Recherche oder Fantasie? Die gute Mischung macht es
Je nach Genre recherchiere ich viel. Dabei kommt es darauf an, ob ich mich selbst weiterbilden möchte oder Spaß daran habe. Als Beispiel nehme ich mal mein Märchen für Erwachsene „Magie, Schicksal und der Zauberkristall“.
Dort geht es unter anderem um Ritter. Dies ist ein Thema, was mir wirklich sehr viel Spaß macht. Also habe ich das Nützliche mit dem Praktischen verbunden und bin zu Mittelalterfesten mit Ritterturnier gegangen. Natürlich ist das auch mit relativ viel Fantasie verbunden, denn so richtig weiß man ja nicht, wie man gekämpft hat. Vieles was wir im Fernsehen erfahren haben, stimmt nur zum Teil. Nehme ich mal als Beispiel die Wikinger. Irgendwie ist es gerade in Mode gekommen, die Krieger der Wikinger mit Äxten, vielmehr Beilen werfen zu lassen. Für den Film sieht es spektakulär aus. Doch wenn man überlegt, dass die Wikinger nicht so reich waren und abgesehen von Raubzügen mehr auf dem Feld oder dem Hof gearbeitet haben, war ihr Besitz begrenzt. Eine Axt oder eben ein Beil musste für den täglichen Bedarf benutzt werden. Holz hacken, Tiere schlachten und sich im Notfall verteidigen können. Daher mussten sie darauf achten, dass dieses Werkzeug gut behandelt wurde, damit es lange hielt. Daher hätte ein Wikinger wahrscheinlich niemals dieses Ding achtlos auf einen Gegner geworfen. Sofern die Axt nicht getroffen hätte, wäre dies als Waffe dem Feind in die Hände gefallen. Ungünstig.
Ebenso ist es bei den Rittern. Es wurden Waffen gefunden, auf Bildern dargestellt und man zog daraus Schlüsse. Niemand von uns war dabei. Es gab Ritter und doch ist alles so verschwommen, wie Legenden. So wie Robin Hood. Gab es ihn wirklich oder ist er Erfindung? König Artus ist auch so ein Beispiel. Nur weil uns die Beweise fehlen, glauben wir nicht daran.
Dies bringt mich zu dem Thema Recherche oder Fantasie. In einem Fantasyroman sollte der kreative Schreibprozess relativ frei sein. Gibt es Zauberei? In einem Buch auf jeden Fall. Ist es wissenschaftlich zu belegen? Eher nein. Und trotzdem lesen die Menschen das Buch und finden es toll. Wie wichtig ist denn tatsächlich Recherche? Ich mache es wie im Fall der Ritter, weil es mir Spaß macht. Und ich schreibe so, dass sogar Zauberei einen gut begründeten Hintergrund hat. Fantasie nimmt ihren Lauf, aber ich versuche es relativ gut zu beschreiben oder zu erklären, wie und warum etwas funktioniert. In meiner Urbanfantasy Buchreihe „Die Chroniken der Lichtkrieger“ haben die auserwählten Krieger ihre besonderen Fähigkeiten von einem Außerirdischen Wesen erhalten, welches schon lange vor den Menschen auf der Erde wandelte. Dieser Planet sollte beschützt werden. Nicht so wie seine Heimat, die lange zerstört ist. Somit habe ich eine einigermaßen logische Erklärung geschrieben.
Leider gibt es in der heutigen Zeit laute Stimmen, die jemanden anprangern, nicht genug recherchiert zu haben. Beispiel: „Sie schreibt ein Buch über Armut und hat nie selbst darin gelebt.“ „Das Buch berichtet von Krieg und die Person war niemals dort in diesem Land und hat nie den Krieg mitgemacht.“
Dies sind Sätze, die wirklich wehtun. Natürlich kann man recherchieren bis man alt ist, aber trotzdem niemals richtig in so eine Position kommt. Ich zum Beispiel war nur einmal vor langer Zeit in London. Niemals in Stonehenge. Aber es gibt Bilder, Beschreibungen, Satellitenbilder und Landkarten, die mir helfen konnten, gewisse Geschichten zu schreiben. So haben es auch Karl May und Jason Dark gemacht. Einfach nur Geschichten gehört oder den Finger auf die Straßenkarte gelegt. Und was ist? Die Leute lieben diese Geschichten und niemand hat Infrage gestellt, dass sie nie da waren.
Es gibt auch massig Frauen, die über Beziehungen zwischen Männern schreiben. Ich habe es bis jetzt vermieden, zumindest gefürchtet. Aus dem Grund, weil ich kein Mann bin. Eigentlich habe ich keine Ahnung davon, wie es sich als Mann anfühlen würde mit einer Frau zu schlafen. Daher habe ich noch weniger Wissen darüber, wie es zwei Männer machen. Natürlich frage ich meine besten Kumpel, mit denen ich über solche Themen richtig gut sprechen kann. Trotzdem habe ich selbst nie Erfahrungen darin sammeln können.
Ebenso ist es in meinen Büchern. Ich beschreibe dort Orte, an denen ich nie gewesen bin. Ich stelle mir Sex mit Männern vor, die ich nie gehabt habe, aber gerne in meinem Bett haben würde. Alleine in meinem Hirn prickelt es bei den Gedanken daran und ich merke diese Glücksgefühle. Ist daher eine Autorin oder ein Autor schlechter, nur weil man selbst nie so etwas erlebt hat? Können sie sich nicht so wie ich in eine Situation hineinversetzen? Daher finde ich es wirklich schade, dass es böse Zungen gibt, die so etwas behaupten und daher das Buch schlechtreden.
Fazit: Ich recherchiere, weil es mir Spaß macht oder ich es selbst interessant finde. Oder weil ich denke, dass ich das Fantasiekonstrukt realer darstellen möchte und daher nötige Informationen brauche. Und wenn ich mich selbst gut in eine Situation reindenken kann, wie Sex mit tollen Männern, so merkt man das auch in meinen Romanen. Ich bin dann drin, weil es mir Spaß macht. Genauso ist es an Orten, die mich faszinieren. So wie Stonehenge. Leider war ich nie da, aber alleine die Bilder zu sehen, lässt mich in eine andere Welt abdriften. Die Fragen, die ich mir stelle, lasse ich meine Protagonisten aussprechen. Sie handeln, so wie ich handeln würde.
Und noch ein Punkt fällt mir ein. Zu viel Recherche ist auch nicht gut. Es geht massig Zeit drauf, um vielleicht nur in einem Absatz etwas zu erwähnen, was Hand und Fuß hat. Zum Beispiel, wie sich Fliegenpilz auf den Körper auswirkt. Ich könnte inzwischen ein Referat darüber schreiben, aber es wird in einem meiner Romane nur mal eben kurz erwähnt. Trotzdem habe ich nie Versuche gemacht, wie ich mich mit diesem Pilz fühle oder welche Wirkungen es hat, damit ich darüber besser schreiben kann. Wie authentisch wollen es denn die Leser haben? Muss ich wirklich alles mal mitgemacht haben, worüber ich schreibe? Nein. Es reicht, dass ich mich in die Situation hineinversetzen kann. Mit Empathie und Vorstellungskraft geht das. Dann kann auch über Erlebnisse im Krieg geschrieben werden, obwohl man nie einen mitgemacht hat. Hauptsache es zieht die lesenden Personen ebenfalls in einen Sog, dass sie meinen könnten, es selbst erlebt zu haben. Und genau das macht gutes Schreiben aus.