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Die Chroniken der Lichtkrieger: Band 2 - Die Menschen

Die Chroniken der Lichtkrieger: Band 2 - Die Menschen

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500 Jahre vor Christus wurden 14 Menschen dazu auserwählt gegen das Böse zu kämpfen. Dazu haben sie besondere Fähigkeiten erhalten, die für jeden von ihnen einzigartig sind. Jeweils 7 Männer und Frauen, die zudem noch als Paare Seelenpartner sind, können ihre Kräfte vereinen, die eine außergewöhnliche Kraft entfacht zu dem kein einzelner alleine fähig ist. Sie müssen daher gegenseitig aufeinander achtgeben, damit niemand im Kampf stirbt. Jeweils 7 Krieger sind vom Mond abhängig und die anderen 7 von der Sonne. Ihre Kräfte funktionieren deswegen entweder nur am Tage oder in der Nacht. Sie können im Kampf getötet werden, jedoch sterben sie nicht am Alter oder einer Krankheit. Doch eine große Bedrohung schleicht sich durch ihre Reihen. Es gibt eine Weissagung, dass sie alle sterben werden. Einer von ihnen versucht dieses Schicksal zu vereiteln. Jedoch funktioniert es nicht so wie gedacht und die Lichtkrieger verlieren ihre Erinnerungen und zunächst auch ihre Fähigkeiten. Sie leben auf einmal in einer anderen Welt. Die Zukunft 2500 Jahre später. Doch sie sind nicht mehr fast unsterbliche Menschen, sondern teilweise zu anderen Wesen geworden, die nur in der Dunkelheit leben können. Sie bekämpfen sich gegenseitig, bis das Schicksal erneut zuschlägt.

📖 Leseprobe
Prolog Seit etwa fünfhundert Jahren, dem späten Mittelalter, gibt es seltsame Wesen, vor denen die Menschen Angst haben. Vampire und Werwölfe sind nur zwei Beispiele dafür. Woher sie kamen, weiß niemand. Natürlich, seitdem die Erdbewohner über Engel reden, sprechen sie noch von Dämonen, Teufel, Wechselbalge, Trolle, böse Geister und all solche Gestalten, vor denen sich gefürchtet wird. Eben seit jener Zeit bekämpfen sich all diese Wesen untereinander. Sie wissen aber nicht warum. Aus Furcht? Aus Habgier? Weil es schon immer so gewesen ist? Fünfhundert Jahre sind ja auch eine lange Zeitspanne. Und wenn wir uns teilweise nicht mehr an etwas erinnern, was vor zehn Jahren passiert war oder als wir Kinder waren, dann kann sich jede Person vorstellen, wie das nach Jahrhunderten ist. An glückliche Momente erinnern wir uns gerne, an das Alltägliche nicht. Doch das Einzige, was sogar in unserem Erbgut als Erinnerung gespeichert wird, ist die Angst. Wir fürchten uns vor Spinnen und wissen nicht unbedingt warum. Das nennt man den Fluchtinstinkt und der ist tief in uns verwurzelt. Und wenn unsere Eltern schon Angst vor etwas hatten, dann übertragen sie dies zwangsläufig auch auf uns. Daher kann es kommen, dass nach Jahrhunderten also niemand mehr weiß, warum Kriege geführt werden oder man manche Typen einfach nicht mag. Wir befinden uns jetzt in der modernen Zeit, Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Was vor zweitausendfünfhundert Jahren nahe Stonehenge passiert war, weiß heute niemand mehr. Auch nicht, zu was der Steinkreis damals benutzt worden ist. Es gab zwar einige Untersuchungen und Nachforschungen, aber vieles konnte man nur vermuten. Keine Menschenseele hatte in der heutigen Zeit jemals etwas über die Lichtkrieger gehört. Schon gar nicht von Naletia der Sonnenkriegerin, die auch Bannbrecherin genannt wurde. Sie hatte damals mit Hilfe einer Formel, Magie und dem Steinkreis versucht, ihre Freunde zum Leben zu erwecken. Doch es ging schief. Zweitausendfünfhundert Jahre waren vergangen und die Spuren von damals hatte bereits der Wind verweht. Kapitel 1 Der Wecker klingelte und Christine erhob langsam ihren Kopf von dem Kissen. Sie tastete verschlafen zu dem lärmenden Gerät neben ihr und bekam schon alleine von dem Geräusch wieder einmal Kopfschmerzen. Diese verdammten Schmerzen tauchten immer dann auf, wenn sie viel zu lang gearbeitet hatte. Das machte sie öfter und verfluchte sich anschließend dafür. Sie hatte es zwar nicht nötig für Geld zu arbeiten, denn davon hatte sie reichlich verdient, bevor sie beschloss, Archäologin zu werden. Obwohl sie wusste, dass man in dieser Sparte nichts bis wenig verdiente, je nachdem, ob man einen erheblichen Beitrag zur Wissenschaft beisteuern konnte, wollte sie es versuchen. Da sie sich sehr für Geschichte und alte Dinge interessierte, halt für all diese Sachen, die lange vor ihrer Geburt passiert waren, wollte sie dennoch Archäologin werden. Und so arbeitete sie jeden Tag an alten Scherben, Schriftrollen und solchen Sachen, nur um festzustellen, wann sie gemacht worden waren und wozu sie dienten. Den Vorabend verbrachte sie daher auch wieder in der Bibliothek und hatte sich viele Notizen gemacht. Und dies merkte sie nun an ihrem Kopf. Langsam richtete sie sich auf, stellte die Füße auf den Boden, hob den Kopf noch etwas weiter in die Höhe und bemerkte, dass der Schmerz im gleichen Rhythmus pochte, wie ihr Puls. „Das darf doch nicht wahr sein!“ murmelte sie vor sich hin und griff instinktiv zu einer der vielen Schmerztabletten, die sie in ihrem Nachtschränkchen verstaut hatte. Sie dankte dem Mann, der diese Wundermittel erfunden hatte, denn es war ein Segen für sie in all den Jahren gewesen. Mit einem Blick auf die Uhr stellte sie fest, dass sie noch etwas Zeit hatte, um auf die erste Wirkung der Tablette zu warten. Also legte sie den Kopf nochmals auf das Kissen und schloss die Augen. Sie überlegte, was an diesem Tag alles auf dem Programm stand. Sie würde in die Uni gehen, anschließend ins Museum, weil sie die eine Steintafel noch einmal ansehen wollte, dann abermals ein Besuch in der Bibliothek und hinterher wie gehabt die halbe Nacht am Computer sitzen. In London in der winzigen Wohnung zu leben, erschien ihr nur Mittel zum Zweck zu sein, denn sie hatte irgendwo zwischen dieser Großstadt und Stonehenge, ein eigenes Haus auf dem Land kaufen können. Es gehörte ihr bereits seit einigen Jahren. Dort fühlte sie sich sehr wohl und die Gegend war ansprechend. Bloß für ihren Wunsch mehr über die Geschichte herauszufinden, sollte sich London nun mal besser eignen. Da war alles vorhanden, was sie brauchte, um sich zu bilden. Und diese Stadt war sehr reizvoll. Dennoch zog es sie doch eher zum Land hin. Sie dachte nach, wann sie ihr eigenes Haus zum letzten Mal bewohnt hatte. Es war anscheinend ein ganzes Weilchen her gewesen, denn sie studierte jetzt schon zwei Jahre in London. Zuerst ging sie jedes Wochenende Heim. Dann einmal im Monat, um nach dem Rechten zu sehen. Aber seitdem sie immer tiefer in die Materie eintauchte, desto mehr vertiefte sie sich in den Büchern und der Arbeit. Und so stellte sie gerade in diesem Moment fest, dass es bereits Sommer war und sie an Weihnachten in ihrem Haus war. Es wurde mal wieder Zeit zu schauen, ob jemand bei ihr eingebrochen hatte. Obwohl sich vielleicht niemand für ihr spärliches Hab und Gut interessieren würde. Nach einem kurzen Nickerchen setzte sie sich aufs Neue hin. Das Pulsieren in ihrem Kopf war zwar immer noch da, aber schon ein wenig erträglicher geworden. Die Dusche konnte etwas warten, beschloss sie, denn das Wasser wollte sie nicht auch so bald auf ihrem empfindlichen Kopf spüren wollen. Also bereitete sie sich zunächst das Frühstück vor, bevor die Kopfschmerzen abgeklungen waren, dass sie sich doch nach einer erfrischenden Dusche sehnte. Christine saß in der U-Bahn und las ein Buch über Stonehenge. Dieser Steinkreis hatte sie schon immer fasziniert und sie wollte unbedingt bald mal dorthin fahren. Zwar war sie dort bereits öfter als einmal gewesen, aber als einfacher Tourist kam man da nicht mehr so nah heran. Allerdings bestand für sie als Archäologin die Möglichkeit, sich mit einer Genehmigung die Steine genauer anzusehen. Das war ihr angestrebtes Ziel und bald sollte sie es erreichen. Und auf dem Weg in jene Richtung könnte sie dann noch bei ihrem eigenen Haus einen Zwischenstopp einlegen. Plötzlich merkte sie in der Bahn eine Veränderung. Es war dieses blöde Gefühl, dass etwas Unangenehmes in der Luft liegen würde. Sie kannte ihr Gehirn inzwischen schon sehr gut. Es warnte sie vor Gefahr. Es ist so ähnlich, wie wenn man in einem großen Raum mit vielen Leuten steht. Alle reden durcheinander, dass man sich selbst fast nicht mehr verstehen kann. Irgendeiner am anderen Ende des Raumes sagt deinen Namen und auf einmal hörst du genau, was er über dich spricht. Und genauso verhielt sich ihr Gehirn auch bei Gefahr. Sie nahm irgendwoher ein paar Wörter wahr, die nicht an sie gerichtet worden waren, aber es handelte sich um solche Wörter wie: Hör auf du Arsch, lass mich in Ruhe, ich habe nein gesagt, gib mir dein Geld und so weiter. Auf jeden Fall wusste sie, dass es irgendwo in der Bahn Ärger gab, daher drehte sie sich instinktiv um und sah, wie ein Mann eine Frau belästigte. Da sie von Natur aus sehr hilfsbereit war, gerade in solchen Fällen, stand sie von ihrem Platz auf, ging zu der Frau hin und stellte sich zwischen sie und dem Kerl. Dies sollte erstmal reichen, um zu signalisieren, dass Hilfe da war. Nur keinen blöden Spruch gegen ihn richten, denn das würde ihn nur noch weiter anstacheln. Einfach ihm in die Augen sehen, und anhand des Blickes bereits verdeutlichen, dass es nicht schön ist, was er machte. Christine wollte ihn nicht provozieren, denn das bedeutete meistens noch mehr Ärger. Auf der einen Seite mochte sie der Frau sagen, dass sie sich woanders hinsetzen sollte, oder aber bei nächster Gelegenheit aussteigen, jedoch behielt sie den Feind fest mit ihren Augen verankert. Sie würde jede Muskelbewegung sehen und erkennen können, was er machen wollte. Auf einmal sagte der Kerl: „Was mischst du dich hier in meine Angelegenheiten ein?“ Christine hielt sich ihr Buch vor den Bauch, die Arme darüber verschränkt, dass sie signalisieren konnte, dass sie nicht angreifen würde und antwortete gelassen: „Es ist auch meine Angelegenheit. Die Dame hat nein gesagt, und wenn du nicht darauf hörst, dann geht es mich wohl etwas an.“ Inzwischen versammelten sich noch mehr Personen um die beiden herum, die auf ihrer Seite waren und somit ihre Hilfe anboten. Dies reichte aus, dass der Kerl schnell an der nächsten Haltestelle ausstieg. Erleichtert atmete Christine aus. Sie bedankte sich bei den anderen Leuten und nickte der Frau lächelnd zu. Manchmal reicht es aus, wenn eine Frau den Mut besitzt einzugreifen, um andere Menschen zu animieren, es ihr gleichzutun. Und so wurde ohne eine Schlägerei eine Gefahr eliminiert. Klar berichtete sie der Polizei noch von dem Vorfall und gab eine Täterbeschreibung ab. Dies machte sie immer, denn vielleicht war er gefährlich und könnte sich auch ein anderes Opfer suchen. Aber solange sie in der Nähe war, würde sie nicht zulassen, dass jemand verletzt wurde. Als sie auf der Straße ging, kam in der stickigen Luft der Stadt doch tatsächlich ein unbedeutender Windstoß angerast. Eine kurze Wohltat in der Hitze. Ihre kleinen braunen Locken wirbelten ihr vor den Augen herum. Auf der einen Seite nervte es sie, trotzdem liebte sie ihre Locken. Und wenn die Haare zu lang wuchsen, dann zogen sie sich meistens glatt. Und das fand sie, passte nicht wirklich zu der Form ihres Gesichtes. Ein knapper Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie nicht so lange trödeln sollte, denn sie hatte sich wirklich sehr viel vorgenommen. Durch die Anzeige bei der Polizei hatte sie bereits nützliche Zeit vergeudet. Obwohl einen Kerl anzuzeigen, damit er seine gerechte Strafe bekommen würde, war doch sehr viel Zeit mehr wert, als dass sie ihrer Arbeit nachging. Sie musste an einer Kreuzung warten, bis sie über die Straße gehen konnte. Auf der anderen Seite sah sie ein Plakat. Sie wusste nicht genau, für was da gerade geworben wurde, aber der Mann auf dem Bild sah unglaublich gut aus. Nicht unbedingt so gut, denn es gab durchaus Typen mit einem hübscheren Gesicht. Allerdings hatte dieser Kerl irgendwie so eine Ausstrahlung, dass er ihr sehr zusagte. Er sah ziemlich jung aus, aber seine Haare waren so hell, dass es aussah, wie etwas zwischen Grau und Weiß. Dazu hatten diese grünen, strahlenden Augen halt irgendwas Magisches. Sie schüttelte den Kopf und dachte sich, dass er ein Model ist und sie ihn niemals kennenlernen würde. Da stand ja leider kein Name darunter und erst recht nicht, wo man ihn finden könnte. Ganz davon abgesehen hatte sie keine Zeit für einen Mann und auch kein Interesse mehr. Im Laufe ihres Lebens hatte sie schon viele Kerle kennengelernt und bei den meisten herausgefunden, dass sie kaum zu ihr passten. Daher hatte sie längst aufgehört nach einem Mann zu suchen, denn ihre Zeit konnte sie sinnvoller gestalten. Trotzdem blieb ihr Blick erneut an dem Plakat kleben, als sie über die Straße gegangen war. Fast wäre sie mit einer Frau zusammengestoßen, aber ihre Augen funktionierten ausgezeichnet im peripheren Sehen. Und ihre Reflexe waren auch noch einwandfrei, dass ihr Hirn es schaffte, ihre Füße mit einem Hüftschwung, noch in eine andere Richtung zu lenken. Ein Typ pfiff ihr hinterher. Ob das daran lag, dass sie ihre Hüfte so graziös bewegt hatte, oder lag es eher an der sehr kurzen Hose und dem T-Shirt, was sie anhatte? Trotzdem gab das einem Mann immer noch nicht das Recht zu pfeifen. Es war halt ein heißer Sommer, und sie konnte sich ja schließlich nicht noch mehr ausziehen, um sich abzukühlen. Sonst liebte sie die warme Sonne auf der Haut, zumindest im Winter, Frühling, und nicht zu vergessen im Herbst. Und früh morgens im Sommer, wenn es noch etwas kühler nach der Nacht war. Außer natürlich in tropischen Nächten. Sie musste selbst über ihre Gedankengänge schmunzeln und ging weiter die Straße entlang. Als sie an der Uni angekommen war, da traf sie ihren Mentor auf dem Gang. Dieser begrüßte sie mit einem Lächeln und sagte: „Christine, ich habe gute Nachrichten für dich. Du darfst mit an einer neuen Studie arbeiten und dafür nach Stonehenge fahren. Das hast du dir doch schon immer erhofft.“ Sie schaute ihn mit erstaunt aufgerissenen Augen an und fragte: „Wie konnten sie das denn so schnell organisieren? Ich bin noch lange nicht so weit. Ich studiere erst zwei Jahre.“ „Aber du bist fleißig und hast dir inzwischen reichlich Wissen angeeignet. Ich kenne kaum jemanden, der so strebsam ist, wie du. Und da nun wieder einige Wissenschaftler den Steinkreis unter die Lupe nehmen wollen, da dachte ich mir, schlage ich dich dafür vor auch mitzugehen. Zwar nur für die kleineren Arbeiten und Katalogisieren, trotzdem wärst du nah genug am Geschehen.“ antwortete er und schaute sie dabei über den Rand seiner dicken Hornbrille an. Sie hätte ihm um den Hals fallen können vor Freude, aber wenn sie eines in der Vergangenheit gelernt hatte, dann, dass die Männer solche Gesten durchaus missverstehen konnten und auch andere Leute, die dies beobachteten. Darum lächelte sie ihn nur mit einem breiten Grinsen an und hauchte leise: „Dankeschön! Ich gebe mein Bestes.“ Auf dem Weg zum Hörsaal hatte Christine das Gefühl zu schweben. Nach längerem Warten würden ihre Fragen möglicherweise beantwortet werden. Sie könnte endlich mal mit einigen Wissenschaftlern und Archäologen über den Steinkreis sprechen, und ihre eigene Theorie in den Raum stellen. Womöglich war ihre Idee gar nicht so schlecht, dass die Steine nicht nur ein Kalender waren, sondern ein Portal für besondere Kräfte. Schließlich wurden die Megalithe irgendwann mal zerstört und es war nichts mehr so erhalten, wie noch vor Jahrhunderten. Leider wurde kaum etwas für die Ewigkeit gebaut. Obwohl manche Bauwerke eben für diesen Zweck erschaffen worden sind. Jedoch haben der Zahn der Zeit und viele Kriege ihr Übriges getan. So konnten die Wissenschaftler nicht mehr alles erkennen und nur das Portal, was die Sommersonnenwende anzeigt, war erhalten. Aber die anderen Funktionen vielleicht nicht mehr. Sie hatte sich seit geraumer Zeit so viele Gedanken darüber gemacht, dass sie es kaum abwarten konnte, endlich loslegen zu können. Und unter Umständen sollte sie ja recht haben, und dann könnte sie sogar auch Beweise dafür finden. Sie war so aufgeregt wie schon lange nicht mehr. Zwar hatte sie erst auf dem Weg zur Uni eine Frau vor einem Widerling gerettet, bloß hatte sie da nur etwas Adrenalin in sich gespürt. Dies war aber eine glückselige Aufregung, die man vielleicht hat, bevor man als Braut zum Altar geht. Zumindest stellte sie es sich so vor, denn sie hatte bisher nie das Glück gehabt, einmal diesen Weg als Frau zu bestreiten. Kapitel 2 „Bitte in die Kamera lächeln. Und gleich noch einmal ein ernstes Gesicht. Und nun noch eines für das Titelbild.“ hörte William von dem Fotografen vor sich, der mit seinem Blitzlichtgewitter versuchte, ihn so gut wie möglich auf den Fotos festzuhalten. William gab sich alle Mühe, um außerordentlich gut auszusehen. Er selbst fand sich nicht gerade besonders hübsch. Also eher kein Geschenk Gottes. Aber die Frauen liebten ihn, weil er so groß war, Muskeln hatte und seine grünen Augen wie Smaragde leuchteten, sowie sie unter seinen fast weißen Haaren hervorblitzten. Er sah schon immer so aus, doch wenn die Ladys so sehr auf ihn abfuhren, wehrte er sich nicht gegen die allgemeine Meinung. Eine Frau kam nah an ihn heran, frischte sein Make-up auf und sagte: „Gleich geht es weiter.“ Er hielt ihr sein Gesicht hin, versuchte nicht zu nicken und konnte sich noch nicht einmal bedanken, denn es sollte schnell gehen. Zeit ist Geld. Kurz darauf ging es schon wieder los, dass er in die Kamera schauen musste, einmal freundlich aussehen sollte, dann sexy und später mit einem bösen Blick auffallen. Er mochte manche Posen einfach nicht und verdrehte innerlich die Augen. Was die Leute sexy fanden, beeindruckte ihn nicht im Geringsten. Aber es war sein verdammter Job und er verdiente damit gutes Geld. Er musste in diesen Klamotten fotografiert werden, die den Frauen der Welt zeigen sollten, wie gut er gebaut war. Sein weißes Hemd war offen und der Bauch, sowie die Brust waren zu sehen. Mit einem schwarzen Hemd wäre seine Haut viel zu hell. Sie wollten ja keinen Vampir ablichten. Die Hose war eine enge blaue Jeans, die seine Hüfte nur dürftig bedeckt hielt. Würde er sich etwas mehr bewegen, hätte dieses Stück kaum eine Chance an seinem Platz zu bleiben, so knapp war sie bemessen. Beinahe eine Stunde später musste William nach dem Shooting auch noch ein Interview geben. Wie er das hasste. Wieder tupfte ihm die Dame aus der Maske das Puder ins Gesicht und die Reporterin sagte dem Fotografen, wie sie sich die Bilder vorstellte, die mit ihr zusammen geschossen werden sollten. Diese blöde Kuh ihm gegenüber würde bald die gleichen Fragen stellen, wie schon viele Frauen vor ihr. Eben nur einfacher oberflächiger Kram, der für ihn nicht von Bedeutung gewesen war. Solche Befragungen ließ er bereits öfter über sich ergehen. Dies würde er gleichermaßen hinter sich bringen. Die Reporterin hielt ihm das Diktiergerät vor die Nase und fragte: „Wie ist das für sie, so ein begehrter Mann zu sein. Bald stehen sie bestimmt auf der Liste für den sexiest man alive.“ Er ahnte es. Die erste bescheuerte Frage dieser aufgetakelten blöden Kuh. Doch er wusste sich zu benehmen und antwortete höflich, wie er es ebenso bei den anderen Interviews getan hatte: „Ich lebe halt mein Leben weiter wie bisher auch. Es gibt da für mich keinen Unterschied, ob ich nun als Model arbeite oder als Tellerwäscher, wobei ich schon beides getan habe. Es ist ein Job, und wenn Frauen mich anziehend finden, dann kann ich da nichts dafür. Bereits als Tellerwäscher wollten viele von ihnen mit mir ausgehen. Aber das setzt mich wohl kaum mit auf die Liste, die so zahlreiche andere Männer und Schauspieler für sich beanspruchen.“ Vor ihm schmolz die Reporterin fast dahin bei seinen Worten, dabei waren die doch nur so daher gesagt. Er hasste es wirklich, aber er brauchte das Geld. „Sind sie verheiratet oder vergeben?“ fragte sie neugierig. Und wieder so eine nervige Frage. Am liebsten hätte er Interview-Bingo gespielt. Man schreibt die häufigsten Dinge auf, die die Leute wissen wollen, alles, was man bereits mehr als einmal gehört hat, und wenn eine solche Frage kommt, streicht man diese. Und wer zuerst den Zettel komplett hat, der kann Bingo rufen. Mit Ruhe antwortete er lächelnd: „Nein, ich bin derzeit Single und hoffe, dass ich bald der richtigen Frau begegne.“ Und das war noch nicht mal gelogen. Er hatte schon viele Frauen gehabt, aber nicht mit einer von ihnen hat er es länger als ein paar Tage ausgehalten. Die Reporterin setzte sich anders hin, sodass sich ihre Bluse etwas weiter für ihn öffnete, und lächelte ihn an. In Ordnung dachte er, vielleicht sollte er die Bingo-Regeln erweitern und mit Gesten ergänzen. Diese Weiber, die meinen, dass Männer nur auf Brüste scharf sind, kotzen ihn sowas von an. „Wie soll denn die perfekte Frau für sie sein?“ Am liebsten hätte er Bingo gerufen, und wäre dazu mit seinem imaginären Zettel winkend und lachend durch den Raum gerannt. Doch dann sagte William mit professioneller Miene: „Das weiß ich, wenn ich ihr eines Tages begegne. Ich kann nicht sagen, wie sie aussehen soll oder welche Kleidung ich gerne an ihr sehen mag. Ich muss sie ansehen können und genau wissen, dass es die eine ist, auf die ich gewartet habe. Bisher hatte ich das Gefühl noch nie gehabt.“ Sofort hörte die Reporterin auf zu lächeln, weil sie anscheinend die Andeutung verstanden hatte, dass er dieses Gefühl nicht bei ihr hat. Auch setzte sie sich nochmals so hin, dass die Bluse wieder alles verdeckte und innerlich grinste William. Er hoffte auf eine Frage, die er noch nie gehört hatte. Anschließend sah sie ihn an und fragte: „Lesen sie Bücher?“ Da öffnete er die Augen zu einem erstaunten Blick. Das war neu. Und irgendwie war es ihm peinlich, dass er tatsächlich eine Leseratte von Liebesromanen war. Sollte er seine heimliche Leidenschaft verraten? Nicht nur sie würde es dann wissen, sondern auch all ihre Leser und seine Fans. Er hatte sogar eine Lieblingsschriftstellerin. Viktoria Wilkes war für ihn die beste Autorin, die es gab. Sie konnte so schreiben, dass es ihn in ihren Bann zog. Bei jedem ihrer Romane war er so gefesselt, dass er so tief darin versunken war, als ob er selbst in dem Werk gefangen war. Die Reporterin riss ihn aus seinen Gedanken und sagte: „Ich habe ihnen eine Frage gestellt. Über Bücher.“ Er räusperte sich kurz und antwortete: „Ich habe mal ein paar Bücher gelesen, aber nun habe ich kaum noch Zeit dazu. In der Hinsicht bin ich bestimmt wie jeder andere Mann auch.“ Und dies war eine waschechte Lüge. Er war besessen von diesen Liebesromanen, denn da betrat er eine Welt, in der er nur allzu gerne leben würde. Dort funkelte in ihm ein kleines romantisches Feuer. Daher hatte er gesagt, dass er die perfekte Frau erkennt, sobald er sie sieht. Kitschig ohne Ende, jedoch sehnte er sich genau danach. Nach dem Interview sah die Reporterin ihn an und er wusste, was kommen würde. Mit leuchtenden Augen übergab sie ihm auf einem kleinen Zettel ihre Telefonnummer und sagte: „Falls du doch mal Lust hast auf ein nettes Abenteuer. Auch wenn ich nicht die perfekte Frau bin, aber die sind meistens nicht so unartig.“ Dann knurrte sie ihn ein wenig an, als ob das für ihn sexy sein sollte. Er nahm den Zettel an sich, auch wenn er ihn keine fünf Minuten später in den nächstbesten Mülleimer werfen würde. Aber damit verhinderte er, noch unnötig weiter von ihr belästigt zu werden. Er hasste diese Frauen, mit ihren unnatürlich geformten Lippen, künstlichen Brüsten und der ganzen Farbe im Gesicht. Kurz darauf war er in dem kleinen Raum, in dem er sich umgezogen hatte. Er war froh im nächsten Moment aus dieser engen Jeans zu steigen, um seine lockeren Shorts anzuziehen. Zaghaft klopfte es an der Türe. Als er diese öffnete, sah er die nette Frau von der Maske vor sich stehen. Sie lächelte verlegen und sagte: „Es kann sein, dass ich hier noch etwas vergessen habe. Darf ich kurz nachsehen, ob mein Ring an diesem Ort herumliegt? Er gehörte meiner Oma und ich trage ihn immer. Nur wenn ich arbeiten muss, dann stört er ein bisschen. Ich weiß halt nur nicht, ob er hier liegt.“ William ließ sie in den Raum kommen und sah sie sich genau an. Sie war eine natürliche Frau, ohne viel zu viel Make-up im Gesicht, keine künstlichen Merkmale und ein sehr sympathisches Lächeln. Dazu diese nette Geschichte mit dem Ring der Oma. Er kaufte ihr die Story ab, dabei wollte sie bestimmt das Gleiche, wie die anderen Frauen zuvor. Sie tat so, als ob sie den Tisch absuchte, und hielt ihm auf einmal einen Ring voller Freude entgegen. Ob das nur ein Spiel war, oder ob sie die Wahrheit sprach, spielte in dem Augenblick für ihn keine Rolle mehr. Er würde herausfinden was sie wollte. Langsam schritt er auf sie zu und berührte ihre Wange mit seiner Handfläche. Sie öffnete leicht den Mund und schloss die Augen. Das reichte ihm als Zeichen. Unverzüglich küsste er sie und seine Hände wanderten zu ihren Brüsten, die sie ihm sehnsüchtig entgegenstreckte. Sie knöpfte ihm die enge Jeans auf, die er sowieso ausziehen wollte. Und wie er schon vermutete, war der winzige Knopf das Einzige gewesen, was den Stoff daran hinderte, augenblicklich von seinem Hintern zu rutschen. Darunter war er nackt. Man würde definitiv den Rand eines Slips auf den Fotos sehen, wenn er einen angehabt hätte. Sie zog ihn mit sich zu dem Tisch hinter ihr und setzte sich darauf. Als sie die Beine spreizte, bemerkte er, dass sie unter dem Rock auch nichts trug. Sie war auf alles vorbereitet und hatte sogar an Kondome gedacht. Sofort hatte sie eines zur Hand. Und als er sie dann auf dem Tisch nahm, krallte sie sich in seinem Hintern fest, bis sie kam. Etwas später fuhr William mit seinem Leihauto nach Hause. Er hasste sein Leben. Schon wieder hatte er diesen gefühllosen Sex gehabt. Immerhin standen die Frauen auf ihn und er wies immer nur die Weiber ab, die in ihm einen Brechreiz auslösten. Die anderen vögelte er der Reihe nach durch. Er war ja so ein Arsch gewesen all die Jahre über. Wie konnte es sein, dass ausgerechnet solch ein Bastard sich ein Leben mit nur einer einzigen Frau wünschte und sich in romantischen Büchern vertiefte? Das passte nicht zusammen. Ab sofort wollte er es nicht mehr. Diese Dame von der Maske, deren Namen er nicht einmal kannte, sollte die Letzte sein, die er einfach so dazwischen vernaschte. Er schwor sich noch auf der Fahrt im Auto, dass er die nächste Frau nett um eine Verabredung bitten würde, sie essen gehen, vielleicht tanzen oder spazieren gehen. Und erst nach einigen weiteren Dates dürfte er sie flachlegen. Wahrscheinlich war das die einzige Möglichkeit, mal an eine Frau zu kommen, die einzigartig war und tatsächlich sein Leben bereichern würde. Doch wie lernte man eine Frau kennen, wenn man sie nicht direkt vernascht oder sie einem von selbst an den Hals springt? Schließlich fragte er sich, wofür es sich lohnt, überhaupt zu leben. Er hatte keine Familie, keinen besten Freund, keine Frau, die er liebt, oder eher gesagt, die ihn liebt und nicht nur seinen Körper will. Und er hatte einen von zahlreichen Jobs, die ihm alle keinen Spaß machten. Was hatte ihm das Leben denn noch zu bieten? Was wäre, wenn er das Auto gegen einen Baum lenken würde? Würde irgendjemand ihm nachtrauern? Vielleicht jemand seiner Fans. Aber dieser kurze Schmerz geht auch schnell vorbei, spätestens dann, sofern sie sich ein weiteres Objekt der Begierde ausgesucht hätten. Er war ja auch nicht so bekannt wie andere männlichen Stars. Er würde noch nicht einmal in die Bücher kommen, die immer mal wieder geschrieben werden, über Stars, die viel zu jung gestorben waren. Also würde sich auch in ein paar Jahren niemand mehr an ihn erinnern.
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