Warum habe ich „Die Stadt der lauernden Bestien“ geschrieben? Horror oder Romance?
Die Frage habe ich mir öfter gestellt, da ich nach über zwanzig Jahren nicht mehr wusste, was ich damit erzählen wollte. Dabei wollte ich bestimmt nichts erzählen. Also keine wichtige Botschaft vermitteln. Oder doch? Ich fange mal an zu erzählen und dann kommt mir vielleicht doch die ein oder andere Idee, was ich damit ausdrücken wollte.
Wie einige vielleicht wissen, da ich es oft erwähnt habe, kamen bei mir die besten Ideen für Romane durch meine Träume. Bei den Bestien war ich auf jeden Fall noch Teenager. Kein Kind mehr, aber noch keine zwanzig Jahre. Nun bin ich 47 Jahre und daher ist es verdammt lange her. Ich hatte den Traum, dass ich in einem großen Haus war, dort Männer in Kutten standen, eine Art Hohepriester ein Ritual veranstaltet hat und ich in Gefahr war. Ich bin durch die große Türe gelaufen, die wohl der Eingang war. Und wie Träume das nun mal so an sich haben, kam ich nicht weit. Ein Rollweg, wie es am Flughafen gibt, fuhr mich direkt wieder ins Haus zurück und ich konnte nicht so schnell laufen, wie ich es gerne gewollt hätte. Daher musste ich mich durch die Reihen schlagen und einen anderen Ausweg wählen. Zudem sah ich bei dem Ritual eine Grube mit Sand, in die ich geworfen wurde und darin versunken bin. Eine andere Grube hatte so etwas wie Säure als Inhalt. Mein Herz schlug wie verrückt vor Angst.
Als ich aufwachte, notierte ich mir zunächst alle Details. Damals schrieb ich zwar schon gerne, aber habe noch nie einen Roman geschrieben. Also wollte ich darum eine Geschichte basteln. Daher gab ich der Protagonistin Melissa mein ungefähres Alter. Sie hatte ähnliche Erfahrungen in der Schule wie ich und auch Freundinnen. Nur dass Mary und Jessie Zwillinge sind, die ich nicht in meinem Freundeskreis hatte. Aber das kleine Ritual der Freundschaft mit dem Blatt, der Beere und dem Schwur, habe ich tatsächlich mit meiner Freundin durchgeführt.
Ich schweife schon wieder ab. Aufgrund des Traumes, der für mich eher ein Albtraum war, wollte ich eine Story aus dem Genre Horror schreiben. Allerdings ist es mir wohl nicht so gelungen. Den Namen des Buches „Die Stadt der lauernden Bestien“ habe ich bewusst gewählt, da ich die Geschichte der Protagonistin um eine Sekte geschrieben habe. Es kommen zwar auch mal kurz richtige Bestien drin vor, aber die Menschen um sie herum, die dort im Untergrund handeln und unentdeckt sind, sind die wahren lauernden Bestien, da Melissa nicht weiß, wem sie dort vertrauen kann. Jeder Mensch könnte ein Mitglied der Sekte sein oder sogar der Hohepriester.
Neben dem Horrorstrang (es gibt viele Unterkategorien von Horror, wie Splatter, paranormaler Horror, Geistererscheinungen, leichter Grusel oder Psychohorror) wollte ich aber auch viel des normalen Lebens von Melissa erzählen. Ihrer Familie, den Sorgen, den die Mädchen im Alltag haben, weshalb sie schließlich ihr Dorf verlassen haben, und auch der ersten Liebe. Doch eben dies ist nicht immer einfach. Es gibt mehrere Verwicklungen in der Liebe. Nicht nur bei der Protagonistin, sondern auch bei ihren Mitstreiterinnen. So gibt es auch Belästigungen von Männern, die zwar von Liebe sprechen, allerdings nicht so handeln. Ob es für jeden ein Happy End gibt, verrate ich nicht. Diejenigen, die das Buch schon gelesen haben, wissen worauf ich hinauswill.
Was ist also meine Message? Gibt es eine? Den Kampf gegen das Böse? Die Liebe und Freundschaft? Vertrauen und Verrat? Bisher weiß ich es noch nicht. Meistens habe ich nur eine grobe Handlung im Kopf und die Protagonisten agieren von alleine. So kam die Sache mit Chris, Pete Harris, Buster und John. Dies war alles nicht geplant und hat mich selbst beim Schreiben überrascht. Aber es war das Salz in der Suppe. Und bei einer Nebenfigur wie Pete Harris kommt es oft vor, dass ich diese Sidekicks lieber mag als die potenziellen Partner der Protagonisten. Oft erlebt und ich liebe diese Nebenakteure sehr.
Für die Entwicklung der Charaktere habe ich ja auch noch eine Fortsetzung mit dem Titel „Zurück zur Stadt der Bestien“ geschrieben. Einfach weil ich selbst wissen wollte, wie es ihnen nach etwa zwanzig Jahren später ergangen ist. Sind sie noch mit ihrem Partner zusammen? Wie ist die Entwicklung der früheren Antagonisten? Einige davon habe ich schlimmer gemacht, andere zum Guten bekehrt. Das wird für einige bestimmt eine Überraschung werden. Eine von vielen, die mich selbst überrumpelt haben. Es gibt da zwar ein altes Muster, alte Bekannte und doch ist alles neu und nicht die gleiche Story aufgewärmt.
Meine Bücher sind nicht Genrespezifisch, sondern eine Mischung aus Thriller, Romance und Horror. Etwas Platz für Freundschaft und Humor ist auch enthalten. Ich mag es nicht ein Buch zu schreiben, in dem es nur spannend zur Sache geht. Es muss auch mal Ruhephasen für die Protagonisten und die Leser geben. Einen Moment der Stille. Wo man durchatmen kann. Und eben diese Phasen sind geprägt von Freundschaft, Vertrauen und Zuneigung. Daher kann ich nicht sagen, ob ich damit ausdrücken wollte, dass Liebe und Freundschaft der Schlüssel sind, um das Böse zu besiegen. Oder ob in jedem etwas Gutes steckt. Vielleicht auch, dass man Religionen in Ruhe lassen sollte und sie nicht verspotten. Ich habe bewusst die Bezeichnung des Glaubens fortgelassen. Es gibt so viele verschiedene Glaubensbekenntnisse und überall gibt es Menschen, die diesen Glauben lockerer ausleben oder sehr streng und fanatisch sind. Daher wollte ich mich da nicht festlegen. Es gibt immer Leute, die gegen etwas sind oder dafür. Dabei können es auch Ungläubige sein, die schlichtweg aufgrund der Erziehung so ticken. Wer weiß. Ich wurde schon einmal gefragt, welche Religion die Mädchen haben, da Kondome nicht wirklich erlaubt sind, aber wie gesagt kann es auch vom Elternhaus so bestimmt worden sein. Natürlich gibt es eine große Religion, die das so sieht, allerdings kann ich noch mindestens zwei weitere benennen. Daher ist das meine kreative Ausschmückung, die ich mir als Freiheit lasse. Ich will niemanden kritisieren oder schlechtmachen. Ist nicht meine Art oder mein Bestreben. Ich lasse jeden leben, der mich auch in Ruhe leben lässt. Das ist mein Motto. Sollte in meinen Geschichten mal etwas anderes zu lesen sein, dann gehört es zur Story und ist nicht unbedingt meine Meinung. Denn es gehört manchmal zu einem Spannungsbogen und ist somit ein wichtiger Bestandteil. Denn ein Roman besteht nicht nur aus Frieden, Freude, Eierkuchen, sondern aus Konflikten und Problemen, die von dem Protagonisten gelöst werden müssen. Das ist das, was die Leser mitfiebern lässt. Ein Roman ist nicht dazu da, um das perfekte Leben zu spiegeln. Das wäre langweilig und würde von niemandem gelesen werden wollen.
Jetzt weiß ich immer noch nicht, ob ich eine Message damit teilen wollte. Aber ich weiß noch, was ich damals geträumt habe, um meinen ersten Roman zu schreiben. Daher ist diese Horror-Thriller-Romance Story eine meiner liebsten Bücher, die aus meiner Hand stammen. Und auch, weil ich einen Narren an Pete Harris gefressen habe ;-)