Information wollte nicht so richtig in Sullivans Hirn. Verwirrt fragte er den Zauberkünstler: „Du hast ihr Karten für deine Show versprochen, wenn sie mit mir Sex hat?“ „Nein! Das war ihre Entscheidung. Sie sollte mir nur Bescheid sagen, sobald du den Club verlässt und ob es Ärger gibt. In deinem Zustand warst du eher eine Gefahr als alles andere.“ antwortete Benjamin und sah ihn dabei leicht wütend an. „Danke, dass du uns diese Informationen gegeben hast. Somit war Sullivan sogar mit dem Opfer zur Bahn unterwegs. Wir müssen Beweise für seine Unschuld finden.“ hörte er auf einmal die Stimme seiner zweiten Mutter Megan. Jonathan räusperte sich und erwähnte: „Das wird schwer werden. Wir sollten uns so schnell wie möglich auf den Weg nach London machen, bevor die Polizei bei euch in der Wohnung auftaucht. Die Fingerabdrücke wurden ausgewertet. Sullivans Spuren sind auf der Tatwaffe. Er wurde prompt identifiziert, weil er nun schon durch seinen vorherigen Ärger eine Akte bei der Polizei hat. Doch sie werden es wohl nicht glauben, falls er ihnen diese Sexgeschichte erzählt und dass er von dem Serienkiller bewusstlos geschlagen wurde. Also macht euch auf den Weg und ich werde es am besten weiterhin von hier aus verfolgen.“
So schnell hatte Sullivan noch nie das Ende einer Versammlung mitgemacht. Gemeinsam mit seinen Eltern und Großeltern fuhr er nach London. Seine Schwester blieb bei Luke zurück. Doch in diesem Moment war es ihm egal. Ein Wettlauf mit der Polizei war etwas, worauf er in seinem Leben verzichten konnte. Das blutige Hemd musste verschwinden oder als Beweismittel übergeben werden. Sofern nur sein eigenes Blut darauf zu finden war, sollte alles klar sein. Fingerabdrücke auf der Tatwaffe waren auch nicht ungewöhnlich, denn es war sein Messer, was er verloren hatte. Dies alles war noch längst kein Beweis, der gegen ihn sprach.
Die Fahrt nach London dauerte gefühlt doppelt so lange wie sonst. Wahrscheinlich lag das daran, dass die Polizei längst auf dem Weg zu ihm war und kaum noch Zeit blieb, um seine Unschuld zu beweisen. Auch wenn Seth ihm in den Kopf blickte, würde das wohl schwerlich für die Cops zählen. Die brauchten handfeste Belege.
Endlich waren sie zu Hause angekommen. Er betrat mit seinen vier Eltern zuerst die Wohnung. Seth und Heather folgten daraufhin. Ronald war zusammen mit William dorthin gefahren. Dies reichte vollkommen aus, um die Räume gut zu füllen. Ronald bat: „Zeig uns bitte das blutige Hemd. Ich muss sehen, wie viel Blut darauf zu finden ist. Womöglich ist es doch nur von deiner Nase.“ „Natürlich. Das hoffe ich ebenso. Das habe ich in meinen Wäschekorb gestopft.“ antwortete Sullivan und führte die Anwesenden in sein Zimmer. Mit einem Handgriff zog er das Hemd aus dem Korb und hielt es Ronald vor die Augen. Dieser sah es sich ganz genau an, allerdings ohne es anzufassen. Seth wollte wissen: „Was hast du sonst noch gemacht, als du nach Hause gekommen bist? Also die Zeit, bevor du Luke verprügelt hast.“ Einen Moment dachte Sullivan nach und ging die Schritte in seinem Gedächtnis ab. Er stellte sich an die Türe und tat so, als ob er sie geöffnet hätte. Dann ging er durch das Zimmer und legte das Hemd in den Wäschekorb. Dabei erklärte er: „Ich habe zuerst das blutige Ding hier reingeworfen. Das hatte ich die ganze Zeit zerknüllt bei mir getragen. Dann bin ich an den Schubladenschrank gegangen und habe dort meine Sachen hingelegt. Handy, Schlüssel und was sonst noch in meinen Taschen war, denn anschließend habe ich meine restlichen Klamotten ausgezogen und ebenfalls in den Wäschekorb gelegt. Ich nahm ein Handtuch aus der unteren Schublade und bin unter die Dusche gegangen. Danach habe ich versucht mich zu erinnern und dabei Musik gehört. Als ich Durst bekam, traf ich leider auf Luke. Mehr ist nicht passiert.“ William rekonstruierte auch noch einmal Sullivans Bewegungen und öffnete die Schubladen nacheinander. Als er bei dem Fach mit den Handtüchern angelangte, fragte sich Sullivan, was das bringen sollte.
