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Jeanny O'Malley
Ahnenforschung mit Sherlock Holmes
Ahnenforschung mit Sherlock Holmes
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Es gibt Geheimnisse, die besser unter Verschluss bleiben sollten.
Klara war schon als kleines Kind ein Fan von Sherlock Holmes. Als Single hatte sie Zeit, um sich mit Ahnenforschung zu befassen. Ein Familienerbstück soll Aufschluss über ihren Ururgroßvater geben, der unbekannt ist. Eine Schnitzeljagd zu verschiedenen Orten beginnt. Unterstützung bekommt sie von ihrem besten Freund Hans, der schon lange in sie verliebt ist. Er ist ebenfalls Fan des großen Detektivs. Finden sie mehr als nur Hinweise?
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Prolog
Mein Name ist Klara. Ich wurde, so sagte man es mir, nach meiner Urgroßmutter benannt. Ich bin 1980 in der Nähe von Bonn geboren. Warum ich das erwähne? Jahreszahlen und Namen sind zu meinem Lebensinhalt geworden. Doch dazu später, denn ich muss etwas weiter ausholen.
Als ich klein war, hatte ich eine enorme Fantasie und liebte Abenteuer. So oft schon hatte ich von den spannenden Fällen des Sherlock Holmes gehört. Ich wollte unbedingt Detektivin sein. Danach kam die Zeit, in der ich Archäologin werden wollte. Ich mochte alte Sachen. Zudem im Dreck buddeln. Hauptsache irgendwas mit Abenteuern. Natürlich war das alles durch die Filme geprägt, die in meiner Jugend im Kino zu sehen waren. Ein Drehbuch war besser als das andere. So verlor ich mich in meiner Jugendzeit in diesen Geschichten.
Meine kleine Schwester liebte es, mit mir in der Fantasie etwas Aufregendes zu erleben. So streiften wir durch die Wälder, erkundeten erfundene Sachen und spielten Sherlock Holmes und Dr. Watson. Natürlich auf unsere eigene spezielle Weise. Wir waren damals zu klein, um einen Film darüber gesehen zu haben oder es gelesen. Daher lasen wir nur in der Fernsehzeitung, dass es den Hund von Baskerville gab, und dachten, es sei der Hund des Detektivs gewesen. In ihrer Fantasie verwandelte sich meine Schwester von Dr. Watson in einen Hund, ähnlich wie ein Werwolf, und jagte somit die Verbrecher. Ja, wir waren schon verrückt, aber es machte Spaß.
Später schaute ich sämtliche Filme von Sherlock Holmes an und las die Bücher. Es faszinierte mich immer mehr. So sehr, dass ich mit 16 Jahren nach London flog und in das Museum ging, was in der Baker Street extra für ihn eröffnet wurde. Ein Pflichtprogramm für alle Fans.
Mein erlernter Beruf war leider nur staubige Büroarbeit. Nichts Spannendes, außer ab und zu mal verärgerte Leute, denen etwas nicht schnell genug ging. Mein Verstand verkümmerte so langsam von dieser Arbeit, die mir keinen Spaß mehr machte. Daher wollte ich meine Zeit außerhalb des Jobs sinnvoll zu nutzen, indem ich versuchte, etwas Kreatives in mein Leben zu bringen. Ich wäre doch lieber Detektivin oder Archäologin geworden. Warum hörte ich auch auf meine Mutter, die mir sagte, dass das eine kein Geld bringt und das andere zu gefährlich wäre? Abenteuer erlebte ich somit nur in Computerspielen, im Fernsehen oder in Büchern.
Dann kam der Tag im Jahre 2015, an dem sich mein Leben veränderte und sich meine beiden Berufswünsche kombinieren ließen, denn meine Neugierde war geweckt. Und nicht nur das.
Kapitel 1
Der erste schöne Tag im Jahr und ich betrachtete meine Hände, die durch die Stacheln der Brombeeren wund waren. „Ich danke dir, dass du mir im Garten hilfst. So langsam wächst mir das Unkraut über den Kopf. Ich bin nicht mehr so fit wie früher.“ sagte mein Vater, richtete seinen Rücken auf und hielt ihn mit den Händen fest, als ob er Schmerzen hatte. „Das ist doch kein Thema. Ich habe Zeit genug. Und solange nicht schon wieder die Winterzeit angebrochen ist, habe ich keine anderen Hobbys als Häkeln und Filme schauen. Und da Mama sich jetzt noch um Oma kümmert, kannst du wirklich jede Hand gebrauchen.“ erwähnte ich und bückte mich nach den lästigen Brombeerablegern. Das Zeug wucherte schlimmer als alles andere. Sicherlich war dies die Dornenhecke im Märchen. Und in dem großen Garten gab es massig von diesem Zeug. Alleine gegen diese Dornen anzukämpfen war fast unmöglich. Wir hatten einen Tag im Frühling erwischt, an dem die Vögel noch keinen Platz für den Nestbau suchten, trotz des auf einmal warmen Wetters. Zum Glück konnten wir durch das Unkraut sehen, ob dort bereits ein Nestbau begonnen hatte. Wenn die lästigen Dornensträucher ohne Bewohner waren, so schnitten wir sie vorsichtig ab.
Mit einem Zwinkern meinte Papa: „Du solltest lieber die Wochenenden irgendwo verbringen, wo es tolle Männer gibt. Du kannst nicht ewig alleine bleiben.“ „Ich bin nicht ewig alleine. Immerhin hatte ich eine lange Beziehung. Nur weil ich gerade keinen Mann habe, heißt es nicht, dass ich mir unbedingt einen suchen sollte. Zerbrich dir nicht meinen Kopf. Mein Bedarf ist zunächst gedeckt.“ entgegnete ich. „Wie du meinst. Es ist dein Leben. Trotzdem bist du noch jung und musst doch nicht jedes Wochenende hier helfen.“ sagte er und nahm den Spaten in die Hand, um weiter zu arbeiten. Dafür bewunderte ich ihn. Seine Haare waren schon leicht grau, trotzdem konnte man immer noch die ursprüngliche Haarfarbe erkennen. Sie waren ebenso dunkel wie meine. Zudem leuchteten seine blauen Augen unter den Strähnen in der Stirn hervor. Diese Farbe habe ich anscheinend von ihm geerbt. Wahrscheinlich noch mehr, wie zum Beispiel die Ausdauer im Garten und die Geduld. Obwohl ich auch in manchen Dingen sehr ungeduldig sein konnte.
Meine Hände waren von den Brombeeren schon zerstochen. Wie konnte das Zeug nur so lästig sein? Ich hatte Durst und ging in das Haus, um mir eine Erfrischung zu nehmen. Dort saß meine Oma im Wohnzimmer, die von meiner Mutter zu sich geholt wurde, damit sie diese besser pflegen konnte. In dem hohen Alter kam der Starrsinn bei ihr durch. Niemals wollte sie in ein Heim, da sie sich nicht von fremden Menschen anfassen lassen wollte. Das lag wohl an ihrer Vergangenheit. Sie musste im zweiten Weltkrieg aus Ostpreußen fliehen und hat gesehen, wie Frauen vergewaltigt wurden und sonstige andere schlimme Dinge, über die sie nicht sprechen wollte. Von daher konnte ich das verstehen. Meine Oma war Jahrgang 1920. Mit 95 Jahren darf man auch mal was vergessen. Irgendwie dachte ich in solchen Momenten immer daran, dass meine Mutter mit 65 Jahren obendrein nicht mehr so fit und durchhaltefähig war. Ich selbst stand mit 35 Jahren mitten im Leben, welches eher langweilig war.
Mit müden Augen blickte mich meine Oma an und fragte: „Was macht denn dein Mann?“ „Ich habe aktuell keinen. Ist schon etwas her.“ antwortete ich und wusste, dass sie diese Tatsache ab und zu vergaß. Aber das lag im Übrigen daran, dass mein damaliger Freund nicht so oft zu Besuch bei ihr war. Von daher konnte es auch mal durchgehen. Meine Mutter sah Oma an und erklärte: „Sie haben sich schon vor fünf Jahren getrennt.“ „Woher soll ich das denn wissen? Mir sagt ja niemand was.“ konterte meine Oma und blickte mich danach an, bevor sie erwähnte: „Irgendwann wirst du den richtigen Mann treffen. Du wirst ihn sehen und direkt wissen, dass er es ist. War bei deinem Opa und mir ebenfalls so. Ab dem Moment waren alle anderen Männer egal und es gab nur den einen.“ Mit einem Seufzen erklärte ich: „Ja, das hast du mir schon einmal gesagt, aber augenblicklich bin ich nicht auf der Suche.“ Irgendwie war ich es leid, mich jederzeit über mein Singleleben rechtfertigen zu müssen. „Wie du meinst. Ich sage es ja nur.“ erwähnte sie, rückte sich ihre langen, grauweißen Haare zurecht und schaute wie zuvor auf die Sachen vor sich.
Auf dem Tisch lagen Kisten mit gesammelten Fotos, die aus grauer Vorzeit stammten. Neugierig setzte ich mich auf einen Stuhl und begann sie mir anzuschauen. In den Kartons befanden sich in die Jahre gekommen Schwarzweißfotos von vor dem Krieg, und sehr alte Briefe von kurz nach dem Krieg. Teilweise waren die Briefe an sie adressiert, aber auch einige, die an ihre Mutter Klara gerichtet waren. Also Klara, meine Urgroßmutter, nach der ich benannt wurde und deren Geburtsjahr 1890 war.
„Machst du endlich Feierabend? Dann packe ich die Gartengeräte wieder weg.“ hörte ich auf einmal meinen Papa sagen, der an der Terrassentür stand und mich mit einem Schmunzeln ansah.“ Sofort sprang ich auf und meinte: „Ich mache nur noch ein wenig und dann schaue ich mir die Sachen von Oma an. Ruh du dich besser aus. Ich schaffe die zwei Meter Brombeeren auch alleine.“
Nach dem Abendessen widmete ich mich erneut den Kisten und wühlte durch das ganze Papier. Es musste sortiert werden. Zuerst packte ich die Briefe weg, fand aber ein Bild von einem wunderhübschen jungen Mann. Der sah so gut aus, der hätte Schauspieler sein können. Mit schätzungsweise dunkelblonden Haaren, die vorne in der Stirn so eine Welle hatten, ähnlich wie eine Tolle. Ich zeigte meiner Mutter das Foto und fragte verblüfft: „Du sag mal, wer ist dieser gutaussehende Mann, der James Dean Konkurrenz machen könnte?“ „Das ist der Cousin deiner Oma. Er war mein Patenonkel und später auch mein Trauzeuge. Aber er ist jung gestorben. Dich hat er nicht mehr kennengelernt.“ „Wie jung war er denn? Hatte er Kinder?“ wollte ich wissen. Sie antwortete: „Er ist nur 50 Jahre alt geworden, war unverheiratet und hatte keine Kinder.“
Das stimmte mich traurig. Ich konnte nicht begreifen, wie ein so gutaussehender Mann unverheiratet geblieben war. Dem hätten doch die Frauen zu Füßen liegen müssen. Es betrübte mich daher, weil ich 15 Jahre mit einem Mann zusammen war, aber nicht verheiratet und er mich nach der langen Beziehung verlassen hatte. War es auch mein Schicksal ledig zu sterben? Das war der Zeitpunkt, an dem ich noch mehr über diesen Cousin meiner Oma erfahren wollte und von allen anderen genauso. In meiner Familie gab es noch einen Mann, der mit 65 Jahren unverheiratet gestorben war. Sollte es doch in der Familie gelegen haben? Infolgedessen begann ich mit der Ahnenforschung.
Verbissen wie ein Frettchen beim Liebesspiel, versuchte ich etwas über die Vergangenheit herauszufinden. Ich konnte bei Dingen sehr engagiert sein, die ich von ganzem Herzen mochte. Außerdem fühlte ich mich wie eine Mischung aus Archäologin und Detektivin. Also genau meine Berufswünsche von damals.
