Zu Produktinformationen springen
1 von 3

Jeanny O'Malley

Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy 2 Die dritte Generation - Band 3 Verlangen des Mondes

Die Chroniken der Lichtkrieger - Legacy 2 Die dritte Generation - Band 3 Verlangen des Mondes

Normaler Preis €13,99 EUR
Normaler Preis Verkaufspreis €13,99 EUR
Sale Ausverkauft
Inkl. Steuern. Versand wird beim Checkout berechnet
Anzahl
Wir schreiben Ihre Widmung handschriftlich ins Buch.

Eine Kluft wurde in die Gemeinschaft der Lichtkrieger geschlagen. Freundschaften stehen auf dem Spiel. Die Seherin kann mit ihren Fähigkeiten nicht den Vollmondmörder erblicken. Das kann mehrere Ursachen haben. Im schlimmsten Fall kann es bedeuten, dass sie die Zukunft oder die Vergangenheit nicht erblicken darf, weil jemand aus dem engsten Kreis sterben könnte.

📖 Leseprobe
Prolog „Danke, dass du gekommen bist. Ich weiß mir keinen Rat mehr.“ sagte David Harris zu seinem Gegenüber. Sie saßen zusammen in einer ruhigeren Ecke einer Bar. Dort war neutraler Boden und niemand würde ihm etwas unterstellen, da er sich mit einem alten Freund getroffen hat. Er war außerhalb seiner Dienstzeit dort und daher konnte er sogar ein Bier trinken. Zwar war seine Frau gegen Alkohol jeglicher Art, aber sein Anliegen war kompliziert und könnte ihn selbst in Schwierigkeiten bringen. Die blauen Augen des Mannes mit den schwarzgrauen Haaren sahen ihn an und hatten ihn längst durchschaut, denn dafür war Ronald Crawford berüchtigt. Er konnte so gut Gesichter lesen und knifflige Aufgaben lösen, dass er bei der Polizei bekannt und sehr willkommen war. Mit seinen Analysen und der guten Kombinationsgabe hatte er schneller etwas herausgefunden als fünf Polizisten gleichzeitig. Sie hatten mal aus Spaß einen Escape Room besucht. Ronald alleine gegen einige Cops. Es war wirklich lustig, dass dieser Mann geschwinder durch den Raum kam, als die anderen. David seufzte und sagte: „Du weißt, dass es mich in Teufels Küche bringt, dass ich mich nun in meiner Verzweiflung an dich wende. Ich werde bald in den Ruhestand gehen und habe Enkelinnen, die in dieser verdammten Stadt in Gefahr sind. Kann ich mich auf dich verlassen, dass du mit niemandem über diese Unterhaltung sprechen wirst?“ „Du kennst mich. Wir sind seit Jahren befreundet und ich sehe dir an, wie schwer es dir im Augenblick fällt, mir überhaupt in die Augen zu blicken. Du glaubst sogar, dass es falsch ist. Was auch immer es ist, werde ich mit dir zusammen durchstehen. Wir finden eine Lösung.“ sagte Ronald und lehnte sich dabei vor zu ihm, damit sie im Flüsterton miteinander reden konnten. Nach einem großen Schluck Bier erklärte David: „Ich als Rechtsmediziner bin nur dafür da, um die Toten zu untersuchen und Beweise zu ermitteln. Für alles andere bin ich raus. Da übernehmen die Ermittler. Eigentlich sollte es mich nichts mehr angehen. Weder führe ich Befragungen durch, noch verhafte ich jemanden. Doch nun treibt ein Serienkiller in London sein Unwesen. Vielleicht hast du mal in der Zeitung darüber gelesen. Wir nennen ihn den Vollmondmörder. Die Opfer sind immer junge Frauen mit dunklen kurzen Locken. Ich habe die Opfer untersucht und meine Berichte in den Computer eingetragen. Hier würde mein Job enden. Doch nach zehn jungen Frauen, die meine Enkelinnen sein könnten, versuchte ich verzweifelt noch mehr zu finden. Zu denken wie er, ein Motiv zu erlangen und so weiter. Mein Kopf qualmt bereits, denn ich konnte keine Spur entdecken. Zweimal habe ich Hautpartikel unter den Fingernägeln gefunden. Bei dem ersten Opfer und bei der zweiten Frau. Wobei die zweite Frau kurz vorher noch Sex gehabt und wahrscheinlich den Rücken des Mannes dabei zerkratzt hat. Natürlich habe ich alles analysiert und in meinen Bericht geschrieben. Doch da ich die Fälle nun erneut aufgerufen habe, bin ich da auf was gestoßen.“ Mit erstaunten Augen wurde er von Ronald angeblickt. Doch er unterbrach ihn nicht. Daher erzählte er weiter: „Ich wollte auf eigene Faust ermitteln und habe mir noch einmal alles angeschaut. Mein Gedächtnis funktioniert noch gut und dadurch konnte ich sehen, dass die Daten bei dem ersten Fall und auch dem zweiten Opfer nicht mehr dem entsprachen, was ich in meinen Bericht aufgenommen hatte. Weißt du nun, worauf ich hinauswill?“ „Ja. Das einer deiner Kollegen korrupt oder selbst der Täter ist.“ meinte sein Gegenüber. Nun war der schwierigste Augenblick gekommen, denn David sah Ronald an und fragte: „Ist es dir möglich, die Ermittler selbst unter die Lupe zu nehmen? Du siehst es ihnen direkt an, ob sie was mit der Sache zu tun haben. Vielleicht kannst du den Chef fragen, ob du für ein paar Tage mit agieren könntest. Auf dich hört er und er vertraut dir. Du kannst bei Befragungen dabei sein und beobachten. Sag es keinem weiter, aber trotz deiner Seminare können meine Kollegen nicht so Gesichter lesen wie du.“ „Und du willst dich niemandem sonst anvertrauen im Kollegenkreis, da du nicht weißt, wem du intern noch vertrauen sollst. Verstehe ich vollkommen. In Ordnung. Ich versuche mein Glück.“ meinte Ronald und David atmete erleichtert auf. Kapitel 1 Ein dicker Kloß steckte schwer in Julias Hals. Sie lag auf ihrem Bett und starrte an die Decke. Das Verlangen in ihrer fruchtbaren Phase war zunächst gestillt, denn sie hatte mit Charleen Sex im Wasserbecken des Trainingszentrums der Lichtkrieger gehabt. So etwas war ihr zuvor nicht einmal im Traum eingefallen. Erstens nicht mit Frauen und zweitens nicht mit ihrer Freundin. Das war ein No-Go gewesen. Doch aufgrund ihrer sexuellen Bedürfnisse, die nur durch Befriedigung gelindert werden konnten, hatte sie dabei mitgemacht und Charleen nicht aufgehalten. Und dann hatte Luke sie beide dabei erwischt und sah bei ihrem Orgasmus zu. Am liebsten wäre ihr gewesen, wenn er sich ausgezogen, ins Wasser gesprungen wäre und ihr die Jungfräulichkeit genommen hätte. Denn eine Jungfrau war sie immer noch, da Charleen sich auf andere Stellen ihres Körpers konzentriert hatte. Sie sehnte sich nach diesem Mann, der ihr alleine mit seinen schönen Worten einen Höhepunkt besorgen konnte. Allerdings hatten sie Streit und daher verpasste sie die Zeit, um schwanger zu werden, die erst in zwanzig Jahren wiederkommen würde. Ihr Liebster wollte sie schützen und handelte folglich so wie Sullivan. Ihren Bruder konnte sie nicht verlassen, aber Luke. Deshalb war sie traurig darüber, dass sie ihn verloren hatte. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. So hieß es doch. Lieber direkt die Grenzen aufzeigen, bevor diese regelmäßig überschritten werden. Trotzdem sehnte sie sich nach ihm. Plötzlich hörte sie vor ihrer Zimmertüre hektische Aufregung. Es musste etwas passiert sein. Hastig sprang sie von ihrem Bett auf und ging aus ihrem Bereich. Dort teilte ihre Mutter mit: „Wir müssen nach Amesbury. Sullivan ist verletzt.“ „Was? Was ist denn geschehen?“ hakte sie nach und ihre andere Mutter schnappte sich die Handtasche, während sie erklärte: „Offenbar ist ein Streit mit Luke eskaliert und dein Bruder wurde mit einem Messer verletzt.“ Entsetzt sagte Julia: „Das kann nicht sein. Das glaube ich einfach nicht.“ Ihr Vater kam gerade aus der Küche und meinte: „Es stimmt. Benjamin war dabei. Zumindest in der Nähe. Luke hat ein Messer benutzt.“ Ein Gefühl, als ob sich der Boden auftat und sie verschlingen wollte, raubte ihr die Sinne. Konnte der Mann ihres Herzens tatsächlich so etwas Verwerfliches gemacht haben? Sie musste sich ernsthaft in ihm getäuscht haben. Eilig zog sie sich ihre Sandalen an und informierte ihren Dad: „Ich komme mit.“ Unterwegs im Auto saß Julia zwischen ihren Eltern. Es war ziemlich eng mit fünf Personen, allerdings würde sie später in dem anderen Wagen mit ihrem Bruder fahren. Es wusste noch niemand, ob Sullivan mit der Verletzung dazu in der Lage war. Verdammt, dachte sie, hatte Luke das wirklich getan? Wenn ja, weshalb? Nur aufgrund eines Streites oder war da mehr vorgefallen? Ging es um sie oder reichte eine Nichtigkeit um auszuticken? Ihr Vater sagte leise: „Mist. Wir haben bald Vollmond und ohnehin alle Hände voll zu tun und nun habe ich eine Nachricht bekommen, dass morgen Abend eine Versammlung stattfindet. Alles nur wegen Luke und der Attacke auf Sullivan. Quasi ein Strafgericht, was die Wahrheit herausfindet und das Strafmaß festlegt. Bisher haben wir so etwas nicht gebraucht. Das letzte Mal war in meinem eigenen Fall gewesen. Als ich zugab, der Vater von Leslies Zwillingen zu sein.“ „Ja, zum Glück haben wir seitdem nicht mehr so eine extreme Situation gehabt. Warum ist gerade in der letzten Zeit so ein Durcheinander?“ wollte Sam wissen. Megan seufzte und meinte: „Als Luke noch ein Kleinkind war, kam ich kaum mit ihm zurecht. Für mich war er der Teufel in Kindergestalt. Gleichwohl er danach eher ruhig und besonnen war. Ich kann mir echt nicht erklären, warum er unseren Sohn mit einem Messer angegriffen hat. Sollte doch der Teufel die Oberhand gewonnen haben?“ Julia musste etwas zu seiner Verteidigung sagen und erklärte: „Die beiden haben wegen mir gestritten. Vermute ich mal, denn ein anderes Thema brachte sie nicht so um den Verstand. Und ihr wisst, dass Sullivan manchmal austickt. Es erklärt zwar nicht, dass Luke ein Messer benutzt hat, aber ihr könnt ihn nicht schon vorher verurteilen, ohne die Fakten zu kennen.“ Ihre Mutter nickte und sagte: „Das ist richtig. Doch hatte ich das Gefühl, dass dein Bruder es ernst meinte, als er mir gesagt hat, dass er mit Luke vernünftig sprechen wollte. Vorhin ist er mit einem Lächeln auf dem Gesicht losgefahren.“ Irgendetwas war faul an der ganzen Sache. Julia ahnte nicht im Geringsten, was zwischen den beiden Männern vorgefallen war. Doch sofern Luke auf ihren Bruder losgegangen war, würde sie ihm dies nicht verzeihen. Vor dem Anwesen ihrer Großeltern hielt der Wagen an. Julia sah Seth bereits dort stehen, der wohl auf sie wartete. Hastig sprang sie aus dem Auto und fragte ihn direkt: „Ist es schlimmer als gedacht?“ Ihr Großvater schüttelte den Kopf und antwortete: „Nein. Ich möchte nur nicht den Streit mitbekommen. Morgen Abend bei unserer Verhandlung werde ich in beide Köpfe schauen. Und bis dahin möchte ich relativ unparteiisch sein.“ Das verstand sie und ging anschließend mit ihren Eltern ins Trainingsareal. Von weitem konnte Julia bereits vier verschiedene Haartypen ausmachen. Das Rotblonde, wie bei ihr, waren die von Luke. Die weißen Haare gehörten ihrem Bruder und die schwarzen Benjamin. Heather stand mit ihrer feuerroten Mähne ebenfalls dort und hatte Sullivan einen Verband um das Bein gemacht. Massig Blut war auf dem Boden erkennbar. Sie selbst wurde kaum wahrgenommen, da sich die Männer Schimpfwörter an den Kopf warfen. Plötzlich wurde Benjamin auf sie aufmerksam und winkte ihr zu. Sofort waren auch alle anderen Augen auf sie gerichtet. Luke wollte auf sie zugehen und stammelte: „Julia, ich muss dir was erklären.“ Sullivan rief: „Komm ihr nicht zu nahe du geisteskranker Irrer. Sonst springe ich trotz meiner Wunde auf und du wirst dich im Gips wiederfinden.“ „Julia, lass mich bitte erklären.“ bat Luke und sah sie mit seinen blauen Augen an. Sie schüttelte den Kopf und sagte: „Ich will gar nichts hören. Weder von dir noch von meinem Bruder. Mein Opa wird morgen die Wahrheit herausfinden und bis dahin will ich keine Entschuldigungen hören, denn ihr beide werft damit um euch, als wäre es Sand am Strand. Es tut euch immer leid und danach macht ihr weiter. Ich habe die Nase davon voll.“ Daraufhin drehte sie sich um und ging aus dem Trainingsbereich heraus. Ihr Weg führte sie zu dem Parkplatz, wo ihr Großvater an einem Baum gelehnt saß und in den dunklen Himmel starrte. Schweigend setzte sie sich zu Seth und griff nach seiner Hand. Nach einer Minute bat Julia: „Kannst du mir bitte einen Gefallen tun?“ „Alles!“ antwortete er und drückte sachte ihre Finger. Mit einem Seufzen erklärte sie: „Sobald du morgen in die Köpfe der beiden schaust, wirst du wahrscheinlich tiefer graben müssen. Und dann wirst du auch noch Bilder sehen, die dich eigentlich nichts angehen und mir peinlich sind.“ Bevor sie weiterreden konnte, unterbrach er sie: „Mich interessieren nur die letzten fünf Minuten. Was du zuvor mit den Beiden zu schaffen hattest, schaue ich mir nicht an.“ Leicht drückte sie seine Finger und meinte: „Falls die beiden wegen mir gestritten haben, da Luke in mich verliebt ist und wir eine Beziehung anfangen wollten, solltest du vielleicht doch etwas mehr wissen. Ich möchte, dass du den Kontext verstehst und daher nicht zu tief graben musst.“ „Du machst mir irgendwie Angst. Was habt ihr verbrochen? Nein, sage es mir nicht. Ich suche auch nicht nach mehr Infos in ihren Köpfen.“ sagte er und schaute in den Himmel. Allerdings wusste Julia, dass in den fünf Minuten bis zu der Attacke vielleicht nur Schimpfwörter gefallen sein konnten und daher doch weiter ausgeholt werden musste. Mit einem tiefen Atemzug erzählte sie: „Du weißt, dass Sullivan mich die letzte Zeit zu sehr behütet hat.“ Als ihr Großvater nickte, fuhr sie fort: „Luke und ich sind uns nähergekommen. Mein Bruder hat was dagegen, da er glaubt, dass Luke es nicht ernst mit mir meint, sondern nur scharf auf mich ist. Er hat uns beim Knutschen auf der Toilette erwischt und ist da bereits ausgetickt. Benjamin und Charleen sind dazwischengegangen. Luke und mich hat es enger zusammengebracht. Bei der Versammlung sagte ich noch, dass er und ich zusammen in London Wache halten. Doch danach wollte Luke genauso wie mein Bruder, dass ich in Sicherheit zu Hause bleibe. Das wünschte ich nicht. Sullivan war hiernach netter zu mir. Ich konnte merken, dass er mich loslassen will. Er hat mich zu einem Studenten begleitet und danach ließ er mich in Ruhe.“ „Ja. Ich habe deinen Bruder in London an dem Tag getroffen. Das weiß ich.“ sagte Seth und bewegte ein Bein. Julia schaute auf die Straße und erklärte: „Aber es gibt noch mehr. Ich wollte Luke ignorieren und bin gestern Nachmittag nach unserem Treffen normal nach Hause gefahren. Doch dann ist etwas passiert, auf das ich nicht stolz bin, was Luke vermutlich den Rest gegeben hat.“ „Will ich das hören?“ fragte ihr Großvater und sie nickte, bevor sie antwortete: „Ob du das willst, ist mir egal. Du wirst es wahrscheinlich sehen, da du weiter ausholen musst. Und das möchte ich nicht. Alleine die Tatsache es aus meinem Mund zu hören ist mir lieber, als dass du es mit eigenen Augen erblickst, sobald du in seinen Kopf schaust. Denn Seth, Luke hat mich gesehen, wie ich mit Charleen Sex hatte.“ Auf einmal hustete Seth und fragte dabei: „Was?“ „Ich hatte Sex mit Charleen. Ich weiß, dass ich das nicht hätte machen dürfen, aber es ist passiert. Und genau dies wird in Lukes Kopf zu sehen sein. Daher bin ich lieber jetzt ehrlich zu dir. Ich hoffe, du verstehst es und ich habe Licht ins Dunkle gebracht, bevor du tiefer graben musst. Nun begreifst du, was vielleicht der Auslöser war.“ sagte sie und irgendwie war es eine Erleichterung gewesen mit ihm darüber zu reden. Mit ruhiger Stimme erwähnte Seth: „Wir werden Luke bis morgen einsperren. Er kommt in die Dachkammer von unserem Haus. Er kann froh sein, dass er nicht in Tonis und Portias Folterkeller muss. Bei uns wird es wie ein Hotelurlaub. Heather könnte einen Bannzauber über die Türe legen oder ich vernebele sein Hirn, dass er nicht weglaufen möchte. Allerdings hat die Türe zum Dachgeschoss einen funktionierenden Schlüssel. Das sollte reichen. Ach ja. Handyverbot bekommt er obendrein. Und morgen Abend sehen wir weiter. Auch wenn Sullivan angefangen hat, ist es für Luke kein Grund gewesen zuzustechen. Egal wie heftig sie gestritten haben. Daher muss er zunächst seine Zeit im Arrest verbringen.“ „Das verstehe ich sogar. Ich danke dir, dass du mir zugehört hast und mich nicht für das verurteilst, was ich getan habe.“ „Das könnte ich nicht. Selbst wenn ich wollte. Keiner kann etwas für seine Gefühle. Da sind wir machtlos.“ meinte ihr Großvater und ließ daraufhin ihre Hand los. „Julia, lass uns nach Hause gehen. Würdest du mich bitte fahren?“ wurde sie auf einmal von ihrem Bruder gefragt, der hinter ihr den Weg entlang humpelte. Sein Bein war verbunden und er hatte nur seine Boxershorts an, da die andere Hose wohl kaputt war. Ihre Elternpaare gingen hinter ihm her. Luke wurde von Benjamin und Heather begleitet und schritt geradewegs ins Haus hinein. Trotzdem warf er ihr einen flehenden Blick zu, bevor sich die Türe hinter ihm schloss. Seth ging auf seinen Sohn zu und es sah aus, als wollten sich ihre Eltern noch mit ihm unterhalten. Also stand Julia vom Boden auf und ließ sich von ihrem Bruder den Autoschlüssel geben. „Ich will nichts hören. Keine Entschuldigung oder wie es passiert ist. Halte nur den Mund. Ich fahre dich nach Hause und dann kannst du dein Bein erholen. Tja, Glück gehabt. Zudem wirst du wohl in deinem Urlaub krank sein und hast somit die freien Tage aufgespart. So kannst du nicht bei Portia den Lehrer geben.“ bemerkte Julia, nachdem sie sich an das Steuer gesetzt hatte. Sullivan saß neben ihr und hielt sich das verletzte Bein fest. Nörgelnd erwähnte er: „Oma hat es nähen müssen. Als ihr gekommen seid, hat sie nur noch einen Verband angelegt. Doch da du nichts hören willst, schweigen wir uns an.“ In London parkte Julia das Auto und machte den Motor aus. Gerade als sie aussteigen wollte, fragte Sullivan: „Willst du mein Geheimnis hören, was ich dir verschwiegen habe?“ „Sofern es etwas mit Luke zu tun hat oder mir, dann spare dir die Puste. Du musst noch ein paar Schritte gehen.“ antwortete sie in einem gereizten Tonfall. Sie hatte es so satt, dass er immer einen auf Silberrücken machen musste, der sein Revier verteidigte. Dabei mochte sie Gorillas. Nur eben nicht die Tatsache, dass sich ihr Zwillingsbruder in einen verwandelte. Genau dies hatte ihn wahrscheinlich in diese Situation gebracht. Sein Problem und nicht ihres. „Ich liebe Charleen. Das ist mein Geheimnis. Als wir kaum Teenager waren, haben wir heimlich das Knutschen geübt. Sie ist meine Traumfrau und ich möchte mit ihr zusammen sein. Der Grund, warum ich es bis jetzt nicht verraten habe, ist der, dass ich es erst in trockenen Tüchern haben wollte. Wir knutschten vor einigen Tagen, aber mehr ist leider bislang nicht passiert. Schlimmer noch. Ich habe mit einer Kampfschülerin von mir geschlafen, die so aussieht wie Charleen. Zumindest von hinten. Jetzt kennst du mein Geheimnis. Die Liebe bringt einen um den Verstand. Ich habe niemals mit einer Schülerin schlafen dürfen. Schon gar nicht ausnutzen, weil sie ihr ähnelt. Und ich habe neulich Charleen bedrängt und war auf dem Wege mit ihr Sex zu haben. Mit Gewalt oder ohne. Es war ihre Entscheidung, ob sie mitmacht oder mich verprügelt. Ich habe sie quasi in die Enge getrieben. Das war falsch von mir. Für mich war eine Welt zusammengebrochen, als sie mir erzählt hat, dass sie auch auf Frauen steht. Demnach doppelt so viel Konkurrenz als vorher. Sie sagte mir sogar, dass sie ebenfalls auf dich steht.“ berichtete Sullivan, und Julia versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass sie mit dieser Frau sexuelle Erfahrungen gemacht hat. Das war doch etwas zu viel. „Da wir jetzt gerade ehrlich miteinander umgehen, magst du mir dein Geheimnis verraten?“ wollte ihr Bruder wissen. Mit einem heftigen Schlucken wollte sie den Kloß im Hals loswerden und versuchte lässig zu sagen: „Ich habe keine Geheimnisse.“ „Dann erkläre mir bitte, weshalb du mit Charleen geschlafen hast. Seid ihr nun zusammen?“ hakte er nach und seine Augen verrieten Traurigkeit. Ertappt fragte sie: „Woher willst du das wissen?“ „Luke hat es mir gesagt.“ antwortete er und starrte danach an das Autodach, weil er den Kopf zurückgelehnt hatte. Wütend schimpfte Julia: „Erstens frage ich mich, weshalb du ihm das glaubst. Zweitens hätte der Mistkerl das nicht sagen brauchen. Und drittens ist es einfach passiert. Bist du nun zufrieden? Wir sind nicht zusammen. Du kannst Charleen für dich haben, sofern sie will.“ „Es ist vorbei, bevor es angefangen hat. Ich habe sie nicht so behandelt, wie ich es hätte machen sollen. Obwohl wir geknutscht haben, ist nie mehr passiert. Aufgrund der Tatsache, dass sie mit dir Sex hatte anstatt mit mir, sagt mir längst, dass sie dich will und nicht mich. Wie oft zeigte ich ihr meine Liebe und sie hat mich abgewiesen.“ erzählte ihr Bruder, doch nebenbei sah er sie an und fuhr fort: „Verdammt Julia, ich wollte euch beiden zeigen, dass ich auch anders kann. Ich wollte mit Luke sprechen, um seine Seite der Story zu hören. Dann wollte ich zwischen euch beiden vermitteln. Ich mochte dich nicht so traurig sehen und ich konnte dir sonst nicht helfen. Sofern es geklappt hätte, wäre Charleen womöglich von mir beeindruckt gewesen und hätte mir eine Chance gegeben. Ich habe wirklich versucht mit Luke zu sprechen. Ich hörte mir ruhig an, was er zu sagen hatte. Fast tat er mir leid und ich konnte seinen Standpunkt nachvollziehen. Doch dann sagte ich ihm, dass er ein Idiot ist, weil er dich vergrault hat. Und in dem Moment hat er mir gesagt, dass er euch beim Sex gesehen hat. Da ist es mit mir durchgegangen. Ich habe ihn geschlagen, weil er dich in ihre Arme getrieben hat, wo ich sein wollte. Und dann hat er das Messer in mein Bein gerammt. Es ging so schnell, und ich habe keine Ahnung, woher er das Ding hatte.“ Einen Moment lang musste sich Julia sammeln. Es schien die Wahrheit zu sein. Natürlich würde Seth das ohne Frage herausfinden, allerdings klang seine Aussage richtig logisch. Selbstverständlich hatte Sullivan mit dem Kampf angefangen, aber Luke hätte sich mit seinen Fäusten wehren müssen und nicht mit einer Klinge. „Luke ist wahnsinnig. Ich denke, dass er absichtlich das Messer in seine Tasche gesteckt hat, da er wusste, dass es in einem Streit endet. Bitte halte dich von diesem Wahnsinnigen fern. Er ist nicht gut für dich. Es ist besser, wenn du auf mich hörst. Ich möchte nicht, dass du ansonsten in einer Beziehung endest, die für dich der Horror ist und du nicht entkommen kannst.“ bat Sullivan und griff nach ihrer Hand. „Ich kann für mich alleine denken und handeln. Du wolltest mich mein Leben selber bewerkstelligen lassen. Fang nicht schon wieder an mich zu bevormunden. Aber ich gebe dir recht. Von Luke habe ich zunächst die Nase voll.“ sagte sie und meinte es genauso. Luke hatte unfair gekämpft und das würde das Gericht der Lichtkrieger ebenfalls so sehen. Die Frage war nur, wie hoch die Strafe dafür angesetzt würde. Kapitel 2 Die Tatsache, dass der Sex zwischen Julia und Charleen nur so passiert war und es nichts mit Gefühlen zu tun hatte, hellte Sullivans Stimmung keineswegs auf. Seine Schwester wollte nichts von seiner Traumfrau. Das war der einzige Grund, die Hoffnung keinesfalls vollkommen zu verlieren. Sein Bein tat weh und er hoffte, dass sich diese Schnittwunde nicht noch entzündete. Schlimm genug, dass ein paar Nerven zerstört wurden und er nun nicht richtig in der Kampfschule unterrichten konnte. Egal ob Urlaub oder krank. Er würde zurück an die Arbeit gehen, denn zu Hause an Charleen denken wollte er nicht. Dann lieber nur für die Schüler den Sandsack festhalten und Anleitungen geben, die er auch mündlich vortragen konnte, anstatt es persönlich zu zeigen. Alles war besser, als Trübsal zu blasen. Es klopfte an seine Türe und sein Vater sagte: „Es ist an der Zeit. Wir wollen los.“ „Ich komme!“ rief Sullivan und stand langsam auf. Der Verband spannte und die Wunde tat beim Auftreten weh. „Verdammter Dreckskerl!" fluchte er und dachte dabei natürlich an Luke. Humpelnd brachte er die Strecke bis zur Haustüre hinter sich, wo zwei seiner Eltern auf ihn warteten. Die anderen beiden waren offenkundig mit Julia zu der Versammlung vorgefahren. Es sollten alle dabei sein. Benjamin war Zeuge, und er selbst das Opfer und der Kronzeuge zeitgleich. Sein Großvater wollte in seinen Kopf schauen. Er hatte nichts zu verbergen und daher fürchtete er sich keineswegs davor.
Vollständige Details anzeigen