Keine Haustiere in Romanen? Warum ist das bei mir so?

Vorweggenommen liebe ich Tiere. Seit meiner Kindheit war mein Leben von Hunden und Katzen geprägt. Wir hatten eine weiße Katze, einen schwarzen Kater, einen Siam Kater, zwei Schildplattkatzen, drei rote Kater, einen rot-weißen Kater, mehrere Vögel, einen Schäferhund, drei Mischlingshunde, eine deutsche Dogge, drei Ziegen, zwei Frettchen, eine Ratte, einen Hamster, Hühner, Kaninchen und sogar Vögel, die wir gerettet und versorgt haben.

Tiere sind einfach wunderbar und geben so viel. Man kann über sie lachen und mit ihnen kuscheln. Ein Ruhepol und gleichzeitig bester Freund.

Warum kommen dann in meinen Romanen nie oder kaum Tiere vor? Wahrscheinlich, weil ich selbst niemals meine Tiere im Stich lassen würde. Wenn das Haus anfängt zu brennen, gehe ich hinein, um sie zu retten. Auf der Flucht vor Krieg würde ich sie mitnehmen. Doch sollte jemand an meine Haustüre klopfen, um mich mit in ein Abenteuer zu nehmen, würde ich ablehnen, da keine akute Notsituation eintritt und ich mich um die Tiere kümmern muss. Sofern es bei dem Abenteuer um Leben und Tod geht, würde ich abwägen. Bin ich die richtige Person für das Abenteuer oder kann auch jemand anders die Welt retten?

Meine Protagonisten sollen ja ein Abenteuer erleben. Wenn die Liebe des Lebens an die Haustüre klopft, dann sollte man mitgehen können. Einfach den Sprung ins Ungewisse wagen. Darum geht es ja in spannenden Geschichten. Der Held der Geschichte kann die Welt schlechter retten, wenn er sich erst um die Tiere kümmern muss. Natürlich gibt es auch Helden, die ein Haustier an der Seite haben. Vielleicht ist es magisch, etwas Besonderes, dass der Held sogar von seinem Begleiter unterstützt oder gerettet wird. Ich hatte zwar sehr viel Spaß mit meinen Tieren, aber das einzig Unnormale oder Übernatürliche, was ich erlebt habe, ist, dass sie alle irgendwie liebenswert verrückt waren. Ein Kater wusste immer, dass ich komme, bevor es meine Eltern wussten. Der stand dann schon vor der Türe und hat gewartet. Aber ob das reichen würde, diesen Kater mit auf eine Reise zu nehmen, um die Welt zu retten? Womöglich würde dem Tier dann etwas zustoßen. Das würde ich mir nie verzeihen. Ich lebe schon immer nach dem Motto, dass ich auf alle aufpassen möchte. Wer kennt das noch? Ich habe meinen Vater damals nicht mal alleine einkaufen fahren lassen, als die Straße vereist war. Irgendwie war es immer noch gefährlich zu fahren, aber ich fühlte mich sicherer, dass meinem Papa nichts passieren konnte, weil ich dabei war. Irgendwie ist das Seltsam. Es ist dieses Gefühl, dass ich auf mich alleine super aufpassen kann. Ich wechsele in der Stadt die Straßenseite, wenn dort irgendwelche dubiosen Typen stehen. Somit passiert mir weniger. Und somit dachte ich immer, dass ich andere Leute schützen konnte, wenn ich es selbst mache. Ich weiß, dass dies nicht stimmt und es nur eine Illusion ist, die mein Hirn mir vorgaukelt, aber irgendwie auch wahr. Wenn ich mir vorstelle, dass ich die Heldin meiner Bücher wäre, mit Schwert und Schild bewaffnet. Alleine gegen zehn Mann. Natürlich hätte ich eine Superkraft, die mich mühelos gegen die Gegner kämpfen lässt. Ich würde es schaffen. Doch was ist, wenn mein Kater dabei wäre? Ich hätte auch immer ein Auge auf ihn und würde ihn schützen, was mich unvorsichtig gegenüber den anderen Angreifern macht. Rein rechnerisch gesehen passen höchstens vier Gegner in einem Kreis um mich. Die könnte ich in Schach halten. Doch wenn auch vier Mann um den Kater stehen, müsste ich diese auch noch auf mich lenken und somit acht Gegner haben, da ich mich ja erst auch noch zu ihm durchkämpfen müsste. Da verliert man schnell die Kontrolle.

Ich hoffe, dass nun jeder nachvollziehen kann, warum ich in meinen Romanen Tiere nur als Randfigur einfüge oder gar nicht. Meine Protagonisten sollen ins Abenteuer starten können. Wäre ja schlimm, wenn jemand an die Haustüre klopft und sagt, dass es eine andere Dimension gibt, die in Gefahr ist, und man erst einmal schauen muss, dass genug Katzenfutter vorrätig ist, dem Nachbarn den Schlüssel geben, schauen, ob der Herd ausgemacht ist, die Pflanzen noch genug Wasser im Topf haben, die Heizung richtig eingestellt ist, alle Fenster verschlossen und die letzten Rechnungen bezahlt worden sind. Wer würde das so machen? Eben. Niemand. Meistens ist es doch so, dass ein Protagonist oder ein realer Mensch alles hinter sich lassen würde und könnte, wenn es keine Verpflichtungen gibt. Keine Haustiere, keine Familie, keinen Job oder einer, den man nicht leiden mag, keinen Partner und keine Lust mehr auf das langweilige Leben. Diese Person würde ohne zu zögern die Haustüre sogar offen stehenlassen, da nichts und niemand darin ihm etwas bedeutet. Diese Person würde liebend gerne in ein Abenteuer einsteigen, wie die andere Dimension.

Ich denke, dass genau deshalb meine Protagonisten eher einsam und alleine sind, keine Familie mehr haben, dass sie frei sind, um die Welt unter allen Umständen zu retten. Denn mal ehrlich: Meine Familie bedeutet mir viel. Ich würde sie auch niemals verlassen, es sei denn mit dem Wissen, dass es ihnen gutgehen würde und ihnen nichts passiert. Ich kann eben nicht loslassen. Das Gefühl bleibt irgendwie, dass ich immer für alle sorgen muss. Ich weiß, dass ich nicht für alles und jeden verantwortlich bin. Doch der Prozess des Loslassens ist schwierig. Ich möchte nun nicht zu weit ausholen, aber ich habe bereits Menschen, die ich liebte, verloren. Auf dem natürlichen Wege, den jeder einmal gehen muss. Aber dies ist ein anderes Thema, über das ich hier nicht sprechen will, da es Menschen triggern könnte, die diesen Artikel nur wegen der Haustiere im Roman lesen wollen.

Erzähle ich lieber über die Eigenarten meiner Tiere. Wir hatten drei Ziegen und zeitgleich zwei Hunde, Katzen und ein Hund war noch ein Welpe. Eine der Ziegen war krank und schon ziemlich alt und der kleine Welpe hat sich unter dem Zaun durchgequetscht und aus dem Stall Heu geholt, um es der Ziege vor die Füße zu legen. Woher wusste dieser kleine Hund, dass die Ziege das normalerweise gegessen hätte? Wir waren echt beeindruckt von dieser kleinen Hündin. Ja, alle unsere Tiere waren speziell. Unsere Dogge hatte einmal eine Plastikschüssel im Mund, also nur den Rand davon. Diese kleine Schüssel brachte er eine Treppe hoch ins Obergeschoss. Darin lagen zwei Hundekekse, die er dort genüsslich gegessen hat. Das hätte er auch unten in seinem Zimmer machen können. Für so eine Dogge nur ein kleiner Happen. Aber er wollte bei uns sein und dort in Ruhe essen. So Tiere sind einfach wunderbar. Aber zum Welt retten meistens nicht geeignet. Zumindest meine Tiere nicht. Ich würde jede Wette eingehen, dass ein Einbrecher mit einem Freudentanz begrüßt worden wäre, statt mich zu schützen. Vielleicht hatte ich allerdings auch nie so wirklich böse Menschen in meinem Umfeld, dass ich das mal erlebt hätte. Womöglich tue ich meinen Tieren Unrecht und sie hätten um mich gekämpft. Aber trotzdem kommt kein Tier in meinen Romanen drin vor. Zumindest kein Haustier. Sie müssen gut versorgt und geschützt sein.

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