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Jeanny O'Malley

Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy 2 Die dritte Generation - Band 4 Zwietracht im Schatten

Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy 2 Die dritte Generation - Band 4 Zwietracht im Schatten

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Die Nerven aller sind sehr angespannt. Das letzte Opfer des Serienkillers war einigen der Familie wohl bekannt. Die Ermittler haben bereits Spuren gefunden, die zu den Lichtkriegern führen. Zumindest als wichtige Zeugen. Trotzdem müssen sie aufpassen, dass sie nicht zu sehr in den Fokus geraten. Zudem arten die Streitereien untereinander aus. Die Zeit läuft davon.

📖 Leseprobe
Prolog Tote Menschen zu obduzieren war für einen Mann in seinem Alter bereits eine Gewohnheit gewesen, die ihn trotz all den Jahren nicht kalt ließ. Es war sein Job und er dachte immer, dass er diesen gut machte. Doch in diesem Augenblick stand David Harris vor einer Haustüre in Winchester. Genau zu diesem Zeitpunkt zweifelte er an seinem Verstand. Er hätte diese Informationen nicht weitergeben dürfen und nun gab es für ihn ein Problem, welches er aus der Welt schaffen musste. Es gehörte nicht zu seinem Alltag, einem Freund einen Mord anzulasten, beziehungsweise ihn als Verdächtigen zu bezeichnen. Mit schwerem Herzen klingelte er, damit der Hausbesitzer ihm öffnen sollte. Beinahe eine Sekunde später blickte er in die dunkelblauen und gütigen Augen von Ronald Crawford, der ihn mit einem höflichen Nicken begrüßte und sofort fragte: „Was ist denn bloß passiert? Nach deinem Anruf dachte ich eigentlich, dass wir uns wieder in einer Bar treffen oder an einem anderen öffentlichen Ort. Es sollte doch niemand sehen, dass du mich um Hilfe gebeten hast.“ Mit einem Seufzen antwortete er: „Es ist dieses Mal nicht so ganz privat. Darf ich eintreten?“ „Aber natürlich. Nimm bitte auf dem Sofa Platz. Ich nehme an, du bist mit einem Kaffee zufrieden, denn was anderes außer Wasser und Tee kann ich dir nicht anbieten. Du schaust nämlich gerade so aus, als ob du etwas Stärkeres vertragen kannst.“ sagte Ronald und wies ihm den Weg zu seinem Platz. „Kaffee ist in Ordnung. Ich danke dir. Ist Benjamin zufällig im Haus?“ wollte David wissen, denn ihm mochte er zunächst nicht über den Weg laufen. Die erleichternde Antwort kam direkt: „Nein, der ist in London. Bei seiner Freundin oder weil er mal wieder die Show vorbereitet. Alles erzählt er mir nicht. Muss er auch nicht. Sein Privatleben geht mich nichts an.“ Als der heiße Kaffee vor ihm auf den Tisch gestellt wurde, sah David diesen freundlichen sowie intelligenten Mann an und sagte: „Ich weiß nicht, ob ich einen Fehler gemacht habe. Es tut mir wahnsinnig leid, dass der Polizeichef nun so einen Aufstand macht.“ „Erzähle eines nach dem anderen. Was ist passiert?“ bat Ronald und setzte sich ihm gegenüber auf den Sessel. Nach einem tiefen Atemzug erzählte David: „Ich habe dich ja letztens gebeten, mir, vielmehr der Polizei bei dem Vollmondmörder zu helfen. Du kannst in den Gesichtern der Verdächtigen lesen wie kein Zweiter. Zudem glaube ich an einen internen Maulwurf oder mordlüsternen Cop. Dies habe ich dem Polizeichef ebenfalls mitgeteilt, damit er dich in die Ermittlungen einschleusen kann. Soweit war es in Ordnung. Er wollte den letzten Vollmond abwarten, in der Hoffnung, dass seine Männer den Serienkiller auf frischer Tat ertappen. Doch wie du erahnen kannst, hat es nicht geklappt. Vor einigen Tagen ist jedoch etwas passiert, was mich an meinem Verstand zweifeln lässt. Benjamin kam zu mir in die Rechtsmedizin und drückte mir einen Zettel in die Hand. Darauf war der Name einer Frau zu lesen. Ebenso wie die Anschrift. Dein Sohn informierte mich darüber, dass sie eine Stalkerin von ihm ist und er ihr zu ihrer Wohnung gefolgt ist, damit er an ihre Daten kommt. Benjamin meinte, dass ich nun eine Person habe, die ihn bedroht, sofern ihm etwas zustoßen würde.“ Mit diesen Worten brach er ab und blickte Ronald in die Augen. Dieser erwähnte in ruhigem Ton: „Ich weiß es erst seit gestern Abend, dass er eine Stalkerin gehabt hat. Du hast mir bis jetzt nichts Neues verraten.“ Nach einem Seufzen erklärte David: „Es gab vorletzte Nacht ein neues Opfer des Vollmondmörders. Als ich ihren Namen in meiner Akte gelesen habe, erinnerte ich mich an den Zettel von Benjamin. Die Daten sind identisch. Natürlich heißt das nichts. Er wurde von ihr bedroht und hat bei mir Hilfe gesucht. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass es umgekehrt sein könnte. Doch womöglich war dies nur zum Schein. Ronald ich zweifele gerade an meinem Verstand. Benjamin sagte mir, dass deine Enkelin die tote Frau gefunden hat und ihn anschließend angerufen hatte, weil er in der Nähe bei seiner Freundin war. Nach Meldung der Leiche und seinem Erscheinen vergingen nur wenige Minuten. Er war demnach sehr nah am Tatort dran. Natürlich passt der Tod einer Stalkerin nicht zum Motiv eines Serienkillers. Allerdings gibt es Nachahmer und so. Vielleicht wollte er es dem Serienkiller in die Schuhe schieben. Siehst du nun, dass mir der Fall den letzten Nerv raubt? Irgendwas stimmt an seiner Geschichte nicht. Und wieso sollte deine Enkelin ihn als erstes anrufen? Womöglich waren sie es gemeinsam. Schlage mich ruhig, sofern ich zu weit gehe, aber ich muss meine Gedanken sortieren. Was ist, wenn sie für ihn die Frau aus dem Weg geschafft hat? Deine Enkelin hat den Cops zudem einen weiteren Verdächtigen geliefert. Das ist doch verdächtig. Ronald, du kennst mich. Normalerweise bin ich die Ruhe selbst. Als ich Benjamin am Tatort gesehen habe, dachte ich mir noch nichts dabei. Erst der Name des Opfers hat mich die wildesten Fantasien ausarbeiten lassen. Das hat mich dazu gebracht, dass ich auf jeden Fall dem Polizeichef diese Informationen geben musste. Ich darf selbstverständlich keine Beweise zurückhalten oder verschwinden lassen. Das ist nicht meine Art. Ich möchte mit einem reinen Gewissen in den Ruhestand gehen. Und nun wollen sie gegen deinen Sohn ermitteln. Wenigstens darfst du dabei sein, denn du kennst Benjamin am besten und siehst direkt, falls er lügt. Ich verstehe natürlich auch, dass du es ablehnen magst. Heute bin ich hier, um mich jetzt schon für all die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen, die auf euch zukommen.“ Einen kurzen Moment wurde David von Ronald nur nachdenklich angeschaut. Schließlich sagte der Mann ihm gegenüber: „Ich verstehe deine Situation. Durch den Stress wird vieles anders. Du willst den Serienkiller noch im Knast sitzen sehen, bevor du deinen Kittel an den Nagel hängst. Und du hast recht, was meinen Sohn angeht. Bis gestern wusste ich noch nichts von dieser Frau. Er wollte alleine damit klarkommen. Allerdings kann ich dich dahingehend beruhigen, dass Benjamin tatsächlich in Charleens Nähe bleiben wollte. Gerade weil sie so aussieht wie ein potentielles Opfer des Killers. Sie wollte Spaß haben und hat sich daher einen Club ausgesucht, der wohl zufällig in der Nähe von seiner Freundin liegt. Sie sollte ihn sofort rufen, sofern sie seinen Schutz brauchen sollte. Zum Beispiel nach Sperrstunde nach Hause begleiten. Du siehst, dass es mich nun nicht aus der Fassung wirft, denn es gibt für alles eine logische Erklärung. Allerdings erfahre ich nun zum ersten Mal, dass Benjamin überhaupt bei seiner Freundin gewesen sein soll, denn so, wie ich weiß, wollte er bei ihr in dem Club bleiben und sie in Ruhe flirten lassen.“ David zuckte mit den Schultern und überlegte laut: „Vielleicht wollte sie ihn nicht unbedingt dabeihaben, während sie Männer aufgabelt. Oder ich habe es falsch verstanden und sie hat ihn angerufen, um sie abzuholen. Immerhin ist sie mit einem Mann aus dem Club gegangen und Benjamin ist noch dortgeblieben. Wäre auch eine Möglichkeit. Demnach habt ihr ja nichts zu befürchten, denn es gibt so oder so bestimmt massig Zeugen für sein Alibi. Entweder die Gäste, der Barkeeper oder seine Freundin. Aber du verstehst trotzdem, dass ich aufgrund meiner inneren Anspannung und meines Gewissens nicht noch mehr verschweigen durfte.“ Mit einem freundlichen Blick überreichte Ronald ihm die Milchpackung für den Kaffee und sagte: „Keine Sorge. Du hast alles richtig gemacht. Wir haben nichts zu befürchten. Mein Sohn ist kein Mörder und ich werde bei den Ermittlungen dabei sein. Ich werde deine Kollegen durchleuchten und den Verantwortlichen erkennen, sobald er einen Fehler macht. Mach dir nicht zu viele Gedanken. Fahr nach Hause, beruhige dich und bald geht es dir besser.“ David fiel ein Stein vom Herzen und er nahm einen großen Schluck aus seiner Tasse, bis er feststellte, dass er noch keine Milch hineingegeben hatte. Scheinbar war er doch nicht ganz auf der Höhe. Kapitel 1 Die Türe seiner Arrestzelle wurde aufgeschlossen und Luke schaute von dem Bett aus dorthin. Seine Großmutter trat nicht einmal herein, sondern befahl: „Sofort mitkommen!“ „Was? Warum? Ist was passiert?“ wollte er wissen und richtete sich auf. Portia zeigte auf die Treppe und sagte: „Du kommst jetzt mit mir trainieren. Ich habe deine Arrestzeiten etwas gelockert. Du musst deinen Körper fit halten. So habe ich es den anderen erklärt. Natürlich wissen die das auch so. Darum darfst du nun einige Zeit mit mir oder Toni verbringen und sogar eine Stunde am Tag dein Handy benutzen. Ansonsten bleibst du bis zum nächsten Vollmond in diesem Zimmer. Und nun komm, denn ich habe nicht ewig Zeit.“ Das war so ein Moment, von dem Luke wusste, dass er seine Großmutter nicht unbedingt verärgern sollte. Daher hörte er sofort auf sie, sprang vom Bett auf und trat aus der Türe, um die Treppe hinunterzugehen. Seine Knochen fühlten sich steif an und er war irgendwie müde. Lust auf ein Training hatte er nicht. Schon gar nicht mit ihr. Im Trainingsbereich musste Luke zunächst ein paar Meilen auf dem Laufband verbringen, um sich aufzuwärmen. Ihm ging fast die Puste aus, da die letzte Zeit in der Arrestzelle, vielmehr Dachzimmer von Heathers Anwesen, an seinen Kräften gezerrt hatte. Erschöpft wollte er von dem Band herunter, aber Portia funkelte ihn böse an und sagte: „Du machst weiter, bis ich sage, dass es genug ist. Ich werde dich nun trainieren, damit du lernst, dich ordentlich zu wehren. Du kannst dich gegen einen Sullivan behaupten, sobald du mir ebenbürtig bist. Und glaube mir, dass ich dich für die Entwendung meines Artefaktes bluten lassen werde. Denke nur nicht, dass es ein Kinderspiel wird. Du hast die Gutmütigkeit deiner Mutter ausgenutzt, die sie eindeutig von ihrem Vater geerbt hat. Bei mir wirst du keine Verschnaufpause haben. Wir werden trainieren, bis du wieder in die Dachkammer gehen musst. Mal sehen, ob du dann noch fähig bist, dein Handy die erlaubte Stunde zu nutzen.“ „Bitte Portia! Ich brauche einen Moment Ruhe. Ich kann kaum noch atmen.“ schnaufte er und lief weiter auf dem Band. „Das ist kein Grund. Solange du nach wie vor so mit mir reden kannst, scheinst du ausreichend Luft zu bekommen.“ bemerkte sie und schaute ihm dabei in die Augen. Seine Oma hatte Luke noch nie so mitbekommen. Natürlich war sie streng. Gar keine Frage. Und eine Killerin. Trotzdem hatte sie ihn stets liebevoll behandelt. Allerdings verstand sie wohl keine Gnade, sobald es um ihr Artefakt ging. Das war der Hauptgrund, warum sie ihn nun so leiden ließ. In diesem Augenblick wäre ihm sogar lieber gewesen, einen Dämon im Zaum zu halten. Schnaufend und keuchend lief Luke auf dem Band und sie erzählte nebenbei: „Du glaubst nur, dass du keine Kraft hast. Das ist in deinem Kopf verankert. Du denkst, dass du ein Versager bist. Du schaust andere an und vergleichst dich mit denen. Toni hat Muskeln und du bist neidisch darauf. Sullivan ist trainiert und du willst es auch. Dennoch möchtest du es durch ein Fingerschnippen erreichen. Das geht natürlich nicht. Dazu sollte ich erwähnen, dass Sam damals ein guter Trainer wurde, weil er mit dem Kopf gearbeitet hat und nicht mit der Kraft. Selbstverständlich ist er nun vom Körperbau athletischer geworden, aber die ersten Jahre sah er mehr oder weniger schwach aus. Trotzdem konnte er sich am ersten Tag gegen Toni behaupten, weil er schlau war und taktisch gekämpft hat. Und das ist etwas, was du endlich mal lernen solltest. Es geht nicht um die Muskelkraft. Zumindest nicht alleine. Denken ist wichtig. Du darfst keine Fehler machen, sonst verlierst du den Kampf.“ Einen kurzen Moment umrundete sie ihn und schwieg. Schließlich fuhr sie fort: „Hast du gewusst, dass es keine Grenzen gibt? Du glaubst nur, dass es sie gibt. In deinem Kopf hast du die ganze Zeit das Gefühl, dass du nicht mehr weiterlaufen kannst. Und doch hast du es jetzt ein paar Minuten länger ausgehalten. Und du wirst sehen, dass immer noch was geht. Auch wenn deine Lunge brennt und die Beine schmerzen, hast du nun sehr viel mehr Ausdauer bewiesen, als du es selbst ahntest. Dies sollte in deinem Dickschädel verinnerlicht werden. Du kannst alles, wenn du nur willst.“ Keuchend nickte er und Portia sagte: „Nun komm da runter. Es reicht. Wir machen jetzt Kampftraining.“ Nur wenige Augenblicke gab sie ihm Ruhe, um etwas Luft zu holen, bis sie ihn mit dem Fuß angriff, um ihn zu Fall zu bringen. So schnell wie er auf dem Boden lag konnte er nicht reagieren. „Sag mal spinnst du? Ohne eine Ankündigung auf mich loszugehen? Willst du mich umbringen?“ schimpfte er in ihre Richtung und erhob sich langsam vom Boden. Sofort brachte sie ihn mit einem weiteren Angriff auf die Matte zurück und informierte ihn: „Sofern ich das vorhätte, würde ich mir nicht so lange Zeit damit lassen, die ich besser nutzen könnte. Und nun steh auf und achte darauf, dass du nicht gleich wieder mit dem Gesicht auf dem Boden liegst. Konzentrier dich und fang an zu denken. Muskeln nützen dir hier nichts.“ Einen kurzen Moment sammelte er sich und beobachtete ihre Körpersprache genau. Noch einmal würde sie es nicht mit ihm machen. In gebückter Haltung, damit er auf allen Vieren war, hob er seinen Hintern hoch, um sich hastig erheben zu können. Dabei behielt er sie im Auge. Ihr Bein bewegte sich in seine Richtung und er stieß sich vom Boden zur Seite ab, um dort eine Rolle hinzulegen, bis er danach aufspringen konnte. Mit einem Lächeln sagte sie: „Geht doch. So und nun benutze den Verstand. Nutze deinen geschmeidigen Körper. Ein Muskelprotz kann sich nicht einmal am Rücken kratzen. Gewichte heben und Kämpfen sind zwei Paar Schuhe. Sei flink und nutze die Zeit, die dir zum Nachdenken bleibt.“ Nach diesem Satz stürmte Portia auf ihn los und er konnte gerade noch so auf Seite springen. Dies machte sie ungefähr zwanzig Mal mit ihm. Logischerweise tat sie das nur, damit er lernen würde auszuweichen. Diese Killerin hatte mit flinken Leuten eigentlich keine Probleme. Schließlich nutzte sie ihren Verstand. Da er es in diesem Moment ebenso tat, stärkte es sein Selbstvertrauen. Wenn er nur schnell genug reagiert hätte, wäre Sullivan nicht zum ersten Schlag gekommen. Doch da er nicht nachgedacht hatte, konnte er ihn verprügeln. Er hoffte, dass ihm dies nicht noch einmal passieren würde. In der nächsten Sekunde änderte Portia ihre Taktik und Luke spürte ihre Hand in seinem Gesicht. Allerdings war es eher ein liebevoller Klaps als ein harter Dämpfer. Verwundert blickte er sie an, worauf sie sagte: „Lass es niemals zur Gewohnheit werden. Jede Situation ist neu und du musst angemessen reagieren. Du warst nicht darauf vorbereitet. Konzentrier dich und lasse dich nicht ablenken. Sofern wir das damals in den Schlachten so gemacht hätten, wie du eben, wären wir alle sofort gestorben. Lass dir niemals die Zügel aus der Hand nehmen. Gib deinem Gegner nie eine Chance an dich heranzukommen. Bleibe flink und nutze endlich den Verstand.“ Erneut spürte er ihre Hand auf seinem Gesicht. Dieses Mal war es bloß fester und trotzdem dachte er, dass sie sich noch zurückhielt. Nach ein paar erfolgreichen Versuchen ihr auszuweichen, merkte Luke, dass Portia ihre Taktik änderte. Sie zog alle Register und forderte ihn zum Handeln auf. Sie trieb ihn mit ihren raschen Angriffen zur Wand zurück, bis er nicht weiter nach hinten ausweichen konnte. Mit einem schnellen Griff landete ihre Hand an seinem Hals und sie drückte sanft zu. Er genoss den Moment Ruhe, denn er konnte trotz ihrer Umklammerung noch ein wenig atmen und nutzte das aus, um sich erneut zu konzentrieren. Da sie ihn mit ihrer linken Hand fixiert hatte, war nur ihre rechte zu gebrauchen. Er konnte demnach mit seiner rechten Hand ihr Gesicht treffen, was sie in dieser Situation nicht so schnell abwehren könnte. Sie müsste ihn loslassen oder über ihren anderen Arm agieren. Daher war dies eine Chance, die er ergreifen sollte. Wie es ihm Toni beigebracht hatte, musste er flink sein, damit sie nicht sofort sieht, dass er einen Angriff startet. Wie beim Schwertkampf durfte er nicht so weit ausholen, um Schwung zu holen. Also zog er seinen Arm nach vorne hoch und erst kurz vor ihrer Wange in diese Richtung. Wie er es geplant hatte, ließ sie ihn los, um ausweichen zu können. Mit einem Lächeln lobte sie: „Weiter so.“ Das ging runter wie Öl, aber die Freude verging recht schnell, da sie erneut angriff und er abermals reagieren musste. Endlich ließ sie von ihm ab, schaute auf die Uhr und meinte: „Ich muss gleich los. Für heute hast du genug trainiert. Noch hast du es nicht drauf, allerdings bist du auf dem besten Wege dahin. Ich werde schon einen Krieger aus dir machen. Und nebenbei bringe ich dir bei, dass man seine Freunde und Familie nicht hintergeht und sich an Regeln halten sollte. Noch bist du nicht bereit für meine Fähigkeiten.“ „Aber ich kann sie doch nutzen. Warum sagst du so etwas?“ hakte er nach und griff nach einer Wasserflasche, um seinen Durst zu stillen. „Weil wir immer noch überlegen, ob wir unsere Kräfte auf die Kinder übertragen sollten. Die erste Generation hält sich an die Regeln und Grenzen. Es hat einige Zeit gebraucht, aber nun könnten wir sie mit ruhigem Gewissen in die Schlachten ziehen lassen. Doch ihr Kinder der nächsten Generation seid noch so grün hinter den Ohren. Ihr zieht euer eigenes Ding durch und bekämpft euch gegenseitig. Euch können wir nicht erlauben mit den Fähigkeiten in die Welt zu ziehen. Da schneiden wir uns in das eigene Fleisch.“ antwortete seine Großmutter und trank ebenfalls ein wenig Wasser. Im Gegensatz zu ihm schien sie überhaupt nicht erschöpft zu sein.
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